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Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen am Erdgasspeicher in Rehden

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Von: Melanie Russ

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Die Infrastruktur des Erdgasspeichers in Rehden wird ohnehin sorgsam überwacht und geschützt. Vor dem Hintergrund des Russland-Ukraine-Kriegs hat der Betreiber, die Gazprom-Tochter Astora, die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal erhöht.
Die Infrastruktur des Erdgasspeichers in Rehden wird ohnehin sorgsam überwacht und geschützt. Vor dem Hintergrund des Russland-Ukraine-Kriegs hat der Betreiber, die Gazprom-Tochter Astora, die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal erhöht. © Astora

Bislang gibt es vor dem Hintergrund des Russland-Ukraine-Kriegs keine Hinweise auf die Gefahr eines terroristischen Anschlags auf den Erdgasspeicher in Rehden. Betreiber Astora, eine Gazprom-Tochter, erhöht trotzdem vorsorglich die Sicherheitsvorkehrungen.

Rehden – Terroranschläge auf Einrichtungen der kritischen Infrastruktur in Deutschland? Die Gefahr ist nach Einschätzung der Polizeigewerkschaften mit dem Beginn des Russland-Ukraine-Kriegs gestiegen. Im Herzen der Samtgemeinde Rehden befindet sich mit dem Erdgasspeicher eine solche Einrichtung. Dass er über das Tochterunternehmen Astora dem russischen Gazprom-Konzern gehört, macht die Sache nicht besser. Konkrete Hinweise auf eine erhöhte terroristische Gefahr gibt es laut dem Landkreis Diepholz nicht, gleichwohl hat die Polizei derzeit ein besonders wachsames Auge auf den Erdgasspeicher. Und der Betreiber Astora hat nach eigenen Angaben die Sicherheitsvorkehrungen vorsorglich verschärft.

Bei den Bürgern der Samtgemeinde Rehden scheint es keine größeren Bedenken bezüglich der Sicherheit des Gasspeichers zu geben. Er sei aus der Bevölkerung noch nicht darauf angesprochen worden, sagt Samtgemeindebürgermeister Magnus Kiene. Bisher habe er nicht wahrgenommen, dass besondere Ängste bestünden. Er selbst – erst seit November im Amt – hatte bislang nach eigener Aussage noch keinen engeren Kontakt zum Unternehmen, allerdings stehe in Kürze ein Kennenlerngespräch an.

Erdgasspeicher in Rehden

Der Erdgasspeicher in Rehden ist mit seiner Arbeitsgaskapazität von 3,9 Milliarden Kubikmetern auf einer unterirdischen Fläche von rund acht Quadratkilometern – das entspricht 910 Fußballfeldern – einer der größten Porenspeicher in Westeuropa. Er verfügt über rund ein Fünftel der gesamten in Deutschland vorhandenen Speicherkapazität.

Aus der natürlichen Erdgaslagerstätte wurde seit den 1950er-Jahren von Wintershall Erdgas produziert. Danach wurde die Lagerstätte zu einem Speicher umfunktioniert und 1993 in Betrieb genommen. Laut Homepage des Betreibers Astora kann heute in 2000 Metern Tiefe der Jahresverbrauch von rund zwei Millionen Einfamilienhäusern gelagert werden.

Die Einschätzung möglicher terroristischer Gefahren sei zunächst keine Aufgabe des Landkreises, sondern vielmehr der Polizei und hier der Innenministerien, erklärt die Kreisverwaltung auf Nachfrage der Mediengruppe Kreiszeitung. Von dort seien bislang keine besonderen Hinweise bezüglich einer möglicherweise erhöhten terroristischen Gefahr an den Landkreis gegeben worden, auch nicht hinsichtlich des Erdgasspeichers in Rehden. Trotzdem habe die Polizei den Erdgasspeicher wie auch einige andere Örtlichkeiten im Landkreis derzeit besonders im Blick, erklärt Polizeisprecher Thomas Gissing, ohne weiter ins Detail zu gehen.

Wie die Kreisverwaltung erläutert, gibt es für den Erdgasspeicher schon seit vielen Jahren einen umfassenden Gefahrenabwehrplan, der regelmäßig aktualisiert wird. „In einem Schadensfall würden sowohl die Betreiberfirma, die Polizei, die Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle Diepholz, die kommunalen Feuerwehren, die Kreisfeuerwehr, der Rettungsdienst auf der Grundlage dieses Gefahrenabwehrplans tätig werden und ihre Maßnahmen zur Gefahrenabwehr von Beginn an klar strukturieren können“, so Kreisrat Jens-Hermann Kleine. Da dieser Gefahrenabwehrplan als „Verschlusssache“ eingestuft sei, könne er über die Inhalte keine Auskunft geben. Nur so viel: Er erfasse auch Maßnahmen im Fall einer Explosion.

Auch wenn offenbar keine unmittelbare Gefahr droht, hat Astora auf die allgemein verschärfte Gefahrenlage durch den Russland-Ukraine-Krieg reagiert. Ein Unternehmenssprecher wies gegenüber der Kreiszeitung darauf hin, dass Astora gesetzlich verpflichtet sei, alle notwendigen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und zur Sicherstellung der Gesundheit seiner Mitarbeiter sowie zum Schutz der Umwelt zu unternehmen. Diese Verpflichtung nehme man sehr ernst.

„All unsere Erdgasspeicher sind bereits seit Längerem im Branchenvergleich überdurchschnittlich gut gegen mögliche Schäden, die durch vorsätzlich verursachte Eingriffe von ,außen‘ entstehen könnten, geschützt“, erklärt das Unternehmen. Strenge Zutrittskontrollen sowie eine Videoüberwachung des gesamten Perimeters der technischen Anlage sorgten dafür, dass das Risiko eines Anschlages auf ein Minimum reduziert werde.

„Gleichwohl ist sich Astora der besonderen und erhöhten Gefahrenlage durch die derzeitige Situation bewusst. Aus diesem Grund wurden die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz des Erdgasspeichers noch einmal erhöht“, so das Unternehmen. „Wir kooperieren eng mit der Polizei und Feuerwehr, die uns zusätzlich bei der Gefahrenabwehr unterstützen.“

Könnte Gas bei einer Explosion – sei es Anschlag oder Unfall – unkontrolliert austreten? Laut Astora gibt es mehrere Sicherheitsvorkehrungen, um das zu verhindern. „Jede Bohrung ist mit einer speziellen Ausrüstung ausgestattet, die sicherstellt, dass das Reservoir von der Oberfläche isoliert ist, falls etwas Unerwartetes passiert. Dies sind sogenannte ,ausfallsichere‘ Vorrichtungen, das heißt, sie schließen automatisch und sicher, ohne dass eine Person sie schließen muss – selbst in dem unwahrscheinlichen Fall, dass zum Beispiel keine Stromversorgung vorhanden ist.“ Außerdem seien diese Vorrichtungen redundant, das heißt, es würden mehr als eine Vorrichtung schließen, was ein zusätzliches Maß an Sicherheit biete, erläutert das Unternehmen.

Wie der Pressesprecher betont, werden die Schließvorrichtungen nach dem höchsten verfügbaren Industriestandard konstruiert, installiert und gewartet und regelmäßig vom TÜV und/oder dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie geprüft und zertifiziert, um die Verfügbarkeit und Sicherheit zu jedem Zeitpunkt zu gewährleisten.

Könnte der unterirdische Gasspeicher bei einer größeren Explosion Schaden nehmen? Laut Astora besteht diese Gefahr nicht: „Falls an der Oberfläche etwas passieren sollte, können alle Bohrlöcher innerhalb weniger Sekunden vollautomatisch und sicher abgeschaltet werden. Der Speicher selbst befindet sich in einer Tiefe von mehr als 2200 Meter und ist sicher.“

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