Beide haben Klinik verlassen

Resistente Erreger: Flüchtlingskinder geheilt

Landkreis Diepholz - Von Ove Bornholt. Die mit sogenannten „Krankenhaus-Bakterien“ infizierten Kinder einer Flüchtlingsfamilie sind nun beide gesund und haben das Krankenhaus verlassen, teilte Erster Kreisrat Wolfram van Lessen am Montag auf Nachfrage mit. Mit Rücksicht auf die Betroffenen nennen wir den Ort, an dem die Familie im Landkreis Diepholz lebt, nicht.

Die Kinder hatten sich mit methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) angesteckt (wir berichteten). In der Umgebung der Familie sei keine Übertragung festgestellt worden, sagte der Leiter des Gesundheitsamts im Landkreis Diepholz, Dr. Egbert Steffen. Entwarnung also, was die ansteckenden MRSA-Keime angeht.

Im Zusammenhang mit der Gesundheitsfürsorge für Flüchtlinge kritisierte der Mediziner jedoch grundsätzlich Verzögerungen bei der Übermittlung von wichtigen Gesundheitsdaten. Infektionen würden bei Flüchtlingen durchaus eine Rolle spielen, sagte er.

An allen vier Standorten der Erstaufnahme in Niedersachsen werden die Asylbewerber grundsätzlich ab 15 Jahren geröntgt, ab dem zwölften Lebensjahr das Blut auf Antikörper gegen Krankheiten getestet (Masern, Mumps, Röteln, Varizellen) sowie der allgemeine körperliche Zustand untersucht, teilte das Innenministerium auf Nachfrage mit. Damit sollen Krankheiten erkannt werden, die dann weiter behandelt werden können.

So weit, so gut. Doch die Ergebnisse der Untersuchung würden den Landkreis Diepholz oftmals zeitlich verzögert erreichen. Steffen spricht von Monaten. Dann sind die Flüchtlinge allerdings schon da und oft auch auf Wohnungen in verschiedenen Orten der jeweiligen Gemeinde verteilt. Das macht zum Beispiel das Impfen schwierig. Der Landkreis sei dabei auf die Gemeinden angewiesen, so Steffen.

Keime im Flüchtlingsheim

Die von ihm mokierte zu lange Dauer der Informationsübermittlung verneint das Innenministerium nicht. Die Behörde verweist auf unterschiedliche Gegebenheiten vor Ort. „Die Meldewege und -fristen sind daher oftmals unterschiedlich und hängen vom Einzelfall ab beziehungsweise von den hohen Zugangszahlen, die wir im Moment haben und die derzeit nahezu täglich variieren“, teilte Sprecher Matthias Eichler mit.

Übrigens, die zwei untergetauchten Flüchtlinge (wir berichteten im ersten Artikel über die MRSA-Infektion) sind Einzelfälle. Laut Landkreis taucht pro Jahr eine niedrige zweistellige Zahl von Flüchtlingen unter, weit weniger als 50.

Hintergrund MRSA-Keime

Das Bakterium Staphylococcus aureus sei gewöhnlich bei vielen Menschen auf Haut und Schleimhaut zu finden, heißt es in einer Information des MRSA-PLUS-Netzwerkes für die Region Hannover. Bei mehrfach erkrankten und abwehrgeschwächten Menschen steige die Gefahr, eine Infektion zu bekommen. Besonders empfänglich seien Patienten in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen, heißt es weiter. „Infektionen durch Staphylococcus aureus sind normalerweise gut behandelbar. Einige Bakterien haben jedoch Abwehrmechanismen, sogenannte Resistenzen, gegen üblicherweise wirksame Medikamente entwickelt, so zum Beispiel MRSA gegen das Antibiotikum Methicillin.“ Das Vorhandensein dieser Keime konzentriere sich auf medizinische Einrichtungen. Außerhalb davon sei eine Ausbreitung von MRSA bisher kaum beobachtet worden. „Das Bakterium – ob mit oder ohne Resistenz – stellt für Menschen mit gesunder Körperabwehr kein besonderes Problem dar.“

www.mrsa-netzwerke.niedersachsen.de

Rubriklistenbild: © dpa

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