Ewald Bösking hat das Schmieden zum Hobby gemacht

Tierfiguren aus Hufeisen als Mitbringsel für Freunde

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Ewald Bösking neben einer seiner selbstgemachten Figuren im Garten der Familie in Barver. 

Barver - Von Horst Benker. Tierfiguren aus Hufeisen zieren den Kaminsims im Wohnzimmer, weitere eiserne Kunstwerke schmücken Garten und Terrasse. „Die Figuren nehmen wir als kleine Mitbringsel mit einem Schein dran anstatt einer Flasche, wenn wir bei Freunden eingeladen sind“, erzählt Martina Schmadtke-Bösking aus Barver.

Geschmiedet wurden Maus, Katze oder Eule von ihrem Mann Ewald Bösking, der den Beruf seines Großvaters und seines Vaters quasi zu seinem Hobby gemacht hat. Opa Wilhelm Bösking war Schmied, ebenso dessen Sohn Heinrich, Ewalds Vater.

Bis vor drei Jahren war die alte Schmiede auf dem Anwesen „Voßkamp 171“ ein Blumenladen. „Da kam die alte Esse wieder zum Vorschein, als sich unser Sohn die Schmiede zu einer Wohnung umbauen wollte“, erinnert sich Ewald Bösking. Sie weckte sein Interesse. Er baute sich im Garten einen kleinen Unterstand, um sie dort aufzubauen. „Ich habe sie allerdings halbiert, sie wäre sonst zu groß gewesen“, erzählt der 66-Jährige.

In der ehemaligen Schmiede fand er zudem viel Zubehör, Werkzeug, Alteisen und einen großen Sack Schmiedekohle. Diesen hütet er förmlich wie seinen Augapfel, geht sparsam damit um. „Die ist kaum noch zu kriegen“, weist der Rentner darauf hin, dass es nur noch wenige Schmieden gibt.

Gelegentlich nimmt er auch die Autogarage für seine Materialien mit in Beschlag, da es keine Werkstatt mehr gibt, sehr zum Leidwesen seines Sohnes

„Ewald liebt Eisen“, verrät seine Frau Martina. Kein Wunder, Eisen liegt schließlich in seinen Genen dank Großvater und Vater. Aber auch Ewald selbst ist diesbezüglich nicht ganz unbeleckt. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Landmaschinenmechaniker bei Friedrich Rohlfs in Eydelstedt.

Danach war er vier Jahre bei Gläser in Drebber beschäftigt, bevor er 1973 zur Diakonie in Freistatt (heute Bethel im Norden) wechselte. „Die hatten damals noch Landwirtschaft“, erinnert er sich. Nach zehn Jahren wechselte er in die Betreuung, wo er 30 Jahre beschäftigt war, bevor er 2013 aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand ging.

Inzwischen geht es ihm besser, so dass er unbeschwert seinem Hobby nachgehen kann. „Ich stehe aber nicht ständig an der Esse“, erzählt er, während er eine glühende Eisenstange mit rhythmischen Hammerschlägen bearbeitet. Er will einem Bekannten als Dank für dessen Hilfe etwas schmieden, zünftig mit einer Schmiedeschürze bekleidet.

Jeder merkt sofort, welchen Spaß er an seinem Hobby hat und mit wieviel Hingabe er werkelt. Förmlich ins Schwärmen gerät er, wenn er von der Entwicklung der Schmiede in Barver erzählt.

Es fing an auf einer kleinen Pachtstelle mit seinem Großvater Wilhelm, der 1895 in Ellinghausen geboren wurde. Im Mai 1926 machte dieser seine Meisterprüfung im Schmiedehandwerk und legte auch die Prüfung zum Hufschmied ab. Er beschlug Pferde, baute Ackerwagen und erledigte Reparaturarbeiten an Pflügen und anderen landwirtschaftlichen Geräten.

Auch Heinrich Bösking, Ewalds Vater, wurde Schmied. Er spezialisierte sich auf Treppen- und Brückengeländer und Zäune. „Und im Jahr 1957 hat er den Kupferhahn auf dem Kirchturm angebracht“, weiß Ewald Bösking zu erzählen. Später baute er auch das Friedhofstor. „Böskings hatten immer viel mit der Kirche zu tun“, wirft Ehefrau Martina ein, mit Hinweis darauf, dass Ewald im Kirchenvorstand mitarbeitet.

Ewald Bösking muss oft schmunzeln, wenn er in Erinnerungen schwelgt. Sein Vater, der 1961 das neue Haus und die neue Schmiede am Voßkamp errichtet hatte, baute auch Wagen für Schausteller. „Diese konnten aber oft nicht sofort bezahlen, deshalb sind wir ihnen zu Märkten nachgereist, um das Geld einzutreiben, bis hin nach Lübeck. Zurückgekehrt sind wir dann mit Hartgeld – eimerweise. Das wurde dann in der Sparkasse gezählt“, lacht er.

Mitte der 1970er Jahre kam Heinrich Bösking zu der Einsicht, dass das Schmiedegeschäft nicht mehr genug einbringt. Er gab von heute auf Morgen auf und fing bei der Firma Schöttler (Schöma) in Diepholz an. „Er hatte uns vorher nichts gesagt, sondern sich heimlich beworben“, erzählt Ewald Bösking schmunzelnd.

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