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Unterhaltungsverband Hunte hält Beitrag 2022 trotz steigender Kosten stabil

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Von: Melanie Russ

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Die Pflege und Unterhaltung der Hunte und ihrer Zuflüsse (hier die Wagenfelder Aue) ist die Kernaufgabe des Unterhaltungsverbands Hunte. Nachhaltigkeit gewinnt dabei immer mehr an Bedeutung.
Die Pflege und Unterhaltung der Hunte und ihrer Zuflüsse (hier die Wagenfelder Aue) ist die Kernaufgabe des Unterhaltungsverbands Hunte. Nachhaltigkeit gewinnt dabei immer mehr an Bedeutung. © Russ

Rehden – Die Gewässerunterhaltung wird immer aufwendiger, die Betriebskosten steigen, trotzdem verzichtet der Unterhaltungsverband Hunte 2022 im elften Jahr in Folge auf eine Beitragserhöhung. Wie lange das noch so bleibt, vermag Geschäftsführer Ingo Ammerich allerdings nicht zu sagen. „Unser Ziel ist es, den Beitrag weiterhin stabil zu halten, aber eine seriöse Prognose ist nicht möglich.“

Die Bescheide werden Anfang März an die Beitragspflichtigen verschickt.

Das Beitragsvolumen beläuft sich laut Ammerich auf etwa 1,4 Millionen Euro pro Jahr. Davon entfällt etwa eine Million Euro auf die Personalkosten. Rund 200.000 Euro sind jährlich für Investitionen vorgesehen. „Da laufen die Kosten momentan völlig aus dem Ruder“, sagt Ammerich. Aber nicht zu investieren, gehe nicht.

Auch bei den laufenden Kosten erwartet er Steigerungen. Zum einen sind da die Tarifsteigerungen, zum anderen die anziehenden Kraftstoffpreise. Im vergangenen Jahr habe man noch einen relativ günstigen Liefervertrag für 100.000 Liter Diesel für das ganze Jahr abschließen können, berichtet Ammerich. So langfristige Verträge gebe es nicht mehr. Hier könnten die Mehrkosten etwa 30.000 Euro betragen.

Im vergangenen Jahr wurden laut Ammerich unter anderem zwei Böschungsmäher angeschafft. Sie sind durch ihre besondere Konstruktion in der Lage, auf Flächen mit großem Gefälle zu fahren. Außerdem waren ein neuer Pick-up und ein Werkstattwagen fällig. Gesamtinvestition: rund 230.000 Euro.

„In diesem Jahr werden wir uns etwas zurückhalten“, sagt Ammerich. Vorgesehen sind Ausgaben in Höhe von 140.000 Euro. Denn 2023 steht die nächste große Investition an: ein Schlepper für rund 280.000 Euro.

Darüber hinaus wird regelmäßig in Spezialgeräte für die EDV-gestützte, artenschutzgerechte Gewässerunterhaltung investiert. Die damit verbundene wechsel-seitige und zeitlich versetzte Unterhaltung ist zeit- und damit kostenintensiver. Neben der klassischen Pflege und Unterhaltung der Gewässer kommt Renaturierungsmaßnahmen seit einigen Jahren immer mehr Bedeutung zu.

Nutrias zerstören die Böschungen der Gewässer und erschweren dem Unterhaltungsverband Hunte die Arbeit.
Nutrias zerstören die Böschungen der Gewässer und erschweren dem Unterhaltungsverband Hunte die Arbeit. © dpa

Eine weitere Herausforderung ist die seit Jahren stark zunehmende Population von Nutrias. Die bis zu zehn Kilogramm schweren Tiere graben sich mehrere Meter tief in die Böschungen der Gewässer und richten dabei große Schäden an. Zum einen verursacht deren Reparatur Kosten, zum anderen können die gegrabenen Gänge eine Gefahr für die Mitarbeiter sein, wenn sie mit ihren schweren Maschinen darüberfahren und einsacken.

Sehr dankbar ist Ingo Ammerich für die Unterstützung vieler Landwirte. Sie fragten im Herbst frühzeitig an, wann der Unterhaltungsverband anrückt, und sorgten dafür, dass ihre Felder dann im Uferbereich frei sind. Das ist laut Ammerich eine große Arbeitserleichterung und bringt eine Kostenersparnis, weil die Mitarbeiter zügig durchfahren können und nicht für einzelne Abschnitte wiederkommen müssen. Zwar habe der Verband das Recht, über die Feldfrüchte drüberzufahren, erklärt der Geschäftsführer. Aber bei der Gewässerunterhaltung Nahrungsmittel zu vernichten, ist für ihn der falsche Weg.

Ein Thema, das in den vergangenen Jahren an den Unterhaltungsverband herangetragen wurde, ist die Gründung von Beregnungsverbänden. Ammerich ist bezüglich einer Steuerung der Bewässerung auf Feldern durch seinen Verband zurückhaltend. „Wir sind der Meinung, dass unsere Aufgabe einen Schritt vorher liegt, bei der Anreicherung des Grundwassers.“ Noch ist das Grundwasser in der Region nach seiner Einschätzung auskömmlich, doch mit vermehrten trockenen Sommern könnte sich das ändern.

Ideen zur Grundwasseranreicherung gibt es viele, doch die Umsetzung ist laut Ammerich schwierig. Ein Weg, das Abfließen des Oberflächenwassers zu verlangsamen, wäre, die Gewässer nicht mehr so sauber zu räumen. Diese Idee wurde wieder verworfen, weil es bei Starkregen im Sommer zu Überschwemmungen kommen könnte.

Das Setzen von Stauen ist laut Ammerich nur erlaubt, wo es der Gewässerunterhaltung dient. Als weitere Alternative nennt er die Bildung von Auen – also den Gewässern die Möglichkeit zu geben, sich auf angrenzende Flächen auszudehnen. Doch passende Flächen sind schwer zu bekommen. Das Thema wird Ingo Ammerich und seine Mitarbeiter wohl noch länger beschäftigen, der Geschäftsführer stellt aber auch klar, dass es Grenzen gibt. „Wir müssen darauf achten, dass die Beiträge nicht zweckentfremdet werden.“

Von Melanie Russ

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