Freundschaft auf Sparflamme

Seit 25 Jahren: Partnerschaft zwischen Dickel und Cechovo

Erfüllen die 25-jährige Freundschaft zwischen Dickel und der russischen Gemeinde Cechovo nach wie vor mit Leben: Heidrun Heßlau (von links), Marlene Tinnemeyer, Erika Fenker und Martin Heitmeier. Foto: privat

Dickel - Von Gerhard Scheland. Aktuelle Ereignisse bestimmen die nicht immer ruhigen Gespräche in der kleinen Gemeinde Dickel. Die neuesten Lockerungen der Corona-Beschränkungen beispielsweise. Und natürlich die Diskussionen um die Einheitsgemeinde.

Bei den brennenden aktuellen Themen rückt eine andere Besonderheit aus der knapp 50-jährigen Dickeler Ortsgeschichte völlig in den Hintergrund: In diesen Tagen jährt sich für die Ortschaft Dickel und seine knapp 500 Einwohner zum 25. Mal das Jahr der Unterzeichnung eines Patenschaftsvertrages mit der kleinen Gemeinde Cechovo im früheren Ostpreußen. Grund genug, um einen längeren Blick auf die Anfänge der partnerschaftlichen Gemeinsamkeiten zu werfen. Auf ein vertraglich festgezurrtes gegenseitiges Versprechen, die schon seit geraumer Zeit bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Völkern im Geiste gegenseitigen Verständnisses zu pflegen.

Das Wichtigste vorab: Die vor 25 Jahren manifestierte Freundschaft läuft in Dickel schon seit Längerem nur noch auf Sparflamme. Insbesondere wird die Partnerschaft durch persönliches Engagement mehrerer Dickeler Bürger und im Laufe der Jahre erwachsener Freundschaften hochgehalten. Offizielle Begegnungen, mal hüben, mal drüben, die in den Anfangsjahren ganz normal waren, ruhen seit ein paar Jahren so gut wie ganz. Die viele Jahre in Dickel geführte Spendenkasse zur Unterstützung der Patenschaftsziele ist inzwischen aufgelöst worden. Für den Restbetrag wurde eine Kamera für Schulkinder in Cechovo angeschafft.

Bei den Menschen im russischen Cechovo, das vor dem Kriege noch Uderwangen hieß, besitzt die Patenschaft hingegen nach wie vor einen hohen Stellenwert. Trotz einer Neustrukturierung der kommunalen Verwaltung.

Die Patengemeinde liegt ganz in der Nähe von Kaliningrad, dem früheren Königsberg. Fast mitten im russischen Korridor an der Ostsee. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Uderwangen die Heimat der Brüder Erhard und Georg Makollus, die nach der Vertreibung als Flüchtlinge im Ortsteil Dönsel der kleinen Gemeinde Dickel eine neue Heimat fanden.

Seit ihrem ersten Besuch im Mai 1991 pflegten die Makollus-Brüder und ihre Familien verstärkt Kontakte zu den Menschen in ihrer ostpreußischen Heimat. Auch deswegen, weil in Uderwangen noch immer große Not herrschte. Es fehlte an Lebensmitteln ebenso wie an Bekleidung und weiteren lebenswichtigen Dingen. Aus dem Grunde organisierten die Makollus-Brüder von Dickel aus mehrere Hilfstransporte. Immer mit großem Aufwand verbunden. Zumeist unter den abenteuerlichsten Bedingungen und jedes Mal mit tatkräftiger Unterstützung weiterer Dickeler Bürgerinnen und Bürger.

Zudem arbeiteten die inzwischen verstorbenen Makollus-Brüder daran, die Einreisevorschriften zu erleichtern und die Kosten für die Hilfstransporte zu senken. Nicht zuletzt deshalb gelten sie bis heute als Initiatoren der Freundschaft zwischen Dickel und Cechovo. Die Patenschaftsurkunden wurden 1995 allerdings vom damaligen Dickeler Bürgermeister Helmut Tinnemeyer und Friedhelm Fenker, seinerzeit Verwaltungschef im Rathaus der Samtgemeinde Rehden, im früheren Uderwangen mit politischen Repräsentanten der Gemeinde Cechovo unterzeichnet. Beide sind inzwischen ebenfalls verstorben.

Gleich nach ihrem Besuch im ehemaligen Ostpreußen sorgten Tinnemeyer und Fenker damals dafür, dass die handsignierten Dokumente als sichtbares Zeichen der Partnerschaft Ehrenplätze erhielten. Unter anderem in den Räumen des Rehdener Rathauses.

Eine der Dickelerinnen, die die Freundschaft viele Jahre mitgetragen hat, ist Heidrun Heßlau. In ihrer aktiven Zeit im Dickeler Rat in den Jahren 1991 bis 2007, als zeitweilige Bürgermeisterin, als Mandatsträgerin im Samtgemeinderat und Mitglied des Verwaltungsausschusses weilte sie selbst 2003 mit einer großen Delegation in Cechovo. Sie organisierte offiziellen Anlässe und empfing mehrfach Gäste in ihrem Hause in Dickel. Ihre von der langjährigen Freundschaft zwischen den Menschen in Dickel und Cechovo gesammelten Dokumente und mehrere Bernsteinbilder sind nun im „Dickeler Dörphus“, einem kleinen privaten Museum, ausgestellt.

Besonders gern erinnert sich die Dickelerin an die freundschaftlichen Beziehungen zu Bürgermeisterin Svetlana Bucharova. „Wegen der Verständigungsprobleme waren und sind die Gespräche mit Svetlana immer besonders amüsant“, möchte die 62-Jährige die unregelmäßigen Unterhaltungen nicht missen, „nicht die persönlichen und auch nicht die telefonischen anlässlich von Geburtstagen oder ähnlichen Anlässen.“

Zuletzt hätte es vor zwei Jahren beim Besuch der Deutschlehrerin Nadezda Kustova aus Cechovo einen angeregten Austausch von Neuigkeiten gegeben, berichtet Heßlau. Und freut sich, dass die Patenschaft nach wie vor von privater Seite getragen wird. „Von den Witwen Erika Fenker in Rehden und Marlene Tinnemeyer in Diepholz sowie von Martin Heitmeier aus Wetschen.“ Mit ihrer Freude verbindet sie den Wunsch, dass die vor 25 Jahren besiegelte Freundschaft über kurz oder lang auch von offizieller Seite wieder neue Impulse erhält.

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