Renaturierung wird immer wichtiger

Unterhaltungsverband Hunte pflegt etwa 1260 Kilometer Gewässer

Die Renaturierung der Wagenfelder Aue ist eines der wesentlichen Projekte in diesem Jahr.
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Die Renaturierung der Wagenfelder Aue ist eines der wesentlichen Projekte in diesem Jahr.

Rehden - Renaturierungsmaßnahmen und von Nutria und Bisamratten verursachte Schäden an den Böschungen sind die Themen, die den Unterhaltungsverband Hunte neben seiner originären Aufgabe – der Unterhaltung der Gewässer – zunehmend fordern.

Der Unterhaltungsverband ist für alle Gewässer 2. Ordnung zuständig, die in die Hunte fließen. Gesamtlänge: etwa 840 Kilometer. Hinzu kommen etwa 420 Kilometer Gewässer 3. Ordnung, die der Verband im Auftrag und auf Kosten der Kommunen pflegt. „Das macht immer mehr Sinn, weil in den vergangenen Jahren immer mehr Auflagen hinsichtlich des Naturschutzes hinzugekommen sind“, erklärt Geschäftsführer Ingo Ammerich.

Die Unterhaltung der Gewässer erfolgt von Mai bis Februar. Einige müssen einmal im Jahr geräumt werden, in Wagenfeld beispielsweise rücken die Mitarbeiter dagegen mindestens zweimal an, weil die Gewässer relativ flach sind und in zugewachsenem Zustand bei Starkregen über die Ufer treten könnten, wie Ammerich erläutert.

Ingo Ammerich, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbands Hunte, erläutert die Funktionsweise eines Böschungsmähers, der auch mit extremen Schrägen zurechtkommt.

Die 24 Außendienstmitarbeiter des Unterhaltungsverbands können auf einen umfangreichen und recht kostspieligen Fuhrpark zurückgreifen. „Diese Geräte werden zum Teil von nur ein oder zwei Herstellern produziert und sind entsprechend hochpreisig“, erläutert Ammerich. Allein ein Böschungsmäher, der dank eines Reifens an hydraulischem Arm auch steile Böschungen befahren kann und von dem der Verband drei besitzt, koste 150.000 Euro.

Die Maschinen erleichtern die Arbeit nicht nur, sie machen sie auch effizienter. „Wir müssen jedes Jahr 50.000 Euro besser werden, um den Beitragssatz der Mitglieder konstant halten zu können“, sagt Ammerich mit Blick auf steigende Personal- und Gerätekosten. „Dafür müssen wir entweder wachsen oder effizienter werden.“

Unterwegs mit moderner Technik: GPS-gesteuerte Tablets zeigen genau an, wo gemäht werden darf.

Eine wichtige Unterstützung leisten GPS-gesteuerte Tablets, die den Mitarbeitern bei der Mahd die Bereiche anzeigen, in denen schützenwerte Pflanzen und Tiere leben. „Bei der EDV-gestützten Unterhaltung sind wir in Niedersachsen federführend“, sagt Ammerich nicht ohne Stolz. Die Tablets seien hochwertig und Nato-geprüft.

Neben der Pflege hat die Renaturierung in den vergangenen Jahren eine immer bedeutendere Rolle eingenommen. So setzt der Verband im Auftrag des Landes Maßnahmen im Rahmen der Flurbereinigung um. Als eine der nächsten Aufgaben steht die Renaturierung der Beeke in Heiligenloh und der Wagenfelder Aue im Bereich vom Einlauf in die Hunte bis Barver an. Laut Ammerich soll sie im oberen Bereich verbreitert und einige Staue entfernt werden. Die Investition beziffert er auf rund 2,5 Millionen Euro.

Stauwerke in der Hunte für Fische bald wieder durchgängig

Außerdem sollen nach und nach zehn Stauwerke in der Hunte für Fische durchgängig gemacht werden. Zuletzt wurde in Cornau eine Fischtreppe installiert, als nächstes ist der Stau unter der Brücke in Dreeke dran. Auch das Kraftwerk in der Hunte bei Wildeshausen wird angepasst. „Im Moment stehen die Fische vor Wildeshausen und kommen nicht weiter“, erklärt Verbandsvorsteher Werner Scharrelmann. Er ist zuversichtlich, dass die Arbeiten – ebenfalls eine Investition von einigen Millionen Euro – noch in diesem Jahr umgesetzt werden können.

Ein Thema, das den Unterhaltungsverband ebenfalls zunehmend beschäftigt, ist die Entwicklung des Nutria-Bestands. Denn die Tiere richten an den Böschungen, in die sie sich hineingraben, erhebliche Schäden an. Fahre ein Böschungsmäher in ein von den Tieren gerissenes Loch, könne es sogar umkippen. „Dann wird es schon gefährlich“, so Ammerich.

Genaue Zahlen zur Population hat er nicht, aber „ich gehe von einer Verdoppelung in jedem Jahr aus“. Scharrelmann teilt diese Einschätzung. „Wenn man ein Nutria sieht, kann man davon ausgehen, dass sieben weitere in der Nähe sind.“

Nutria-Abschüsse sind zuletzt nach oben geschnellt

Bekannt ist hingegen die Zahl der Abschüsse – und die ist in den vergangenen Jahren nach oben geschnellt. Lag sie 2015 und 2016 noch im zweistelligen Bereich, waren es laut Ammerich 2018 bereits 242 Abschüsse und im vergangenen Jahr 673. Für jedes erlegte Tier zahlt der Unterhaltungsverband eine Schwanzprämie von acht Euro. „Die Bejagung ist Landesaufgabe, aber die Schäden haben wir“, erläutert Ammerich, warum der Verband selbst aktiv wird. Die Abschüsse werden über ihn gesteuert und von Jägern ausgeführt. „Es kann nicht einfach jeder losgehen und auf die Tiere schießen“, betont er. Ein besonderes Ärgernis sei, dass die Nutria von Menschen gefüttert werden. In Diepholz gebe es einige Fälle, im Landkreis Oldenburg sei es „ganz schlimm“.

Auch die Bisamratte sorgt mit ihrer Wühlerei immer wieder für Ärger und wird darum ebenfalls gejagt. Zurzeit sind laut Ammerich 22 Bisamfänger für den Verband unterwegs. Sie erlegen jährlich 700 bis 800 Tiere und erhalten dafür ebenfalls die Schwanzprämie.

Zur Info: Beitrag für Unterhaltungsverband Hunte bleibt 2020 konstant

Der Beitrag an den Unterhaltungsverband Hunte beträgt 2020 weiterhin 12,50 Euro pro Hektar und bleibt damit im neunten Jahr stabil. Der Mindestbetrag, den die Kleingrundstücksbesitzer zu zahlen haben, beträgt ebenfalls 12,50 Euro je Bestandsblatt. Für bebaute Flächen werden, je nach Bebauungsgrad und vom Katasteramt festgelegte Nutzungsarten, sogenannte Erschwernisbeiträge erhoben. Die Bescheide werden Anfang März verschickt. Für Fragen dazu stehen die Mitarbeiter zur Verfügung. Da es nach der Aussendung der Bescheide erfahrungsgemäß zu einer erhöhten Anzahl telefonischer Anfragen kommt und die Erreichbarkeit daher eingeschränkt sein kann, empfiehlt Geschäftsführer Ingo Ammerich, Fragen per Fax an 05446/997016 oder E-Mail an uhv-rehden@t-online.de zu stellen. Weitere Informationen sind auf der Internetseite des Unterhaltungsverbandes zu finden: www.uhv71.de.

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