Enorme Logistik- und Lagerkosten

Nico Feuerwerk muss ausgelieferte Waren zurückholen ‒ unter anderem ins Lager in Hemsloh

Seine Jugendfeuerwerksartikel darf Nico weiterhin verkaufen, das „richtige“ Feuerwerk muss im Lager bleiben.
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Seine Jugendfeuerwerksartikel darf Nico weiterhin verkaufen, das „richtige“ Feuerwerk muss im Lager bleiben.

Hemsloh – Im ehemaligen Munitionsdepot der Bundeswehr in Hemsloh herrschte in den vergangenen Wochen wieder rege Betriebsamkeit. Lkw fuhren ein und aus, so wie in jedem Jahr kurz vor Silvester. Allerdings lieferten sie keine Feuerwerkskörper an die Einzelhändler aus – sie brachten sie zurück in die dortigen Bunker, in denen Nico Feuerwerk mit Hauptsitz in Worms als eines von zwei Unternehmen seine Produkte lagert.

Das Unternehmen sieht wie die gesamte Branche im zweiten Jahr in Folge einem wirtschaftlichen nahezu Totalausfall entgegen, nachdem Bund und Länder Anfang Dezember erneut ein Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper beschlossen hatten. Viel zu später und ohne nachvollziehbaren Grund, findet Nicolas Kandler, Projektmanager und Prokurist bei Nico Feuerwerk. Im Interview spricht er über die Folgen des Verkaufsverbots für sein Unternehmen. Die Fragen stellte Melanie Russ.

Wie groß ist die Menge an Feuerwerkskörpern, die Sie in Hemsloh lagern? Und welche Art von Feuerwerk lagern Sie dort?

Wir Lagern an unseren Standorten in Hemsloh über 10 000 Paletten Feuerwerk. Dort liegen Silvesterfeuerwerk sowie Kinder- und Jugendfeuerwerk.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie in Hemsloh?

Wir haben dort in der Saison etwa 100 Mitarbeiter.

Was wurde aus den Feuerwerkskörpern, die im vergangenen Jahr zu Silvester nicht verkauft werden konnten? Mussten Lagerstandorte, die normalerweise nur saisonal genutzt werden, ganzjährig gemietet werden?

Wir mussten zusätzlich zu unseren Lagern in Hemsloh und Holdorf weitere Lager anmieten, um die zusätzliche Ware zu lagern. Da es sich selbst bei Knallerbsen und Wunderkerzen um sogenanntes Gefahrgut handelt, sind die Lagerkosten nicht unerheblich.

Haben Sie in diesem Jahr schon Feuerwerkskörper an Verkaufsstellen ausgeliefert, die Sie jetzt wieder zurück in die Lager holen mussten?

Wir haben enorme Logistikkosten, weil wir Ware aus ganz Deutschland zurückholen müssen. Im Gegensatz zum letzten Jahr haben wir versucht, mit der Auslieferung soweit wie möglich zu warten. Da aber auch dieses Jahr die Entscheidung für ein Feuerwerksverbot so spät kam, mussten wir einen signifikanten Teil der Ware bereits ausliefern.

Wie groß sind die wirtschaftlichen Auswirkungen des Verkaufsverbots im nun schon zweiten Jahr? Mussten Sie Mitarbeiter entlassen?

Wir machen etwa 90 Prozent unseres Jahresumsatzes an den drei Verkaufstagen am Jahresende. Diese fallen nun zum zweiten Mal hintereinander weg. Das ist ohne Unterstützung nicht zu bewältigen. Egal wie gut und vorausschauend in den Jahren zuvor gewirtschaftet wurde.

Wir konnten trotzdem alle unsere Mitarbeiter halten und mussten niemanden entlassen. Das werden wir auch dieses Jahr schaffen. Als familiengeführtes mittelständisches Unternehmen fühlen wir hier eine ganz besondere Pflicht unseren Mitarbeitern gegenüber.

Die Firma Nico Feuerwerk lagert einen Teil ihrer Waren im ehemaligen Munitionsdepot der Bundeswehr in Hemsloh.

Haben Sie nach dem Ausfall im vergangenen Jahr staatliche Unterstützung erhalten und war sie ausreichend?

Wir haben vor Kurzem die versprochenen Hilfen für letztes Jahr erhalten. Diese waren in dieser Höhe auch ausreichend für uns. Allerdings war ein Jahr Wartezeit nicht leicht. Wir gehen davon aus, dass wir auch im nächsten Jahr mit Hilfen rechnen können, dies wurde uns so von der Politik kommuniziert.

Wie haben Sie das erneute Verkaufsverbot aufgenommen? Können Sie die Begründung, man wolle das Gesundheitssystem entlasten, nachvollziehen? Oder ist das Verbot aus Ihrer Sicht unverhältnismäßig?

Den Wunsch, unser Gesundheitssystem zu entlasten beziehungsweise nicht weiter zu belasten, kann ich natürlich nachvollziehen, und das ist extrem wichtig. Aus diesem Bestreben heraus allerdings ein Feuerwerksverbot abzuleiten, kann ich nicht nachvollziehen. Denn nur etwa fünf Prozent der Krankenhausbesuche in der Silvesternacht sind auf Feuerwerk zurückzuführen, wovon der größte Anteil auf illegale Böller fällt. Das sagt unter anderem Vivantes als größter Berliner Krankenhausbetreiber, aber auch der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Der Treiber von Verletzungen am Silvesterabend sind Alkohol, Prügeleien und andere Verletzungen wie Schnittverletzungen oder Stürze.

Wir sehen einen massiven Anstieg von illegalen Artikeln, die jetzt aus dem Ausland nach Deutschland eingeführt werden. Diese sind gefährlich, verantwortlich für schwere Verletzungen und um ein vielfaches lauter als unsere streng kontrollierten Artikel. Davor hat auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter gewarnt. Dieses Verbot hindert normale Menschen daran, in einem kleinen Kreis, vor dem eigenen Haus, das neue Jahr zu zelebrieren und das schwierige letzte Jahr zu verabschieden.

Was macht illegal eingeführte Feuerwerkskörper, die nicht den deutschen Sicherheitsstandards entsprechen, so gefährlich?

Die Effektmenge in den Artikeln, aber auch die Zusammensetzung der Schwarzpulvermischung sind deutlich höher beziehungsweise gefährlicher. Aus sehr gutem Grund haben wir in Deutschland diese Regularien. In unseren Raketen dürfen zum Beispiel nur 20 Gramm Effektmasse enthalten sein, im Ausland bis zu 85 Gramm. Sie können sich vorstellen, welch einen Unterschied das macht. Nun kommen diese Artikel in riesigen Mengen aus dem Ausland nach Deutschland.

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