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Geplante Steinbrechanlage in Hemsloh beschäftigt den Rat ‒ Torsten Wiechert steht Rede und Antwort

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Von: Melanie Russ

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Die Firma Wiechert möchte in Hemsloh östlich der Straße „Am Berge“ eine Steinbrechanlage errichten. Das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans geht jetzt in die nächste Runde.
Die Firma Wiechert möchte in Hemsloh östlich der Straße „Am Berge“ eine Steinbrechanlage errichten. Das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans geht jetzt in die nächste Runde. © Russ

Hemsloh – Es war lange ruhig gewesen um die östlich der Straße „Am Berge“ in Hemsloh geplante Steinbrechanlage. Mit dem nächsten Schritt im Ende 2018 gestarteten Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans kam das Thema am Dienstagabend wieder auf die Tagesordnung des Hemsloher Gemeinderates.

Der hat zwar nicht über die Planänderung zu entscheiden – das ist Sache des Rehdener Samtgemeinderates – er kann aber im Rahmen der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange zu dem Vorhaben Stellung nehmen. Zugleich gab der Tagesordnungspunkt einigen Einwohnern die Gelegenheiten, Fragen zur Steinbrechanlage zu stellen, die Bauamtsleiterin Jana Tenschert und Ratsherr Torsten Wiechert, dessen Firma die Anlage errichten möchte, bereitwillig beantworteten.

Wiechert hatte sich zu Beginn des Planänderungsverfahrens von einigen Hemslohern heftige Kritik anhören müssen. Die Bewohner der in der Nähe gelegenen Häuser befürchten durch zusätzlichen Lärm und Staub einen Verlust an Lebensqualität. Schon jetzt sei der Lärmpegel durch die anderen dortigen Betriebe und den Lkw-Verkehr hoch, beklagen sie. Das Abholzen der – wenn auch vergleichsweise kleinen Waldfläche – kam bei einigen Hemslohern ebenfalls nicht gut an. „Wenn ich gewusst hätte, welche Wellen das schlägt, hätte ich es gelassen“, sagte Torsten Wiechert am Dienstagabend. Doch beim Start des Planänderungsverfahrens seien seine Planungen schon zu weit gewesen, um sie aufzugeben.

Eine wesentliche Frage, die die Einwohner in der Sitzung beschäftigte, war die, ob die Steinbrechanlage das Ende der Fahnenstange ist oder ob sie weitere Betriebserweiterungen fürchten müssen, wenn das Geschäft mit dem Bruchmaterial gut läuft. Das beantworteten Tenschert und Wiechert mit einem deutlichen Nein. „Größer wird es auf keinen Fall“, stellte der Unternehmer klar. Er verwies darauf, dass er das gebrochene Material ja auch weiterverarbeiten müsse. „Die Menge zu erhöhen, macht keinen Sinn, wenn wir sie nicht verwerten können.“

Jana Tenschert ergänzte, dass es bereits schwierig gewesen sei, eine Aufhebung des Landschaftsschutzstatus durch den Landkreis für die drei Hektar große Fläche zu erreichen. Dass der Landkreis dort einer weiteren Teillöschung zustimmen würde, ist nach ihrer Einschätzung nahezu ausgeschlossen. Die Steinbrechanlage könne dort auch nur angesiedelt werden, weil sie im Zusammenhang mit dem Sandabbau stehe und der Bereich im Raumordnungsprogramm als Vorranggebiet für den Sandabbau ausgewiesen sei.

Hintergrund

Die Sandabbaufirma Wiechert möchte eine Steinbrechanlage samt großzügigem Lager- und Sortierplatz für Bruchmaterial auf einer drei Hektar großen Waldfläche östlich der Straße „Am Berge“ in Hemsloh errichten. Dafür ist die Löschung des Landschaftsschutzstatus für diesen Bereich und die Ausweisung der Fläche als Gewerbegebiet im Flächennutzungsplan erforderlich. Die Aufhebung des Schutzstatus hat der Kreistag bereits bewilligt. Für die Genehmigung der Anlage ist das Gewerbeaufsichtsamt in Hannover zuständig.

An wie vielen Tagen im Jahr die Anlage in Betrieb sein werde, wollte eine Anwohnerin wissen. Laut Bürgermeister Detlef Mackenstedt steht das noch nicht fest. Das Gewerbeaufsichtsamt werde das im Rahmen der Genehmigung festlegen. „Die Anlage läuft nicht jeden Tag zwölf Stunden“, versicherte Torsten Wiechert. Für das Genehmigungsverfahren hatte er angegeben, dass etwa 60 000 Tonnen pro Jahr verarbeitet werden sollen. „Wir werden da nicht drüber kommen.“

Wiechert erläuterte, mit den drei Hektar habe er großflächig geplant, um das Bruchmaterial besser sortieren zu können. Denn Schutt ist nicht gleich Schutt. Unterschiedliches Material muss getrennt voneinander gelagert werden. Es sollen demnach auch nicht gleich die kompletten drei Hektar „platt gemacht“, sondern der Lagerplatz nach Bedarf erweitert werden. Als Ausgleich für dieses und ein weiteres Vorhaben in Lohaus pflanzt der Unternehmer zehn Hektar neuen Wald auf einer Ackerfläche in Dickel an.

Wie Torsten Wiechert erklärte, möchte er vorwiegend Material aus der Region verarbeiten. Das hätte vermutlich den Vorteil, dass sich die Fahrer der anliefernden Lkw auskennen und wie vorgesehen über die B239 anfahren. Denn die Anlieferung ist eine weitere Sorge der Anwohner. Sie beklagen, dass schon jetzt viele Lkw – insbesondere Auswärtige, die blind dem Navi folgen – die Betriebe an der Straße „Am Berge“ über die schmalen Gemeindestraßen anfahren, statt die Bundesstraße zu nutzen.

Eingangs hatte Jana Tenschert die nächsten Schritte des Planänderungsverfahrens erläutert und erklärt, welche Voraussetzungen für die Genehmigung der Steinbrechanlage erfüllt sein müssen. So wurden ein Lärm- und ein Staubgutachten in Auftrag gegeben, die laut Tenschert besagen, dass beim Betrieb einer Steinbrechanlage am gewünschten Standort alle Grenzwerte eingehalten werden. Die Bauamtsleiterin betonte in diesem Zusammenhang auch, dass zwei gleichzeitig betriebene Steinbrechanlagen – die Firma Peters Sand betreibt dort bereits eine kleinere Anlage – nicht bedeuteten, dass sich der Lärmpegel verdoppele. Ein Artenschutzgutachten wurde ebenfalls erstellt. Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass in dem fraglichen Bereich geschützte Zauneidechsen leben. Derzeit gebe es Gespräche mit der unteren Naturschutzbehörde, wie damit umzugehen sei, so Tenschert.

Mit dem Ergebnis der Gutachten und den während der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung eingegangenen Stellungnahmen wird sich der Samtgemeinderat in seiner nächsten Sitzung befassen.

Von Melanie Russ

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