Ausschüsse stimmen zu

Einwohner kritisieren Vorhaben am Wetscher Torfweg in Rehden

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Westlich des Neubaugebiets Schulstraße sollen weitere 40 Baugrundstücke entstehen. Das erforderliche Planverfahren haben die Fachausschüsse auf den Weg gebracht.

Rehden - Für die einen ist es ein notwendiger Baustein zur Entwicklung der Gemeinde und Sicherung der Infrastruktur, für die anderen ist es die Zerstörung einer intakten Naturlandschaft mit hohem Erholungswert. Stein des Anstoßes ist ein neues Baugebiet, das die Gemeinde Rehden am Wetscher Torfweg westlich des Neubaugebiets Schulstraße ausweisen möchte. Dort sollen auf einer Fläche von rund 3,8 Hektar 40 Baugrundstücke geschaffen werden. Im Flächennutzungsplan werden 8,1 Hektar überplant, weil die Gemeinde hofft, die zwischen Schulstraße und neuer Bebauung gelegene private Fläche auch noch kaufen zu können.

Im nördlichen Bereich, angrenzend an die vorhandenen Wohnhäuser, will die Gemeinde nur eine eingeschossige Bebauung zulassen, um eine erdrückende Wirkung zu verhindern. In südlichen Bereich soll eine zweigeschossige Bebauung möglich sein. Die dafür erforderliche Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans brachten die Bauausschüsse von Gemeinde und Samtgemeinde Rehden am Donnerstagabend in zwei aufeinander folgenden Sitzungen gegen die Stimmen der SPD auf den Weg. Etwa 20 Einwohner verfolgten die Sitzungen und übten in den Einwohnerfragestunden heftige Kritik am Vorhaben.

Erfordernis

Obwohl die Gemeinde Rehden mit der Ausweisung von vier Baugebieten an der Schulstraße zwischen 2014 und 2019 bereits viel neuen Wohnraum geschaffen hat, sieht sie es als erforderlich an, weitere Flächen auszuweisen, um die Nachfrage auch künftig bedienen zu können. Sonst werde man 2021 vermutlich keine Bauflächen mehr haben, sagte Gemeindedirektor Hartmut Bloch mit Verweis auf die hohe Nachfrage an der Schulstraße. Er habe Verständnis für die Bedenken der Bürger, das Wachstum sei aber erforderlich, damit Kita, Schulen, Einzelhandel, Gesundheitszentrum und auch die Vereine langfristig Bestand haben können. „Wenn man kein Wachstum generiert, bekommt man Probleme“, betonte Bloch.

Die Bewohner des dortigen Ortsteils Wähaus-Ehrling sehen diese Dringlichkeit nicht. „Wo ist die Dramatik, wenn man mal keine Bauplätze hat?“, fragte ein Anwohner. „Man hat das Gefühl, man lebt in einem Betrieb, der immer wachsen muss“, sagte ein weiterer junger Zuhörer angesichts des Tempos, in dem neue Baugebiete entstehen. Warum müsse es immer mehr, mehr, mehr sein? Bloch argumentierte, man müsse die aktuell große Nachfrage mitnehmen. Denn wenn die

Wirtschaft nicht mehr boome, werde auch die Bautätigkeit sinken.

Ortsbild

Das landschaftliche Bild des Ortsteils werde seit jeher von alten Bauernhöfen geprägt, betonten die dortigen Bewohner. Das geplante Baugebiet zerstöre diese Jahrhunderte alte Kulturlandschaft. Sie verwiesen auch auf den Ferienhof der Familie Buschmeyer. Ihr werde die Lebensgrundlage genommen, wenn die Idylle einem Baugebiet weiche. „Wenn du dort bauen lässt, dann machst du ein schönes Gebiet kaputt“, hielt eine Bürgerin Bloch vor. „Ist euch der Gedanke Natur bei den Planungen überhaupt mal gekommen? Ich glaube, den Erholungswert seht ihr gar nicht“, sagte ein weiterer aufgebrachter Zuhörer. Bloch verwies darauf, dass für alle Bauvorhaben Kompensationsmaßnahmen geleistet werden und dass die Käufer auf den Grundstücken Bäume anpflanzen müssten.

Verkehrsaufkommen

Bedenken haben die Anwohner auch wegen des steigenden Verkehrsaufkommens. Dafür sei der Wetscher Torfweg gar nicht ausgelegt, argumentierten sie. SPD-Ratsherr Dirk Wehrbein befürchtet, dass aus dem Weg eine „Umgehungsstraße light“ wird, und fragte nach den Folgekosten für Rehden, Wetschen und die Samtgemeinde, wenn der Weg ausgebaut werden muss. „Das wird uns richtig fordern“, räumte Bloch ein. Aber das werde die Gemeinde schaffen.

Bauherren

Für Unmut bei den Anwohnern sorgte die Tatsache, dass auch Menschen etwa aus Vechta und Umgebung in Rehden bauen, weil es dort günstig ist, und dann lange und darum wenig klimafreundliche Wege zur Arbeit haben. Sie wohnten zwar in Rehden, kauften aber woanders ein und hätten keine Beziehung zum Ort. Zudem gebe es in den aktuellen Baugebieten Investoren, die gleich mehrere Grundstücke kauften, dort aber nicht selbst wohnten. „Das ist uns aufgefallen“, erklärte Bloch. Interessenten bekämen künftig nur ein Grundstück, wenn sie dort auch selbst bauen, versicherte er.

Alternativen

Gibt es keine Alternativen zu der abseits liegenden Fläche? Diese Frage beschäftigte sowohl die SPD-Politiker als auch die Zuhörer. Laut Bloch gibt es sie nicht. Eine optimale Fläche nördlich der Schulstraßen-Siedlung direkt am Ortskern sei nicht verfügbar, weil der Eigentümer nicht verkaufen möchte. Die kleineren Flächen beidseits der Düversbrucher Straße sollen künftig zusätzlich für Wohnbebauung entwickelt werden. Südlich des Wetscher Torfwegs werde der Landkreis Diepholz keine Baugebiete erlauben, so Bloch. Die von Manfred Koch und weiteren Bürgern angesprochenen Lücken im Ortskern möchte Bloch nicht für Wohnbebauung verwenden, sondern für infrastrukturelle Maßnahmen wie Seniorenheim oder Ähnliches vorhalten. Grundstücksverhandlungen mit Landwirten nördlich der B 214 hätten nicht zum Erfolg geführt, und direkt an der viel befahrenen Bundesstraße mache ein Baugebiet keinen Sinn. „Dort will niemand bauen“, so Bloch.

Entscheidung

Die Wählergemeinschaft votierte in beiden Sitzungen für den Verfahrensstart. „Wir sind angehalten, das Grundzentrum zu stärken“, sagte Bernhard Lanz. „Uns allen ist bewusst, dass es nicht das Nonplusultra ist.“ Aber man dürfe nicht vor der Situation stehen, keine Grundstücke mehr zu haben. „Wir haben in der Fraktion lange diskutiert“, ergänzte Jörg Grote für die Wählergemeinschaft auf Gemeindeebene. Es müssten noch viele Hausaufgaben gemacht werden, beispielsweise hinsichtlich der Verkehrsberuhigung.

Die SPD stimmte in beiden Sitzungen gegen das Vorhaben. „Für uns ist das problematisch. Ich weiß, dass jede Gemeinde Wachstum braucht“, aber was seien die Folgen? So sei der Wetscher Torfweg für den zusätzlichen Verkehr gar nicht ausgelegt. Konstruktives Bauen sei wichtig, betonte Edith Siebel. Das vorgesehene Gebiet sei aber sehr dezentral, die dortigen Anwohner würden vermutlich eher in Diepholz einkaufen als die Kaufkraft in Rehden stärken, außerdem gehe der Bereich als Naherholungsgebiet verloren, argumentierte sie.

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