Wildtier löst Ängste aus

Überwachungskamera zeigt zwei Wölfe auf Firmengelände

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Ungebetene Gäste: Das Bild einer Überwachungskamera zeigt zwei Wölfe auf dem Gelände der Firma BTR in Rehden. Nach Angaben des Unternehmens ist es nicht das erste Mal, dass sich die Tiere Zugang zum Gelände verschaffen.

Rehden - Von Marcel Jendrusch. Auf dem Gelände des Transportlogistikers BTR in Rehden herrscht fast immer reger Betrieb. Jeden Tag passieren zahlreiche Lastwagen das große Tor an der Dickeler Straße. Auf eine bestimmte Art von regelmäßigen Besuchern hat Joshua Schröder, Wildbeauftragter des Unternehmens, jedoch überhaupt keine Lust: Wölfe.

„Schauen sie sich das mal an“, sagt Schröder. Er zeigt auf den Bildschirm seines Laptops. Darauf zu sehen: Schwarz-Weiß-Bilder, nachts aufgenommen von einer Überwachungskamera. Ein Bild zeigt, neben Füchsen und Dachsen, zwei Wölfe. Auf anderen Bildern ist jeweils nur ein Wolf zu sehen. Der Zaun, der das Firmengelände eingrenzt, interessiert ihn nicht. Er kommt trotzdem durch. Schon mehrfach in der Vergangenheit.

Das Firmengelände ist kein gewöhnlicher Gewerbepark. Es ist eine frühere Bundeswehr-Liegenschaft, die Muna Rehden. Bis zur Auflösung 1995 war dort das Luftwaffenmunitionsdepot 61. Damals schon hoch gesichert, heute noch mehr. Wachdienst, Scheinwerfer, Videokameras. Rund um die Uhr. Zusätzlich ist das 2.600.000 Quadratmeter große Areal von Bewaldung umschlossen. Dann gibt es noch den besagten Zaun.

Gewöhnliche Zäune helfen nicht

„Mein Zaun ist doch das beste Beispiel dafür, dass die üblichen Schutz-Tipps gegen das Raubtier, angeblich wolfssichere Zäune zum Beispiel, die BUND, Nabu, oder auch das von Stefan Wenzel geführte, niedersächsische Umweltministerium geben, nichts nützen“, sagt Bruno Boes, Geschäftsführer der Firma. 

„Unser Zaun ist drei Meter hoch, die Verdrahtung reicht 30 Zentimeter in den Boden. Die Tiere kommen trotzdem rein.“ Zwar wisse er, dass sein Gelände natürlich nicht mit der Fläche eines durchschnittlichen Nutztierhalters zu vergleichen sei, doch diese könnten ihre Flächen nicht mal eben sicherheitstechnisch aufrüsten. Das sei für Viele in der Regel finanziell nicht darstellbar. Wenn der Schutz dann auch noch seine Wirkung verfehle, sei der Schaden gleich doppelt hoch.

Joshua Schröder pflichtet ihm bei: „Der Wolf gräbt sich nicht einfach unter dem Zaun durch, er beißt die Erdverdrahtung kaputt. Wir haben ja hier nun auch nicht gerade einen normalen Jägerzaun um das Gelände stehen. Das ist noch der originale, extra verstärkte Militärzaun.“ Dieser sei mit Sensoren ausgerüstet, die, sobald der Zaun berührt werde, Videoüberwachung und Fotofallen auslösen.

Einmal auf dem Gelände, reiße der Wolf dann das dort lebende Damwild. Dieses ist nach Unternehmensangaben noch ein „Erbe“ der Bundeswehr. „Wir finden öfters Tiere mit dem typischen Kehlbiss“, führt Schröder weiter aus. Zwar würde der Wolf auch fressen, doch die meisten Tiere ließe er einfach liegen.

Wolf löst Ängste aus

Dass der Wolf bei den Menschen Ängste und Verärgerung auslöst, zeigte sich diese Woche wieder im Rahmen einer Diskussionsrunde in Barnstorf. Auch dort war deutlich geworden, dass Nutztierhalter von der Politik alleine gelassen werden. Ein Teilnehmer beklagte, dass er den Niedersächsichen Umweltminister Stefan Wenzel angeschrieben, bis heute aber keine Antwort erhalten habe.

Joshua Schröder kann die Sorge der Leute verstehen. „Wir haben viele Spaziergänger und Reiter um das Gelände herum. Der Wolf muss ja nichtmal ein Tier reißen, es reicht doch aus, wenn ein Pferd scheut und den Reiter abwirft.“ Aus dem Unternehmen heißt es weiter, dass lange überlegt worden sei, dass Bildmaterial zu veröffentlichen. Zum Schutz der Nachbarn und zu Aufklärungszwecken habe man sich dann zur diesem Schritt entschlossen.

Bruno Boes wirft Politik und Verbänden Versagen und Kurzsichtigkeit vor. Wer in einer Großstadt wie Hannover wohne und arbeite, könne die Bedenken der Landbevölkerung in Bezug auf das Raubtier oft gar nicht richtig nachvollziehen.

Geschäftsführung und Wildbeauftragter sind sich einig: „Wir haben ja nichts gegen den Wolf, aber wir haben ihn auch nicht vermisst. Wir fordern ein Umdenken seitens der Politik und möchten, dass mit den betroffenen Menschen fair und ehrlich umgegangen wird. Die Sorgen der Leute müssen endlich ernst genommen werden.“

Auf seiner Website und im Internetauftritt bei Facebook wird das Unternehmen weitere Bilder vom Wolf veröffentlichen.

www.btr-transportlogistik.de

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