Von Rimski-Korsakow über Schubert zu Joe Cocker

Peter Orloff und die Schwarzmeer-Kosaken geben Konzert in der Kirche in Rehden

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Peter Orloff (l.) und ein Teil der Musiker, mit denen er und sein Schwarzmeer-Kosaken-Chor in der Kirche in Rehden zu Gast waren.

Rehden - Von Simone Brauns-Bömermann. Die kleine Rehdener Kirche erhob sich zur musikalischen Kathedrale inmitten Europas mit Sängern vom Schwarzen Meer. Zu Gast in Rehden: der berühmte Schwarzmeer-Kosaken-Chor von Peter Orloff mit Sängern, von denen jeder ein Solist ist und die wie die Ritter einer Tafelrunde anmuten.

„Lassen Sie unsere kleine Kirche zu einem wunderbaren Musiktempel werden“, begrüßte Pastor Dimitri Schweitz die Landsleute aus der Ukraine und Russland. Später standen dem Pastor die Tränen im Gesicht, zu nah war die Heimat an ihn herangekommen.

In diesem Jahr war der prominente Chorleiter des Traditionschores, Peter Orloff, selbst nach Rehden für Moderation, solistischen- und Chorgesang gereist.

„Ich verstehe unser Konzert im Sinne der Ökumene“, eröffnete er. Hintergrund ist seine eigene Lebensgeschichte mit Vater und Gründer des legendären „Schwarzmeer KosakenChores Nikolai S. Orloff“, der den Chor zu seinem Prädikat als „Chor, der zur Ehre Gottes singend betet und betend singt“ brachte. Die Geschichte der Neuzeit zeigt Sohn Peter, nach seinen Erfolgen vom Schwarzmeerkosak zum Schlagerstar, als Ataman (Kosakenführer) der Schwarzmeer-Kosaken. Peter Orloff hat nichts an Publizität ausgelassen in seiner musikalischen Karriere: Wie Roy Black als Schwiegermutter-Liebling in der ZDF-Hitparade, in Filmen mit Bernd Clüver und Jutta Speidel, er zierte Titel der „Bravo“ und „Frau im Spiegel“. Ihm stehen Barbarenoutfit wie Goldglimmer-Anzug, Lederjacke und Kosakenuniform. Und so begrüßt er seine Gäste in Rehden als Vollprofi der medialen Welt: „Danke, dass Sie uns zwei Stunden ihres Lebens schenken.“ Er verspricht, das schönste Konzert der Tournee in Rehden zu spielen. Und wünscht Pastor Schweitz jeden Sonntag so eine volle Kirche. Der Abend soll die schönsten Perlen aus dem alten Russland präsentieren, Werke aus Klassik und kirchlichen Liturgien.

Chor als Klangkörper wunderbarster Perfektion

„Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich einmal diesen Chor leiten darf“, hielt Orloff Rückschau. Aus der Tradition singt der Schwarzmeer-Kosaken-Chor überwiegend in Kirchen, füllt aber auch Theater- und Konzertsäle. Mit denen kennen sich die Sänger, jeder ein brillanter Solist, und das instrumentale Trio Ilya Kurtev (Bajan), Irina Kripakova (Domra) und Slava Kripakov (Bassbalalaika und Bariton) aus. Peter Orloff machte in den 20 Jahren seiner Leitung den Chor zu einem Klangkörper wunderbarster Perfektion. In ihm singen atemberaubende Tenöre, nachtschwarze Bässe und sogar ein Sopran (Igor Ishchak) bilden den Stimmwunder-Himmel. Die Künstler stammen aus der Ukraine und Russland, singen an den Opernhäusern Europas. „Ukraine und Russland geht doch“, zeigt Orloff auf seine Sänger und reiht sich wieder ein. Das Dirigat hat in Rehden Bariton Nasko Kirtscheff.

Während das Publikum noch Peter Orloffs Charme in der Moderation mit großer Gestik und Pathos an tief verwurzelter russischer Seele erliegt, erobern die Musiker jeder einzeln mit ihrem Können Rehden. Orloff hatte das Prinzip der mystischen Faszination, die von der russisch-orthodoxen Kirchenmusik ausgeht, erklärt: „Sie ist rational nicht nachvollziehbar. Sie ist ausschließlich emotional begründet.“ Eins der ersten Stücke ist deshalb das „Vater unser“ von Nikolai Rimski-Korsakow. Orloff hat kein Problem mit seinen drei Tenören und dem Sopran, Kostbarkeiten aus der Klassik zu bringen.

Streifzug über Höfe und durch Säle von Sankt Petersburg

Und so wird der erste Teil des Konzertes zum liturgisch-klassischen Part, die zweite Hälfte des Konzertes zum Perlentauchgang in die Tiefen des russischen Hinterlandes. Der Chor streift die Höfe und Säle von Sankt Petersburg, lässt die Abendglocken erklingen, kann Schubert mit „Leise flehen meine Lieder“ und inszeniert sogar einen Heiratsantrag mit dem Lied „Ach mein Seelchen“ mit Solisten Wladimir Kuzmenko und einer jungen Frau aus dem Publikum. „Ich bete an die Macht der Liebe“, der „Gefangenenchor aus der Oper Nabucco“ und das „Ave Maria“ von Franz Schubert reihen sich ein.

Dass jedoch das 21. Jahrhundert angebrochen ist, zeigt anschließend Slava Kripakov an seiner Bassbalalaika, ekstatisch wie Joe Cocker im Cross-over und dem Jazz-Groove im Blut solistisch. Die Liste der musikalisch hochkarätigen Lebensläufe der Musiker und Sänger ist lang, dass sie in Rehden Station machten, ist eine Ehre. Die Zugaben „Kalinka“ und das Wiegenlied von Johannes Brahms, „Guten Abend, gut´ Nacht“, entließen ein tief beeindrucktes, stehendes Publikum in den Rehdener Abend.

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