Große Resonanz und kritische Stimmen bei Infoabend zur Einheitsgemeinde in Dickel

Vertrauensvolle Kooperation ist die Basis

Die Planungen für die Einheitsgemeinde interessieren: Etwa 80 Zuhörer kamen zur Infoveranstaltung in der Dickeler Schützenhalle. Foto: Russ

Dickel - Von Melanie Russ. Eng zusammenrücken war am Dienstag im Schützenhaus in Dickel angesagt. Das bezog sich zunächst einmal nicht auf das Thema des Abends – die mögliche Umwandlung der Samtgemeinde Rehden in eine Einheitsgemeinde – sondern war ganz wörtlich zu verstehen. Denn nahezu jeder der etwa 80 Sitzplätze in dem kleinen Raum war besetzt. Die große Resonanz zeigte, dass das Thema die Menschen in der kleinen Gemeinde beschäftigt. Aber auch aus den Nachbargemeinden waren Gäste gekommen, die hören wollten, wie man im kritischen Dickel denkt.

Welche Fragen zumindest einige Dickeler bewegen, wurde schon bei den vergangenen Infoabenden deutlich. Zum einen ist da die Sorge, als kleine Gemeinde unter den großen Rehden und Wetschen nicht gehört zu werden. Diese Bedenken versuchte Samtgemeindebürgermeister Hartmut Bloch den Zuhörern zu nehmen, indem er unter anderem auf die bisherige gute Zusammenarbeit verwies. In den Anfangsjahren der Samtgemeinde sei man im Rat noch ganz anders miteinander umgegangen. „Da hat man sich manchmal richtig gefetzt.“ Doch diese Zeit sei längst vorbei. Inzwischen arbeiteten Verwaltung und Ratsmitglieder auf Gemeinde- und Samtgemeindeebene vertrauensvoll zusammen. Auch die Belange der kleinen Gemeinden würden beachtet. „Wir sind auf eine Art und Weise zusammengewachsen, auf die wir stolz sein können“, sagte Bloch. Aus seiner Sicht gibt es keinen Grund, warum sich das in einer Einheitsgemeinde ändern sollte. Eine Einheitsgemeinde mache auch nur Sinn, wenn alle mitziehen und vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Ortsvorsteher hätte großes Gewicht

Ausführlich ging der Samtgemeindebürgermeister auf die Kompetenzen des Ortsvorstehers ein, der in einer Einheitsgemeinde in gewisser Weise den jetzigen Bürgermeister ersetzen würde, und gab zugleich einen taktischen Tipp: Wird der Posten mit jemandem besetzt, der nicht im Rat sitzt, hätte die Ortschaft einen zusätzlichen Fürsprecher, der dann zwar kein Stimmrecht hätte, aber ein Anhörungsrecht im Gemeinderat und im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss. Er kann vom Bürgermeister in Belangen seines Ortes Auskunft verlangen und Anträge stellen, mit denen sich der Rat zeitnah befassen muss. Der Ortsvorsteher wird von der Partei vorgeschlagen, die in der jeweiligen Ortschaft die meisten Stimmen erhalten hat.

Den Dickeler Ratsherrn Robert Münning konnten die Ausführungen Blochs nicht recht überzeugen. Er hatte bei früheren Veranstaltungen bereits argumentiert, in einer Einheitsgemeinde würden die kleinen Ortschaften Dickel und Barver an Gewicht verlieren. Am Dienstagabend kritisierte er zudem, dass die Verwaltung in Rehden das Vorhaben Einheitsgemeinde über die Köpfe der Gemeinderäte hinweg angestoßen und mit dem neuen Rathaus und dem im Rehdener Gewerbegebiet angedachten zentralen Bauhof die Entscheidung in gewisser Weise bereits vorweggenommen habe. Beides hatte Bloch als Projekte bezeichnet, die als Symbole für eine Einheitsgemeinde stehen könnten.

Sowohl Bloch als auch einige Ratsleute der anderen Mitgliedsgemeinden widersprachen. Die Bürgermeister Wilhelm Grelle (Rehden) und Friedrich Sandering (Hemsloh) hätten das Thema vorangetrieben, betonte Bloch. Die SPD werbe schon seit 15 Jahren für eine Einheitsgemeinde, ergänzte Manfred Koch.

Auch in Dickel einiges angestoßen

Münnings Ratskollege Mark Plaßmeier ärgerte sich, weil nach seinem Empfinden durch Blochs Verweis auf die wenigen Kompetenzen der jetzigen Mitgliedsgemeinden der Eindruck erweckt worden sei, der Dickeler Gemeinderat habe nichts gemacht. „Der Anschub für das neue Baugebiet ist von uns gekommen und nicht aus Rehden“, sagte Plaßmeier. Auch sonst könne man in Dickel sehen, was der Rat initiiert habe.

Außerdem erinnerte er an die Aussage aus dem Samtgemeinderat von einem ergebnisoffenen Verfahren. Wenn dem so sei, so Plaßmeier, dann müsste es auch in Ordnung sein, wenn Dickel gegen die Einheitsgemeinde stimmen würde. Stattdessen hätten sich deren Kritiker zuletzt immer wieder dumme Sprüche anhören müssen. Das sei nicht in Ordnung, pflichtete ihm Bloch bei. „Ihr nehmt das Thema ernst, das ist mir nicht entgangen.“

Mit Heinrich Gödke meldete sich ein Fürsprecher der Einheitsgemeinde zu Wort. Er appellierte an die Ratsmitglieder, bei ihrer Entscheidung nicht nur ihre eigene Position im Blick zu haben, sondern auch die der Bürger, die sie gewählt haben.

Während Münning und Plaßmeier Vorbehalte haben, bezog Dickels Bürgermeister Günther Meyer klar für die Einheitsgemeinde Stellung. „Ich bin dafür. Es wäre schade, wenn wir nicht mitmachen“, sagte er, betonte aber zugleich, dass er die Meinung der Einwohner bei der Entscheidung einbeziehen möchte. Darum appellierte er an alle Zuhörer, die Informationen des Abends erst mal sacken zu lassen und in den kommenden Tagen und Wochen die Ratsmitglieder anzusprechen.

Offene Fragen müssen geklärt werden

Viele Fragen müssten im Fall eines Votums für die Einheitsgemeinde noch geklärt werden. Auch offizielle Kandidaten für das Bürgermeisteramt gibt es noch nicht. „Das ist ja alles auf dich zugeschnitten. Kandidierst du?“, fragte ein Einwohner im Anschluss an Blochs Ausführungen den Amtsinhaber. Der Angesprochene blieb wage: „Das lasse ich offen.“

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