European Medical School

Medizinstudenten schnuppern Landarzt-Luft in der Praxis Schlüsche in Rehden

Die Medizinstudenten Lennart Malz und Marie-Christin Schmertmann haben in der Praxis von Dr. Andreas Schlüsche die Arbeit in einer Landarztpraxis kennengelernt.
+
Die Medizinstudenten Lennart Malz und Marie-Christin Schmertmann haben in der Praxis von Dr. Andreas Schlüsche die Arbeit in einer Landarztpraxis kennengelernt.

Rehden – Nicht nur graue Theorie, sondern praktische Erfahrung und Kontakt zu Patienten ab dem ersten Studienjahr – das ist eine der Besonderheiten der grenzübergreifenden European Medical School (EMS) Oldenburg-Groningen. Marie-Christin Schmertmann studiert dort seit 2019 Medizin und hat gerade eine Famulatur (Praktikum) in der Praxis der Dres. Andreas und Anne-Kristin Schlüsche in Rehden absolviert.

Die 31-Jährige aus Damme war vor ihrem Studium mehrere Jahre im Rettungsdienst tätig. Als jemand, der aus der Praxis kommt, weiß sie nach eigener Aussage die patientennahe Ausbildung an der EMS zu schätzen. In der Rehdener Praxis, die seit 2019 Ausbildungspartner der EMS ist, fühlt sie sich gut aufgenommen. „Man wird hier gut angeleitet und bekommt viele Möglichkeiten, sein Wissen anzuwenden“, lobt sie.

Auch Dr. Andreas Schlüsche ist vom Konzept der EMS begeistert, spricht von einem herausragenden Projekt – wegen der gut strukturierten Ausbildung und weil sie angehenden Medizinern die Möglichkeit gibt, zu sehen, wie eine Landarztpraxis funktioniert. Und wer die Region als Student kennenlernt, so die Hoffnung, der kommt als Arzt vielleicht zurück. „Das macht die Uni Oldenburg sehr gut“, findet Schlüsche.

Für ihre Famulaturen bekommen die Studenten – je nach aktuellem Schwerpunkt – einen Aufgabenkatalog, den sie abarbeiten müssen. Dazu gehören unter anderem Untersuchungen, Diagnosen, Patientengespräche und Hausbesuche – natürlich immer unter Aufsicht eines Arztes. „Das gibt es an anderen Universitäten nicht“, so Schlüsche.

Marie-Christin Schmertmann befasste sich in ihrer Famulatur schwerpunktmäßig mit chronischen Erkrankungen, musste EKGs und Ultraschallbilder auswerten und lernen, bei Diagnose und Behandlung nicht nur die wissenschaftlichen Fakten, sondern auch die persönlichen Lebensumstände der Patienten zu berücksichtigen. So galt es beispielsweise, im Gespräch herausfinden, ob Patienten ihre Medikamente tatsächlich wie verschrieben einnehmen, aus welchen Gründen sie es möglicherweise nicht tun und welche Alternativen es gibt.

Die 31-Jährige ist von der Allgemeinmedizin durchaus angetan. „Das Schöne daran ist, dass es ein breites Spektrum ist.“ Und der lange persönliche Kontakt. „Man wird gewissermaßen mit seinen Patienten alt.“ Im Gegensatz dazu sehe man in einer Klinik die Patienten nach der Behandlung selten wieder.

Unabhängig vom EMS-Programm absolviert aktuell der 21-jährige Lennart Malz eine Famulatur in der Rehdener Praxis, die übrigens sein Großvater Dr. Hermann Malz vor fast 40 Jahren gegründet hatte. Damals befand sie sich noch an der Poststraße, vor genau zehn Jahren – Andreas Schlüsche war da schon an Bord – zog sie in das gerade fertiggestellte Gesundheitszentrum an der Nienburger Straße.

Der gebürtige Diepholzer Lennart Malz studiert seit 2017 an der medizinischen Falkultät Mannheim der Universität Heidelberg. Für ihn sei klar gewesen, dass er seine Hausarzt-Famulatur in der Region ableisten würde, berichtet er. Denn in einer Hausarztpraxis auf dem Land gebe es eine größere Bandbreite an Behandlungen als in Städten mit einer höheren Facharzt-Dichte. Bei Dr. Schlüsche bekomme er zudem einen Einblick in die Sportmedizin. „Da nimmt man was mit, was man sonst in der Ausbildung nicht sieht“, so Lennart Malz.

„Direkt aus der Uni in eine Landarztpraxis zu gehen, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt er. Aber später mit etwas Berufserfahrung sei das eine Option. Auch Marie-Christin Schmertmann weiß noch nicht, wohin sie ihr Weg nach der Ausbildung führen wird. Aber zumindest haben beide schon mal Landarzt-Luft „geschnuppert“ und nehmen durchaus positive Eindrücke mit.

European Medical Scholl

Die European Medical School Oldenburg-Groningen ging 2012 an den Start und ist ein deutsch-niederländisches Kooperationsprojekt der Universitäten Oldenburg und Groningen. Erklärtes Ziel ist es, den Studierenden neben dem medizinischen Wissen vor allem die Fähigkeit zu vermitteln, sich professionell und empathisch den Patienten zu widmen.

Laut dem CDU-Landtagsabgeordneten Marcel Scharrelmann sind für den Ausbau der EMS 140 Millionen Euro kalkuliert. Die Uni Oldenburg plane derzeit einen ersten Bauabschnitt, in dem ein Laborgebäude inklusive nassanatomischem Bereich entstehen soll.
Außerdem sollen die Kapazitäten am Standort Oldenburg von aktuell 80 auf zunächst 120 Studienplätze erweitert werden. Langfristiges Ziel sind laut Scharrelmann 200 Plätze. Darüber hinaus seien an der EMS seit 2017 insgesamt 28 Professuren besetzt worden. Laut Scharrelmann haben die Absolventen der EMS 2020 mit dem drittbesten Ergebnis aller medizinischen Fakultäten deutschlandweit abgeschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Meistgelesene Artikel

Behälter des Bassumers Horst-Dieter Jobst sollen Tod im Altkleidercontainer verhindern

Behälter des Bassumers Horst-Dieter Jobst sollen Tod im Altkleidercontainer verhindern

Behälter des Bassumers Horst-Dieter Jobst sollen Tod im Altkleidercontainer verhindern
Ortsfeuerwehr-Mitglieder verzichten auf Vorschlagsrecht

Ortsfeuerwehr-Mitglieder verzichten auf Vorschlagsrecht

Ortsfeuerwehr-Mitglieder verzichten auf Vorschlagsrecht
Feuerwehr Diepholz: Mobbing als Begründung für Rücktritte

Feuerwehr Diepholz: Mobbing als Begründung für Rücktritte

Feuerwehr Diepholz: Mobbing als Begründung für Rücktritte
Landkreis Diepholz zieht keine Notbremse

Landkreis Diepholz zieht keine Notbremse

Landkreis Diepholz zieht keine Notbremse

Kommentare