20 Millionen Euro Investition in Rehden

Luftzerlegungsanlage des Fernleitungsnetzbetreibers Nowega soll Versorgung mit L-Gas sicherstellen

Vertreter der Firma Messer aus Krefeld waren nach Rehden gekommen, um sich die Funktion der Luftzerlegungsanlage (im Hintergrund) und der Konvertierungsanlage im Detail von Nowega-Verantwortlichen erläutern zu lassen. Der scheidende Samtgemeindebürgermeister Hartmut Bloch war beim Ortstermin ebenfalls dabei.
+
Vertreter der Firma Messer aus Krefeld waren nach Rehden gekommen, um sich die Funktion der Luftzerlegungsanlage (im Hintergrund) und der Konvertierungsanlage im Detail von Nowega-Verantwortlichen erläutern zu lassen. Der scheidende Samtgemeindebürgermeister Hartmut Bloch war beim Ortstermin ebenfalls dabei.

Rehden – Mit einer kräftigen Investition von rund 20 Millionen Euro hat der Fernleitungsnetzbetreiber Nowega auf seinem Gelände im Gewerbegebiet „Am Gasspeicher“ in Rehden eine Luftzerlegungsanlage installiert.

Sie bildet neben dem bereits genutzten flüssigen Stickstoff eine zusätzliche Stickstoffquelle für die Umwandlung von energiereicherem H-Gas in energieärmeres L-Gas. Das Ziel: die Versorgung der Haushalte mit L-Gas bis etwa 2030 sicherzustellen.

Denn der natürliche Vorrat an L-Gas, das vorwiegend in den Niederlanden und in Deutschland gefördert wird, geht in absehbarer Zeit zur Neige. In den meisten anderen Regionen der Welt wird H-Gas gefördert. Laut Bundesnetzagentur wird derzeit etwa ein Viertel der deutschen Haushaltskunden – vorwiegend im Nordwesten und Westen des Landes – mit L-Gas versorgt, so beispielsweise auch die Kunden der Stadtwerke Huntetal. Bis 2030 sollen nach und nach nahezu alle Verbraucher auf H-Gas umgestellt werden. Solange reichen die L-Gas-Fördermengen aber insbesondere in Spitzenzeiten nicht aus.

Nowega

Nowega ist ein Fernleitungsnetzbetreiber mit Sitz in Münster. Er betreibt und vermarktet nach eigenen Angaben rund 1 500 Kilometer Gashochdruckleitungen. Das Netz reicht von dieser Region bis zum Harz und in die Region Hannover. Nowega ist Teil des Erdgas Münster Konzerns.

Das Thema Versorgungssicherheit mit L-Gas beschäftigt die Nowega laut ihrem Geschäftsführer Frank Heunemann schon seit 2012. L-Gas gemischt wird in Rehden seit 2016, der Stickstoff für die Konvertierungsanlage wurde allerdings in der Vergangenheit nur in flüssiger Form per Lkw angeliefert und in dem weithin sichtbaren runden Behälter auf dem Gelände gespeichert. Das hat aber mehrere Nachteile: Der Transport per Lkw bedeutet einen zusätzlichen CO2-Ausstoß und eine Belastung des Straßennetzes. Und der flüssige Stickstoff könne in Spitzenverbrauchszeiten im Winter unter Umständen künftig nicht mehr so schnell per Lkw nachgeliefert werden, wie er gebraucht werde, weil der Bedarf steige, erklärt Nowega-Projektleiter Frank Bokholt.

In der Luftzerlegungsanlage wird die Luft verdichtet, „gereinigt“ und in Sauerstoff und Stickstoff getrennt.

„Die Luftzerlegungsanlage können wir in einem strengen Winter über mehrere Wochen durchgängig betreiben“, so Bokholt. Laut dem Unternehmen Messer aus Krefeld, das die Anlage für Nowega errichtet hat, können damit kontinuierlich bis zu 13 000 Normkubikmeter Stickstoff pro Stunde produziert werden.

Der Umwandlungsprozess in Kurzform: Die Luft wird von außen angesaugt und in der Luftzerlegungsanlage verdichtet, das heißt, der Druck wird erhöht. Anschließend werden freies Wasser, CO2 und Kohlenstoff abgeschieden. Die „gereinigte“ Luft wird dann in eine der beiden Kolonnen – von außen als hohe Türme sichtbar – geleitet. „Das ist wie ein großer Kühlschrank“, erklärt Frank Bokholt. Hier nutzt man die Tatsache, dass unterschiedliche Gase bei unterschiedlichen Temperaturen in einen flüssigen Zustand wechseln. Der Sauerstoff kondensiert bei etwa -180 Grad Celsius und sammelt sich am Boden, der noch gasförmige Stickstoff verbleibt im oberen Bereich und kann in die Mischanlage weitergeleitet werden.

In den Rohren der Konvertierungsanlage werden H-Gas und Stickstoff zu L-Gas vermischt.

Von der Luftzerlegungsanlage und dem Flüssig-Stickstoff-Behälter verlaufen mehrere Leitungsstränge zur Konvertierungsanlage im benachbarten Gebäude. Laut Frank Bokholt können so zum einen Abnahmespitzen problemlos bedient werden. Zum anderen ist sichergestellt, dass die L-Gas-Produktion bei einem technischen Defekt in einem der Stränge nicht eingestellt werden muss. Laut Frank Bokholt können über einen Strang in der Konvertierungsanlage pro Stunde 140 000 Kubikmeter L-Gas produziert werden. „Das reicht aus, um 60 Haushalte ein Jahr lang zu versorgen.“

Nowega ist ein Fernleitungsnetzbetreiber mit Sitz in Münster. Er betreibt und vermarktet nach eigenen Angaben rund 1 500 Kilometer Gashochdruckleitungen. Das Netz reicht von dieser Region bis zum Harz und in die Region Hannover. Nowega ist Teil des Erdgas Münster Konzerns.

H-Gas, L-Gas und die Marktraumumstellung

In Deutschland gibt es zwei verschiedene Erdgasarten: L-Gas (Low calorific gas) hat einen geringeren Methangehalt und damit einen geringeren Brennwert als H-Gas (High calorific gas). Die Gasart unterscheidet sich je nach Herkunft des Gases. Laut Bundesnetzagentur stammt L-Gas aus niederländischen und deutschen Vorkommen. Nach jetzigem Stand soll ab dem 1. Oktober 2029 kein niederländisches L-Gas mehr nach Deutschland fließen. Da auch die deutschen Vorkommen abnehmen, soll bis 2030 nach und nach in Netzgebieten im Nordwesten und Westen Deutschlands eine Marktraumumstellung erfolgen, das heißt, die Netze und auch alle Verbrauchsgeräte in den Haushalten wie Heizung oder Gasherd müssen für die Nutzung von H-Gas umgerüstet werden. Das erfolgt nach einem festgelegten Zeitplan. Für den südlichen Landkreis Diepholz ist die Umstellung gemäß Bundesnetzagentur erst nach 2024 vorgesehen.

Laut der Behörde wird der lokale Netzbetreiber etwa drei Jahre vor der Umstellung informiert. Er muss seine Kunden zwei Jahre vor deren Start schriftlich informieren. Er kümmert sich auch um die Erfassung des Gasgerätebestands bei seinen Kunden und um die Umrüstung. Die anfallenden Kosten trägt der Netzbetreiber. Sie werden über die MRU-Umlage solidarisiert, die seit 2017 zusätzlich zum Netzentgeld erhoben wird.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Dampftag im Kreismuseum

Dampftag im Kreismuseum

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Meistgelesene Artikel

Glimmender Grill in Wohnung: Sulinger Feuerwehren rücken zur Buchenstraße aus

Glimmender Grill in Wohnung: Sulinger Feuerwehren rücken zur Buchenstraße aus

Glimmender Grill in Wohnung: Sulinger Feuerwehren rücken zur Buchenstraße aus
Tote Schafe liegen weit verstreut im Sulinger Moor

Tote Schafe liegen weit verstreut im Sulinger Moor

Tote Schafe liegen weit verstreut im Sulinger Moor
Wie aus einer anderen Zeit: Familie errichtet historisches Fachwerkhaus neu

Wie aus einer anderen Zeit: Familie errichtet historisches Fachwerkhaus neu

Wie aus einer anderen Zeit: Familie errichtet historisches Fachwerkhaus neu
OLB schließt Filiale in Sulingen zum 17. November

OLB schließt Filiale in Sulingen zum 17. November

OLB schließt Filiale in Sulingen zum 17. November

Kommentare