Godehard Hennies spricht beim Landwirtschaftlichen Verein Diepholz über Grundwasserschutz

Nitratbelastung: Trendwende alternativlos

Godehard Hennies, Geschäftsführer des Wasserverbandstages Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, referierte über Grundwasser und Nitratbelastung. Foto: Russ

Rehden - Von Melanie Russ. Mit den Regularien hielt sich der Vorstand des Landwirtschaftlichen Vereins Diepholz bei der Jahreshauptversammlung in den Rehdener Ratsstuben am Mittwoch nicht lange auf. Im Anschluss folgte ein Vortrag von Godehard Hennies, Geschäftsführer des Wasserverbandstages Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, zu einem Thema, das Landwirte aktuell umtreibt: Die Düngeverordnung, die vor dem Hintergrund einer möglichen Klage der EU-Kommission gegen Deutschland wieder viel diskutiert ist.

Zunächst folgten einem knapp gehaltenen Jahres- und Kassenbericht von Geschäftsführer Stefan Wöbse, in dem er an verschiedene Veranstaltungen für die 375 Mitglieder erinnerte, die Vorstandswahlen. Vorsitzender Wolfgang Johanning und Vorstandsmitglied Theo Runge wurden einstimmig wiedergewählt. Johanning deutete an, in drei Jahren nicht erneut kandidieren zu wollen. Es werde Zeit, nach einem Nachfolger Ausschau zu halten.

„Kooperation mit der Landwirtschaft zur Lösung der Grundwasserfragen“ war der anschließende Vortrag des Landwirts und Juristen Godehard Hennies überschrieben. „Wir haben noch supergutes Grundwasser“, betonte er. Damit das in 20 Jahren auch noch so sei, müsse heute gehandelt werden. In Niedersachsen werde 85 Prozent des Trinkwassers aus dem Grundwasser gewonnen.

„Komplexe Sachverhalte vertragen keine einfachen Lösungen“, schickte der Referent seinen Ausführungen voraus und deutete damit bereits an, dass eine pauschale Verringerung der Düngemengen allein das Problem der hohen Nitratwerte im Grundwasser nicht löst.

Er ging ausführlich auf den Stickstoffkreislauf ein und verdeutlichte anhand von Berechnungen, dass mit den gesetzlich vorgeschriebenen maximalen Düngemengen der Grenzwert von 50 mg pro Liter im Grundwasser langfristig überschritten wird.

Dass die EU-Kommission auf strengere Regeln drängt, nicht bereit ist, den Mitgliedsländern mehr Zeit zu geben, und im Zweifelsfall klagt, kann Hennies nachvollziehen. Denn das wachsende Nitrat-Problem ist seit mehr als 30 Jahren bekannt und der genannte Grenzwert schon seit 29 Jahren gesetzlich verankert. Seit mehr als 20 Jahren solle die Düngeverordnung die Probleme lösen – stattdessen sei die Nitrat-Belastung sogar weiter gestiegen, beschrieb Hennies die Entwicklung. Aus seiner Sicht besteht kein Zweifel daran, dass die Landwirtschaft nicht der alleinige, aber ein wesentlicher Verursacher der Belastung ist. Das sei durch verschiedene Quellen belegt. Dies immer wieder anzuzweifeln, sei verlorene Zeit.

„Die EU-Kommission ist humorlos geworden“, so Hennies. Der Referent riet den Landwirten, an besseren Lösungen mitzuarbeiten. Ganz wesentlich ist für ihn, die Effizienz der Stickstoffdüngung zu erhöhen. Auch Maßnahmen wie Anpassung der Fruchtfolge oder Ökolandbau könnten Erfolge bringen. „Wir müssen eine Trendwende bei der Grundwasserbelastung belegen. Dann können wir mit der Kommission verhandeln.“

Nach Einschätzung Theo Runges herrscht unter den Landwirten großer Unmut hinsichtlich der Düngeverordnung, weil man nicht nachvollziehen könne, wie die roten Punkte, in denen die Düngung unter den Nährstoffbedarf der Pflanzen gesenkt werden soll, zustande kommen. „Ich habe nicht den Eindruck, dass nach dem Verursacherprinzip bewertet wird“, sagte Runge mit Blick auf einige grüne Punkte in der westlichen Nachbarschaft. Runge würde sich eine differenziertere Bewertung nach den tatsächlichen Werten der einzelnen Betriebe wünschen.

Hennies sieht neben den Landwirten aber auch die Verbraucher und den Lebensmitteleinzelhandel in der Verantwortung. Als ein Beispiel nannte er Blumenkohl. Der bleibe nur so schön weiß, wenn seine Blätter hoch wachsen und ihn schützen. Sonst werde er gelb. Das wolle aber ja niemand. Und die Blätter eines Kohlrabis sollen aus rein optischen Gründen schön grün sein. Das alles, so Hennies, sei nur mit zusätzlicher Düngung möglich. „Da sind wir auf dem falschen Weg.“ Darum appelliert er an die Konsumenten, klug einzukaufen.

Und der Lebensmitteleinzelhandel? Mit dem Slogan „Wir lieben Lebensmittel“ werben, aber Lebensmittel billig anbieten, das sei ein Anachronismus, so Hennies. Auch dort sei ein Umdenken erforderlich.

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