Um nachfolgenden Generationen die Zukunft zu sichern, fordert Professor Wilhelm Ripl radikale Kehrtwendungen

Rettungsmodell: Mit Urin Gemüse düngen

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Ohne Wasser und Pflanzen keine Zukunft: Warum nur ein neues Lebensmodell künftigen Generationen eine Zukunft ermöglichen kann, erfuhren knapp 50 Besucher in Sulingen. ·

Sulingen - Von Anke SeidelWarum Wasser sparen eine äußerst dumme Idee ist und warum man mit Urin Gemüse düngen sollte, das erklärte Professor Wilhelm Ripl knapp 50 Naturfreunden und Interessierten in Sulingen. Vor allem aber, warum scheinbar unrealisierbare Vorschläge der einzige Weg sind, Wasser und Land als Lebensgrundlage für nachfolgende Generationen zu retten.

Diese Generationen hat auch „NaLAMa-nT“ im Blick. Das Projekt mit dem sperrigen Namen (Nachhaltiges Landmanagement im norddeutschen Tiefland) sucht nach Lösungen für die Probleme, die sich aus der Globalisierung der Märkte und dem Klimawandel ergeben. Deshalb freute sich Detlef Tänzer als Leiter des beteiligten Landkreis-Fachdienstes Kreisentwicklung über die Zahl der Zuhörer und vor allem über den Referenten aus Berlin, der mit seinen Forderungen nach einer Energiesteuer auf nicht erneuerbare Energieträger und der Revidierung der gängigen Klimamodelle international Aufsehen erregt.

Hinter dem marzialisch klingenden Titel „Wasser – Blutstrom der Biosphäre“ verbirgt sich Ripls Plädoyer für eine völlig veränderte Marktwirtschaft und Lebensräume, die nach einem Kreislaufprinzip funktionieren, in dem man kein Wasser sparen muss. Im Gegenteil: In diesem Kreislauf hat das Wasser, so belegt Ripl anhand von Studien, einen entscheidenden Stellenwert. „Die Natur hat als einzigen Reinigungsprozess die Verdunstung erfunden“, betont der Referent. Pflanzen und Bäume sind unerlässliche Helfer dabei. Was aber geschieht, wenn Menschen alle Bäume fällen, das Land entwässern und Monokulturen anlegen, das beschreibt der 72-jährige Landschaftsökologe so: Das Wasser aus diesen buchstäblich verwüsteten Landschaften gelangt mit unterschiedlichsten chemischen Stoffen versetzt über Drainage in Flüsse und Meere. Weil es über Land keine Verdunstung mehr gibt, steigt dort die Temperatur. Dafür entsteht Wasserdunst in gewaltigen Mengen über den Meeren und wird zu den Polen getrieben. Fazit des Wissenschaftlers: Eine Eiszeit ist „wesentlich wahrscheinlicher“ als alle gängigen Klimakatastrophen-Szenarien.

Wie gegensteuern? Ripl fordert Landschaften mit Bäumen und Pflanzen sowie Landwirten in der Rolle des zentralen Nahrungsmittelerzeugers, statt Waren praktisch um den Erdball zu transportieren. Schwerlasttransporteure sollten nach dem Verursacherprinzip 95 Prozent der Steuern für Verkehrswege bezahlen, betont Ripl. Er geht sogar soweit, den Umzug von Stadtbewohnern in ländliche Bereiche zu fordern. Dann könne sogar in der Stadt eine urbane Landwirtschaft entstehen. Energie, Wasser, Nahrung und Wohnen vor Ort: So müsse der Kreislauf organisiert sein. Ein Beispiel: Statt Unmengen von Wasser durch die Toilette und die Kläranlage Richtung Meere zu spülen, könnte eine Vakuum-Toilette im Kreislauf helfen. Sie trennt Feststoffe vom Urin, das recycelt für die Düngung von Gemüse eingesetzt werden kann. Der gebürtige Österreicher ist fest überzeugt: Ohne eine radikale ökologische und ökonomische Kehrtwende haben nachfolgende Generationen keine Zukunft mehr.

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