„Es ist wahnsinnig, wie sich der Beruf entwickelt hat“

Frühere Pflegedienstleiterin Heidrun Bloch will nun als Netzwerkerin Kräfte bündeln

+
Heidrun Bloch hat die Leitung des DRK-Pflegedienstes in Rehden Anfang des Jahres abgegeben und ist jetzt als Netzwerkkoordinatorin tätig. 

Rehden - Als Alleinkämpferin angefangen und zuletzt von einem 20-köpfigen Team unterstützt, war Heidrun Bloch in den vergangenen 34 Jahren häufig die treibende Kraft, wenn es darum ging, den ambulanten Pflegedienst und weitere Angebote des Deutschen Roten Kreuzes in Rehden ins Leben zu rufen und auszubauen.

Anfang des Jahres hat sie die Pflegedienstleitung an Anna-Lena Welge abgegeben und bemüht sich seither als Netzwerkkoordinatorin, Kräfte zu bündeln und neue Angebote zu etablieren. Im Gespräch äußert sie sich zu Veränderungen in der Pflege und ihre neue Aufgabe. Die Fragen stellte Melanie Russ.

Wenn Sie an Ihre 34 Jahre im DRK Rehden zurückdenken, gibt es etwas, das für Sie besonders heraussticht?

Heidrun Bloch: Die Einweihung des Seniorenzentrums mit seinem umfassenden Dienstleistungsangebot vor drei Jahren war sicher ein herausragendes Ereignis. Besonders stolz bin ich auch auf das ganze Team, das wirklich gute Arbeit leistet. Und wir haben im Laufe der Jahre viele Mitarbeiter qualifiziert, etwa im Palliativbereich oder als Wundmanager.

Wie hat sich Ihre Arbeit im Laufe der Jahre verändert?

Bloch: Ich sage immer gerne, ich habe mit einem Notizbuch und einem Ausrüstungskoffer angefangen. Mehr brauchte ich damals nicht. Seither haben die Bürokratie und die Vorschriften enorm zugenommen. Heute muss alles dokumentiert werden. Es ist wahnsinnig, wie sich der Beruf entwickelt hat.

Und wie sieht es mit den Bedürfnissen ihrer Kunden aus? Haben die sich verändert?

Bloch: Ja. Demenz ist zu einem wichtigen Schwerpunkt geworden. Darum haben wir inzwischen spezielle Betreuungsangebote mit entsprechend geschulten Mitarbeitern für Demenzerkrankte.

Ist der Fachkräftemangel auch bei Ihnen ein Thema?

Bloch: Es ist inzwischen sehr schwer, geeignetes Personal zu finden. Es gibt offenbar nicht mehr so viele Menschen, die diesen Beruf ausüben möchten. Die Politik fängt jetzt erst an, sich darüber Gedanken zu machen, dabei bräuchten wir die zusätzlichen Kräfte jetzt schon. Bisher ist es uns in Rehden aber immer gelungen, ausreichend Personal zu finden.

Was könnte der Grund sein, warum Ihr Beruf als nicht so attraktiv gilt?

Bloch: Man muss individuell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Senioren eingehen. Das ist nicht immer leicht. Außerdem sind die Arbeitszeiten mit Diensten am Morgen und Abend und am Wochenende sehr flexibel. Das liegt nicht jedem.

Welche Bedeutung hat die Unterstützung durch Ehrenamtliche in der Ambulanten Pflege?

Bloch: Man kann ja viele Ideen haben, aber man braucht auch Leute, die sie umsetzen. Darum habe ich von Anfang an immer viel Wert darauf gelegt, Ehrenamtliche einzubinden. Sie unterstützen die hauptamtlichen Mitarbeiter zum Beispiel in den drei Tagesbetreuungsgruppen, bereiten das Kaffeetrinken, Lieder und Spiele vor. Auch der Weitertransport des Essens auf Rädern geschieht auf ehrenamtlicher Basis. Das gibt es hier sonst nicht.

Anfang des Jahres haben Sie die Pflegedienstleitung abgegeben. Seither sind Sie 15 Stunden in der Woche als Netzwerkkoordinatorin tätig. Was umfasst Ihre neue Aufgabe genau?

Bloch: Mein Ziel ist es, verschiedene Organisationen noch enger miteinander zu vernetzen. Das gilt für die Angebote innerhalb des DRK, ich führe aber auch Gespräche mit den Kirchengemeinden und den Sozialverbänden, um vielleicht Kräfte zu bündeln. Denn wir wissen nicht, ob es in Zukunft noch so viele Ehrenamtliche geben wird. Das Freizeitangebot ist heute viel umfangreicher als früher.

Sind schon konkrete Aktivitäten in Planung?

Bloch: Ich denke zum Beispiel an Gesprächskreise für pflegende Angehörige, ein Trauerfrühstück oder ein Senioren-Servicebüro mit einer monatlichen Sprechstunde. Die Details sind aber noch offen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

USA schieben früheren Nazi-Kollaborateur nach Deutschland ab

USA schieben früheren Nazi-Kollaborateur nach Deutschland ab

Rückkehr der "Siedler" und "Desperados"

Rückkehr der "Siedler" und "Desperados"

Sonne, Strand und Meer: Beliebte Strandhotels auf Mallorca

Sonne, Strand und Meer: Beliebte Strandhotels auf Mallorca

Kindergartenfest Bücken

Kindergartenfest Bücken

Meistgelesene Artikel

„Tag des Motorsports“ lockt mehr als 6 000 Besucher

„Tag des Motorsports“ lockt mehr als 6 000 Besucher

Drei tolle Tage in Sulingen

Drei tolle Tage in Sulingen

Gourmetfestival-Premiere: „Hammer, Hammer, Hammer!“

Gourmetfestival-Premiere: „Hammer, Hammer, Hammer!“

Abi Wallenstein: Wie eine Wundertüte

Abi Wallenstein: Wie eine Wundertüte

Kommentare