Absolut fasziniert von Tansania

Rehdenerin Laura Giese arbeitet drei Monate ehrenamtlich in Frauenhaus in Arusha

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Laura Giese freut sich über die ersten Spenden für ihren Fonds.

Rehden – Einfachste Lebensverhältnisse und schwere persönliche Schicksale auf der einen Seite, eine atemberaubende Landschaft auf der anderen. Es waren zwei völlig unterschiedliche Welten, die Laura Giese während ihres dreimonatigen Aufenthalts in Arusha in Tansania kennengelernt hat – und die zugleich nichts mit ihrem Leben in Deutschland gemein haben. Die 23-jährige Rehdenerin unterstützte 2018 in dem westafrikanischen Land ehrenamtlich das Pippi House, eine Unterkunft für Mädchen und junge Frauen.

„Ich habe mich natürlich darüber informiert, was mich in Arusha erwartet. Trotzdem war ich erst mal geschockt“, beschreibt Laura Giese ihre ersten Eindrücke nach der Ankunft. „Ich habe ein paar Wochen gebraucht, um mich an den Trubel zu gewöhnen.“ Die Hauptstadt der Region Arusha im Nordwesten Tansanias liegt auf etwa 1 400 Metern Höhe zwischen dem Kilimandscharo im Westen und dem Serengeti-Nationalpark im Nordosten und zählt rund 416 000 Einwohner (Stand 2012).

Die ersten drei Wochen nutzte die 23-Jährige, um sich mit Land und Leuten vertraut zu machen und auf Safari zu gehen. „Ich war zur Regenzeit da, und alles war grün und hat geblüht. Das war atemberaubend“, erinnert sie sich an die Ruhe und Weite in den Nationalparks, die einen starken Kontrast zur lauten engen Stadt Arusha bildete.

Als „Wohnzimmer“ dient den Bewohnern des Pippi House ein Pavillon. 

Die Arbeit im Pippi House war ebenfalls eine ganz neue und prägende Erfahrung für Laura Giese, die ihren Bachelor im Studiengang „Health Communication“ (Gesundheitskommunikation) in der Tasche und an der Universität Mainz einen Masterstudiengang begonnen hat. Auf das Projekt in Arusha ist sie bei der Suche nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit im Internet gestoßen. „Afrika war immer mein Ziel.“

Ganz einfach war es für die Studentin nicht, die Bewohnerinnen über Themen wie HIV-Prävention oder durch Sexualität übertragbare Krankheiten aufzuklären. Zum einen war da die Sprachbarriere, weshalb sie in ihrer Gesundheits-AG immer auf jemanden angewiesen war, der zwischen Englisch und Suaheli übersetzte. Zum anderen spreche man dort nicht offen über Sexualität. „Darum musste ich mit dem Schulleiter immer vorher abklären, ob ich ein Thema ansprechen darf“, berichtet sie.

Arusha liegt im Nordwesten Tansanias, nur etwa 90 Kilometer vom Kilimandscharo entfernt.

Neben ihrem eigentlichen Schwerpunkt Gesundheit hat sich die 23-Jährige auch um viele andere Dinge gekümmert, mit den ganz kleinen Bewohnern schulvorbereitende Übungen gemacht oder die jungen Frauen bei der Berufsvorbereitung unterstützt. „Wir haben auch zusammen gekocht und genäht und die Sachen dann auf der Straße verkauft. So konnten sie ein bisschen eigenes Geld verdienen. Sie leben ja sonst nur von Spenden“, so Giese.

Obwohl sie viele Gespräche mit den Mädchen geführt hat, hat sie über deren persönliche Schicksale wenig erfahren. „Sobald es um die eigene Geschichte ging, waren sie sehr zurückhaltend. Darüber sprechen sie nicht so gerne.“ Viele der kleinen Kinder seien von Waisenhaus zu Waisenhaus gewandert, bevor sie im Pippi House ein Zuhause gefunden hätten. „Das fand ich schon krass.“

Die Bewohner des Pippi House haben zwar schwere Zeiten hinter sich, trotzdem wird in der Einrichtung viel gelacht.

Trotzdem hat die Rehdenerin auch viele positive Eindrücke aus Tansania mitgenommen. „Die Menschen dort wissen viele Dinge viel mehr zu schätzen als die Menschen hierzulande. Das fängt schon bei der Wertschätzung an, überhaupt zu leben“, berichtet sie. „Das Land, die Menschen und deren Mentalität haben mich absolut fasziniert. Es war sehr schwer, sich davon zu trennen.“ Die Erfahrungen in Arusha hätten ihren eigenen Blick auf die Dinge verändert, sagt sie. Sie versuche, vieles scheinbar Selbstverständliche mehr wertzuschätzen.

Obwohl Laura Giese wieder in Deutschland ist, geht ihr Engagement für das Pippi House weiter. Weil die Spenden geradeso die laufenden Kosten etwa für Nahrung decken, hatte sie noch in Arusha einen Spendenfonds ins Leben gerufen, dessen Mittel ausschließlich für die Gesundheit der Bewohner eingesetzt werden dürfen. „Im Pippi House leben knapp 70 Menschen in vier Räumen zusammen. Wenn dann einer krank wird, können sich die anderen schnell anstecken“, erläutert die 23-Jährige.

Solle das Geld für andere Dinge eingesetzt werden, könne sie entscheiden, ob es freigegeben werde, so die Rehdenerin. Als Beispiel nennt sie die Behebung eines Wasserrohrbruchs. „Ohne sauberes Wasser können sich Krankheiten ausbreiten, also wäre es in dem Fall sinnvoll, das Geld dafür einzusetzen.“ Über dessen Verwendung bekomme sie regelmäßig eine Aufstellung, berichtet Giese. Eingehende Spenden werden über Promanity Germany verwaltet. Wer speziell den Gesundheitsfonds unterstützen möchte, kann als Verwendungszweck „Gesundheit“ angeben. Laut Promanity fließen mindestens 90 Prozent des Geldes direkt in die Projekte. Wer Fragen zum Fonds oder zum Pippi House hat, kann sich auch per E-Mail (laura.giese95@web.de) an Laura Giese wenden.

In den nächsten ein bis zwei Jahren möchte die Studentin auf jeden Fall noch einmal nach Arusha fliegen, um zu sehen, was aus dem Pippi House und den Bewohnern geworden ist. „Ich habe dort viele Freundschaften geschlossen“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. „Ich könnte mir auch vorstellen, nach dem Studium für ein paar Jahre in Afrika zu arbeiten. Gesundheitsaufklärung wird dort eigentlich mehr gebraucht als hier.“

Weitere Informationen:

www.promanity.org/tanzania-d

Pippi House 

Das Pippi House ist laut Promanity Germany das einzige Frauenhaus in Tansania. Dort finden Mädchen und junge Frauen im Alter von 14 bis 26 Jahren eine Unterkunft, die auf der Straße gelebt haben, als Dienstmädchen verkauft oder misshandelt oder von ihren Familien verstoßen wurden, weil sie unverheiratet schwanger wurden. Das Pippi House möchte ihnen eine Perspektive bieten. Darum finden die Mädchen und Frauen dort nicht nur einen Schlafplatz, Nahrung und Sicherheit, sie bekommen auch die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen, und erhalten Unterstützung bei der Suche nach einem Praktikumsplatz oder einem festen Job. Mit verschiedenen Projekten versucht die Einrichtung, die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein der Mädchen zu stärken. Wenn sie das Pippi House verlassen, sollen sie in der Lage sein, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. 

Promanity unterstützt den Leiter des Pippi House Aristides Nashange dabei, die Mädchen mit dem Nötigsten zu versorgen. So werden laut Promanity die monatlichen Lebensmittelkosten in Höhe von etwa 400 Euro und die Schulgebühren (2017 etwa 3 200 Euro) durch Spenden gedeckt. Das Wort Pippi hat übrigens nichts mit Pippi Langstrumpf zu tun, obwohl das starke Mädchen den jungen Bewohnerinnen des Pippi House durchaus als Vorbild dienen könnte. Pippi ist suaheli und bedeutet übersetzt so viel wie süß oder lieblich. 

mer

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