Isetta Club richtet 41. Jahrestreffen aus

Wetschen wird zur „Knutschkugel“-Hauptstadt

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Schauen, fachsimpeln, Spaß haben: Das Isetta-Treffen in Wetschen sorgte bei den Teilnehmern für jede Menge gute Laune.

Wetschen - Von Simone Brauns-Bömermann. Kult und Kulturgut, Babyboom und Kühlschranktür, Sound of Wirtschaftswunder, Sehnsucht nach dem Süden und „Bella Italia“ und an Lederkoffer im Outback: So und mit unzähligen weiteren Schlagworten der Wirtschaftswunder- und Petticoat-Tage mutete das 41. Jahrestreffen des Isetta Clubs in Wetschen an.

Seit vergangenem Mittwoch tauchten die kleinen „Knutschkugeln“ in zarten Pastelltönen und kecken Farbkombinationen überall im Landkreis auf, am Samstag bevölkerten die BMWs mit mindestens zwölf PS die Innenstadt von Diepholz, machten Sommerfrische am Dümmer in Lembruch und trafen sich dann in Wetschen beim diesjährigem Gastgeber des Treffens, Thomas Halfbrodt. Auf seinem idyllischen Anwesen fanden sie in der alten Streuobstwiese mit Kieswegen, die genau die Spurbreite einer Isetta haben, ihr Domizil.

„Wir begrüßen über 135 Isetta-Fahrer“, freute sich Halfbrodt, selbst Besitzer und Liebhaber einer türkisgrünen Wirtschaftswunder-Kugel. Was die Teilnehmer und Besucher am Samstag erwartete, war schon wie gemalt mit Ziegel- und Fachwerkarchitektur an Buchsbaumrondell und Bauerngarten, letztlich gaben die Isetten ein farbenfrohes Bild durch ihre Parkaufstellung ab. Da stand eine Geschichte neben der nächsten, jede anders und durch Menschen, Zeit und Erinnerung geprägt.

Hausherr Halfbrodt brachte etwas Nüchternheit in die euphorische „Traum ins Gestern der Wirtschaftswunderzeit mit allen Facetten und Widersprüchen“-Stimmung: „Das Treffen findet jedes Jahr statt, immer an einem anderen Ort in Deutschland.“ Er war sehr zufrieden mit der langfristig angelegten und akribischen Organisation des Treffens nebst Catering und Unterbringungsmöglichkeiten der Gäste. „Wir haben bereits im letzten Herbst die Wiese hinter unserem Hof als Campingplatz präpariert.“ Viele Teilnehmer kamen mit dem Wohnmobil und der Isetta auf dem Anhänger, vor allem bei längerer Anreise. „Aber auch die Hotels und Pensionen in der Umgebung sind gut besetzt“, erläutert Halfbrodt. Sein Dank ging an alle Helfer, Nachbarn und die Familie.

Festivalstimmung in Wetschen 

Die Stimmung glich einer Festivalstimmung, allerdings in Pünktchenkleid, Stöckel- oder Turnschuhen, Wespentaille und mit Pomade. Der Isetta Club hat sich der Erhaltung, Pflege und Wiederherstellung der „Knutschkugeln“ in Pudding- und Küchenmöbelfarben der 1950er/60er Jahre verschrieben, dies belegten die kleinen Flitzer mit der halbrunden Kühlschranktür und das Isetta Journal des Clubs.

Zum Club gehören auch die Modelle BMW 600, die Viersitzer Isetta-Variante und die BMW 700. Ernst Jesper vom Club hatte den Teilemarkt im Blick: „Wenn man Glück hat, wird jeder hier fündig an Ersatzteilen“, erklärte er. Der Club selbst besäße ein Teilelager mit gebrauchten Ersatzteilen, der Stand vis-à-vis. Dass das kleine Auto mit den wenigen PS, mit dem man sich eigentlich nicht mehr auf Autobahnen traut, mehr als nur ein Oldtimer ist – der Funke sprang schon beim Eingang über: Es muss so etwas wie Lebensgefühl, Lebensfreude der damals jungen Bundesrepublik sein. Wie stürmisch es damals zuging, das erschallte lautstark, als wären sie wieder halbstark, aus der Isetta eines Ehepaares aus Marburg: Peggy Marchs „Mit siebzehn hat man noch Träume“ und Peter Kraus‘ „Motorbiene“ wurde laut mitgesungen. Leiser bei Ehepaar Deppe aus Spenge bei Herford, die im Fernsehen in der „Nordtour“ gesehen hatten, das in Wetschen ein Isetta-Treffen stattfindet. „Wir hatten eine Isetta, aber leider 1961 einen schweren Unfall mit ihr, lieben das Auto aber über alles“, so Klaus Deppe. Und so kamen sie zum Schauen und Staunen. Die Eheleute Kramer aus Aachen hatten es sich mit ihrem vanillegelben Schatz unter einem Baum gemütlich gemacht. Sie nannten die Isetta 250 aus dem Jahr 1961 seit 1981 ihr Eigen.

Isetta-Treffen in Wetschen

Im Innern der Isetten wahre Schätze: Auf Ablage und Reisenetz Sonnenbrille, Strohhut, Reiseandenken. Auf Gepäckträger Lederkoffer oder, wie bei Elvira Petri aus Büdingen, der Original Vox-Verstärker ihrer Vintage-Band. Dazu tragen die Freundinnen Petri und Heidrun Kettner aus Reichelsheim Petticoat und Glockenrock an Bolerojacke aus den 1950er Jahren. Am Auto steht Rock ‘n‘ Roll, Elvira und vorne auf der Haube „Alex“. „So hieß mein Vater und meine Tochter heißt Alexandra.“ Die Liebe zu der bunten Kugel, die kurz nach dem Krieg Freiheit für kleines Geld bedeutete, geht weit. Mit 35 PS unterwegs ist die große Schwester, die BMW 600: Davon hatte das Ehepaar Vera und Peter Mohrbacher aus Windeck an der Sieg ein Exemplar. „Wir sind selbst auf Achse nach Wetschen gefahren“, berichtet das Paar stolz. Bernward Huch aus Hildesheim parkt mehr allein mit seinem BMW 700 mit dem Kofferraum voller Motor aus dem Jahr 1965.

Nach dem Treffen eroberten die Isetten dann wieder den Landkreis, Sonnenblenden runter und volle Pulle mit zwölf Pferdestärken.

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