Kindermusiker Heiner Rusche

Mit Ukulele und Lautsprechern aufs Fahrrad

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Auch zum Interviewtermin kam der Kinderliedermacher Heiner Rusche mit seinem Fahrrad.

Hemsloh - Der Kinderliedermacher Heiner Rusche will ab sofort möglichst viele seiner Konzerte per Fahrrad ansteuern. In einem Interview spricht der 62-jährige Hemsloher über sein neues Projekt „Live & Bike“. Die Fragen stellte unsere Redakteurin Katharina Schmidt.

Herr Rusche, wie sind Sie auf die Idee gekommen, öfter zu Ihrem Publikum zu radeln?

Heiner Rusche: Der Gedanke kam mir, als ich auf meinem Auto-Tacho gesehen habe, wie viele Kilometer ich im vergangenen Jahr gefahren bin. Insgesamt waren es rund 30.000. Fast alle davon bin ich auf dem Weg zu Konzerten gefahren. Ich finde, das ist zu viel. Wir hören im Fernsehen und im Radio viel über Klimaziele, die gesteckt und dann wieder verworfen werden. 

Politiker können viel darüber reden – aber wir selber müssen etwas tun. Wie weit ich meine Autofahrten reduzieren kann, weiß ich noch nicht. Es ist ein Versuch. Für mich ist es aber bereits ein Erfolg, wenn ich kleine Schritte schaffe. Ein Misserfolg wäre es nur, wenn ich es nicht versuchen würde.

Wie viele Konzerte geben Sie – und wie weit reisen Sie für Ihre Auftritte?

Rusche: Zurzeit spiele ich um die 100 Konzerte im Jahr. Ich trete mittlerweile bundesweit auf. Ich werde mit Sicherheit mit dem Fahrrad nicht in jede Ecke Deutschlands fahren können. Und es wird auch Auftritte in der Region geben, für die ich ein Auto gebrauche. 

Bei größeren Konzerten fahre ich recht viel Technik und Equipment mit mir herum – da ist mein Wagen bis unter die Decke vollgepackt mit Lautsprecherboxen und was man sonst noch so benötigt. Aber es wird auch viele Konzerte geben, gerade hier in der Region, die ich mit dem Fahrrad machen kann. Das sind in erster Linie kleine Konzerte in Kitas und Grundschulen.

Für kleinere Konzerte ist doch bestimmt auch einiges an Ausrüstung nötig, oder?

Rusche: Ja, ich werde auf dem Fahrrad vollausgerüstet fahren. Ich habe eine Gitarre, eine Ukulele und Handinstrumente für die Kinder dabei. Hinzu kommen Lautsprecherboxen und Mikrofone. Zusätzlich brauche ich natürlich auch Auftrittskleidung. 

Und wenn ich mehrere Tage unterwegs bin, im Sommer, dann muss ich für Übernachtungen auch noch Zelt, Schlafsack, Isomatte etc. dabeihaben. Insgesamt kommt einiges zusammen. Ohne ein wirklich gutes Reiserad und einen Fahrradanhänger funktioniert das nicht.

Haben Sie schon einmal getestet, mit dem ganzen Equipment zu radeln?

Rusche: Nein, noch nicht (lacht). Zurzeit suche ich noch den passenden Anhänger. Ich bin aber sicher, dass es funktionieren wird.

Welche Hürden gibt es noch bei der Umsetzung des Projektes „Live & Bike“?

Es gibt oft logistische Probleme. An einen Tag muss ich hoch in den Norden, am nächsten Tag nach Süddeutschland und am dritten Tag habe ich wieder ein Konzert hier in der Heimat. Hinzukriegen, dass man auch mal eine Tour planen kann, wo sich die Konzerte wie an einer Perlenkette aneinanderreihen, das ist oftmals schwer. Die Veranstalter haben klare Vorstellungen, was sie wann machen wollen.

Wie viele Kilometer Radfahrt nehmen Sie für einen Auftritt in Kauf?

Rusche: Das kommt drauf an, wann die Konzerte sind. Wenn ich morgens um 10 Uhr in einem Kindergarten auftreten soll, werde ich vorher keine 50 bis 60 Kilometer fahren können. 30 bis 40 Kilometer sind aber durchaus machbar.

Verbringen Sie privat auch viel Zeit auf dem Fahrrad?

Rusche: Ja. 2017 bin ich 5000 Kilometer geradelt. Im vergangenen Jahr habe ich mir privat das Ziel gesetzt, so viel wie möglich mit dem Fahrrad zu erledigen. Ich war selber erstaunt, wie viel man im täglichen Leben ohne Auto erledigen kann – auch hier auf dem Land. Auf einem Rad kann ich den gesamten Wocheneinkauf verpacken. 

Platz ist auch ohne zusätzlichen Anhänger genug. Man wundert sich, was in die normalen Satteltaschen hineinpasst. Ich nehme das Rad auch in den Urlaub mit. Wenn alles klappt, werde ich mir in diesem Jahr einen Traum erfüllen und damit über die Alpen nach Italien fahren.

Wollen Sie das mit purer Muskelkraft schaffen, oder haben Sie auch ein E-Bike?

Rusche: Ich habe kein E-Bike. Das mag für viele genau das Richtige sein, aber für mich ist es nichts.

Zu Ihrer Philosophie gehört, bei Ihrer Musik alles selber zu machen. Wird es nicht stressig, zusätzlich auch noch weitestgehend auf das Auto zu verzichten?

Wenn mir das kein Spaß machen würde, würde ich das auch nicht tun. Es ist ein bisschen abenteuerlich, gesund und fühlt sich gut an. Fahren Sie mal mit dem Auto über die Autobahn zu einem Konzert und hängen dann fünf Stunden lang im Stau fest. In solchen Momenten kann der Beruf total nerven. Mit Fahrrad zu fahren, ist hingegen ein bisschen wie Urlaub.

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