Inforveranstaltung zum Naturschutzgebiet Oppenweher Moor

Vorentwurf im Blickpunkt

Detlef Tänzer vom Landkreis informierte die Bürger zur Neuausweisung des Naturschutzgebiets Oppenweher Moor. - Foto: sbb

Düversbruch - „Neuausweisung Naturschutzgebiet Oppenweher Moor“ hieß der Titel der Informationsveranstaltung des Fachdienstes Kreisentwicklung am Dienstag in Düversbruch. Das Interesse von Bürgern, Anrainern, Landwirten, Jägern, Vertretern von Politik und Kommunen war sehr groß.

„Wir informieren über den Vorentwurf zur Sicherung des FFH-Gebietes Oppenweher Moor als Naturschutzgebiet. Hierzu möchten wir mit Ihnen in den Dialog treten“, so Fachdienstleiter Detlef Tänzer. Der Vorentwurf war notwendig geworden, um eine EU-konforme hoheitliche Sicherung aller FFH-Gebiete bis Ende 2018 zu erreichen.

Der Landkreis Diepholz befindet sich seit Februar 2015 in einem Vertragsverletzungsverfahren. Daraus resultierte die Forderung des Niedersächsischen Umweltministeriums an alle unteren Naturschutzbehörden, einen Bericht zum Stand der Sicherung der FFH-Gebiete abzugeben und für sämtliche nicht gesicherten FFH-Gebiete geplante Umsetzungstermine zu nennen. In dem Kontext wurden zur Realisation der Aufgabe zwei neue Stellen im Fachbereich Kreisentwicklung generiert.

Im Landkreis Diepholz befinden sich 23 Natura2000-Gebiete, davon 19 FFH-Gebiete und vier EU-Vogelschutzgebiete. Alle Gebiete seien „nicht EU-konform gesichert gewesen“, so Tänzer. Der Vorentwurf enthielte nun alle Grenzpräzisierungen für das Oppenweher Moor, um das Ziel des Natura2000 Schutzgebietsnetzes und der damit verfolgten langfristigen Sicherung eines guten Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen und FFH-Arten zu erreichen.

„Wir haben dazu die Überarbeitung der bestehenden Schutzgebietsverordnungen vorangetrieben und im Vorentwurf dargestellt“, so Iris Richter. Dieser Vorentwurf, der laut Tänzer nur eine Aktualisierung der Basiskartierung sei und auf der genauen Fauna-Flora-Habitat Situation im Oppenweher Moor mit Schutzmaßnahmen reagiere, hatte zehn Paragraphen.

Der Entwurf werde, parallel zur öffentlichen Auslegung in der die Bürger und Landnutzer die Möglichkeit der Einwendung haben, im Internet auf der Landkreisseite veröffentlicht. Das Landschaftsschutzgebiet DH 38, Thielmannshorst, Lembrucher Torfmoor, Brockumer und Stemmer Moor würden im Geltungsbereich der Verordnung aufgehoben nach Inkrafttreten der Neuausweisung. Wobei der Begriff „Neuausweisung“ durchaus zweideutig aufgefasst werden konnte. Tatsächlich sei, laut Internetseite des Landkreises Diepholz, das Oppenweher Moor bereits seit 1998 FFH-Gebiet und bereits zu 100 Prozent unter Schutz, zudem deckungsgleich mit dem Naturschutzgebiet Oppenweher Moor und dem Landschaftsschutzgebiet Thielmannshorst, Lembrucher Torfmoor, Brockumer und Stemmer und Teil des Naturpark Dümmer.

Helen Schepers erläuterte die große Relevanz des relativ jungen Moores (2200 vor Christus) mit einer Fläche von 380 Hektar in Niedersachsen und 493 Hektar in Nordrhein-Westfalen im europäischen Kontext. Es stelle sich derzeit als großflächiges, durch Torfabbau degeneriertes Hochmoor mit aktueller Renaturierung dar.

Vorherrschend sind Moorwälder, Torfstiche mit Wasserflächen, Feuchtgrünland. Es gibt Tiere wie die Moosjungfer, die auf der Roten Liste stehen. Ziegenmelker und Kraniche zeichneten das Gebiet als besonders wertvoll aus. Soweit zur Arbeit der Naturschutzbehörde und dem Informationsstand. Da solche, dem Naturschutz vorbehaltenen Flächen, bei latentem Flächendruck in der Region mit Interessen von anderen Landnutzern nicht deckungsgleich verlaufen, gab es Diskussionsbedarf.

Ein Teilnehmer fand sich im Kartenmaterial bereits als „enteignet“. Dies wolle man natürlich prüfen und korrigieren, so Tänzer. Ob bestehende Pachtverträge für Grünland unberührt weiterliefen und wie lange noch, wurde nachgefragt. Ob es weitere Auflagen und Einschränkungen in der zukünftigen Nutzung gäbe, warum überhaupt für die EU nachgebessert werden müsse, war von großem Interesse.

„Warum weht von der Naturschutzbehörde ein anderer Wind“, wollte Manfred Tuma für die Jägerschaft wissen, die sich eingeschränkt sah. Dem wäre nicht so, der Landkreis erfülle nur Forderungen, so Tänzer. „Ich habe den Eindruck, dass Pachtverträge nur solange verlängert werden, bis das Naturschutzziel erreicht ist“, eine weitere Angst. Sebastian Lüsse rechnete aus seiner Sicht als Landwirt den Wertverfall eines landwirtschaftlichen Betriebes bei Neuklassifizierung des Bodens vor.

Bürgermeister Marco Lampe aus Brockum wollte wissen, wie die Chancen stünden, wenn der Ort Einspruch gegen den Vorentwurf einlegen würde. Und noch eins brannte unter den Nägeln der Anrainer: Warum konnte die Entwidmung eines Teilstückes des Landschaftsschutzgebietes im Bereich der Windkraftanlage des Unternehmens Fangmeier durchgehen? „Die Werte für effektiven Naturschutz waren hier verloren aufgrund von Ackerflächen, Biogas und Windkraft“, argumentierte Tänzer, für die Besucher nicht nachvollziehbar, da Unmut deutlich zu spüren war.

Die Informationsveranstaltung blieb im Ergebnis offen mit Fragen, die Interessierten müssen sich folglich durch das Konstrukt auf der Internetseite arbeiten und wenn gewünscht, Anregungen und Bedenken im öffentlichen Verfahren anmelden. - sbb

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