Zehn Mitarbeiter betroffen

Ein schwerer Schritt: Wolfgang Johanning schließt die Siebenhäuser Molkerei 

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Wolfgang Johanning (Foto rechts) muss schweren Herzens seine Molkerei schließen, zu der ihm die Nachbarn vor drei Jahren von Herzen gratuliert hatten.

Am 1. Mai vor drei Jahren hat Wolfgang Johanning (54) seinen Traum verwirklicht – und seine eigene Molkerei für regionale, traditionell handwerkliche und naturbelassene Milchprodukte eröffnet. Jetzt muss er seine Siebenhäuser Molkerei in Rehden schließen.

Rehden – Ab dem 10. Mai steht die Produktion still. Zehn Mitarbeiter sind betroffen. Was bleibt, ist die Hoffnung, einen neuen Partner zu finden.

„Bei der Herstellung unserer Milchprodukte setzen wir auf handwerkliche und traditionelle Verfahren“, wirbt Wolfgang Johanning aus Rehden für die Produkte der Siebenhäuser Molkerei. Joghurt, Quark, Frisch- und Bauernkäse sowie Gourmet-Spezialitäten: 33 Produkte hat der 54-Jährige im Programm. Er beliefert mittlerweile 52 Standorte – vor allem Filialen der Lebensmittel-Riesen Edeka, Rewe und Bünting (Famila, Combi), aber auch Hofläden und Milchtankstellen.

Großer Einzugsbereich für Siebenhäuser Molkerei

Der Einzugsbereich der Molkerei reicht bis vor die Tore Bremens, umfasst die Region Osnabrück sowie die Landkreise Diepholz, Nienburg und Vechta – plus den Landkreis Minden-Lübbecke in Nordrhein-Westfalen. Doch am 10. Mai ist Schluss mit der Produktion. Der Molkerei-Laden in Rehden an der B 214 schließt einen Tag später.

Wolfgang Johanning hat erkannt, dass er mit seinem regionalen Unternehmen zwar ein Etappenziel erreicht hat. Aber für sein Endziel reicht es unter den gegebenen Umständen nicht. „Uns sind Bestellungen von unter 50 Euro zum Verhängnis geworden“, nennt der Landwirt einen Grund für die Entwicklung. Denn mit der eigenen Logistik flexibel auf noch so kleine Bestellungen zu reagieren, gehört bisher zum Konzept.

Johanning: „Verbraucher werden immer sensibler“

Ausscheren aus der klassischen Spirale von „immer mehr Fläche und immer mehr Kühe“ wollte Johanning mit seinem Projekt – und dem Wunsch vieler Verbraucher nach naturbelassenen Milchprodukten Rechnung tragen: „Sie werden ja immer sensibler.“ Deshalb investierte der 54-Jährige in seine Molkerei – in der Überzeugung, dass die Verbraucher das honorieren. Ein Trugschluss. Denn die Hoffnung, dass mit zunehmender Bekanntheit auch der Produktabsatz steigt, erfüllte sich nicht: „In der gewünschten Form hat es keine Steigerung gegeben.“

5 000 Liter Milch pro Woche fließen zurzeit in die Siebenhäuser Molkerei in Rehden. Aber Johannings Ziel war es, seine gesamte Milchproduktion – sprich das Fünffache – dort zu verarbeiten. Aktuell, so hat der 54-Jährige kalkuliert, sollten schon bis zu 15 000 Liter in naturbelassene Produkte verwandelt werden. „Die Milch wird nur pasteurisiert“, beschreibt Johanning das Sterilisationsverfahren, ohne das er seine Produkte nicht in den Handel bringen darf.

Johanning schätzt Loyalität seiner Mitarbeiter

Vor mehr als drei Jahren hat er das alte, ortsbildprägende Gebäude der ehemaligen Rehdener Molkerei erworben, nach eigener Auskunft einen „hohen sechsstelligen Betrag“ in die Sanierung sowie Modernisierung investiert und insgesamt zehn Mitarbeiter eingestellt. Er habe sie frühzeitig über die Entwicklung informiert, sagt Johanning – und schätzt ihre Loyalität.

Das Molkereigebäude mit historischen Wurzeln hat vier Etagen. Im Keller reift der Käse. Im Erdgeschoss sind Produktion und Laden angesiedelt, während sich im oberen Geschoss Seminarräume, Büros und der Sozialbereich für die Mitarbeiter befinden. „Das Dachgeschoss ist zum Ausbau vorbereitet“, sagt Johanning. Wäre sein Traum in Erfüllung gegangen, würden dort Erweiterungs- und Lagerräume entstehen. Doch dafür reicht die betriebswirtschaftliche Lage nicht mehr.

Schwerer Schritt für Rehdener Landwirt

Deshalb hat der 54-Jährige am Montag seine Partner in den Zentralen der Lebensmittel-Großunternehmen darüber informiert, dass die Produktion in Rehden am 10. Mai eingestellt wird. Genau diese Nachricht finden – mit der Lieferungsbestätigung – heute die Mitarbeiter in den von der Siebenhäuser Molkerei belieferten Filialen.

Es ist ein schwerer Schritt für Wolfgang Johanning. Denn der Landwirt aus Rehden hat mit seiner Molkerei verwirklicht, was ihm persönlich in der heutigen Zeit unverzichtbar erscheint: Milchprodukte nicht nur in traditionellem Handwerk herzustellen und regional zu vertreiben, sondern die Milch dafür auch ohne internationale Futtermittel-Importe zu produzieren.

EU-Molkerei-Zulassung im zweiten Jahr erhalten

Das notwendige Kraftfutter für seine 120 Kühe – Ackerbohnen und -erbsen – baut der 54-Jährige selbst an: „Das ist ein geschlossener Kreis, autark“, sagt der Landwirt. Diese Philosophie lebt Johanning schon seit vielen Jahren. So hat er sich vom konventionellen Molkereien-System gelöst und vermarktet die Milch von seinem Hof über die Milcherzeugergemeinschaft Hunte-Weser.

Sein eigenes Molkerei-Konzept hat er vor mehr als drei Jahren klar strukturiert: „Im ersten Jahr sind wir gestartet mit der Produktentwicklung und der Direktvermarktung im eigenen Laden“, blickt er zurück. Das Geschäft in der Rehdener Molkerei ist für ihn so etwas wie ein „Schaufenster“, in dem auch Vertreter großer Lebensmittelketten einen Eindruck von der Leistung erhalten. „Im zweiten Jahr haben wir die EU-Zulassung bekommen“, blickt Johanning auf eine elementare Voraussetzung für die Vermarktung seiner Produkte in Supermärkten, heute Alltag.

Siebenhäuser-Rettung mit neuem Partner?

Doch der Produktabsatz ist bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Er würde weitermachen, wenn er betriebswirtschaftlich könnte, stellt der 54-Jährige klar. Denn er glaubt nach wie vor an das regionale Konzept. Zu retten wäre die Molkerei womöglich mit einem neuen Partner, mit dem er in seiner als GmbH organisierten Molkerei buchstäblich bei Null beginnen würde. Gespräche hat er bereits geführt, aber bisher noch ohne Erfolg.

Johannings Traum wäre es, besagten Partner zu finden – und das Verpackungssystem auf Glas und Mehrweg umzustellen: „Aus betriebswirtschaftlichen Gründen war das bisher noch nicht möglich.“ Ausdrücklich bedankt sich Johanning bei den bisherigen Kunden für ihre Treue – und bietet Hofkäse im Rehdener Laden ab sofort zum halben Preis an.

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