Serie HAUSGESCHICHTE(N)

Ehemalige Gaststätte „Lütke Lucht“ in Hemsloh ist noch immer vielen ein Begriff

Auf dem Hof „Lütke Lucht“ wohnen Anneliese Finkenstädt, ihre Kinder Kirsten und Dennis und deren Familien.
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Auf dem Hof „Lütke Lucht“ wohnen Anneliese Finkenstädt, ihre Kinder Kirsten und Dennis und deren Familien.

Hemsloh – Die kleine Gastwirtschaft gibt es schon seit mehr als 50 Jahren nicht mehr, doch der Name „Lütke Lucht“, der ist in Hemsloh und Umgebung noch heute vielen ein Begriff. Von außen sieht man dem unweit des Waldrands in Rodemühlen gelegenen Haus sein Alter nicht an. Doch hinter seinen Mauern verbirgt sich eine bis mindestens 1870 zurückreichende Geschichte.

Im Innern zeugen Holzbalken und Reste alten Mauerwerks von der Vergangenheit des Vierständerhauses. Heute gehört der Hof in sechster Generation den Geschwistern Kirsten und Dennis Finkenstädt. Kirsten und ihre Mutter Anneliese wohnen im alten Gebäude, Dennis hat 2014 nebenan gebaut und wohnt dort mit seiner Familie.

Besonders Kirsten Finkenstädt, die vor sechs Jahren in ihr Elternhaus zurückgekehrt ist, ist es wichtig, die alten Balken und das Fachwerk wo es geht zu erhalten. „Ich fand das als Kind schon immer toll“, sagt sie über ihr Faible für Altes. Entsprechend schade findet sie es, dass die alten Steine der Außenwand bei einer Sanierung in den 1970er-Jahren durch Klinker ersetzt wurden.

In den vergangenen Jahren haben die Geschwister und der Rest ihrer Familie Stück für Stück saniert. Das Dach wurde isoliert, die Fenster erneuert und der Wohnbereich renoviert. Als nächstes ist die Diele dran, in deren seitlichen Ställen einst Kühe und Pferde standen. Danach geht’s mit der angrenzenden Scheune weiter, in deren Giebel seit rund 40 Jahren Eulen wohnen.

Der Hof „Lütke Lucht“ in Hemsloh vor der Verklinkerung der Außenwände Anfang der 1970er-Jahre.

Wie weit genau die Geschichte des Hofes zurückreicht, haben Finkenstädts bisher nicht zurückverfolgen können. Ein Datumsstein aus dem alten Mauerwerk ist bei der Neuverklinkerung verloren gegangen. Einen Hinweis gibt es allerdings in der Sage von dem Lütken Lucht, in der die „einsame Gastwirtschaft“ erwähnt wird. Dort heißt es, sie sei vor 1870 erbaut worden. Vermutlich um 1889 ging das Haus in den Besitz der Familie über – damals unter dem Namen Abeling. Einer Urkunde zur Ehestiftung von Heinrich Abeling aus Rodemühlen und Sophie Spreen aus Wagenfeld-Haßlingen von 1889 ist zu entnehmen, dass Abeling die „Feuerstelle“ vom Kaufmann Heilbrunn aus Wagenfeld gekauft hat.

Alte Unterlagen, die Dennis Finkenstädt vor Kurzem entdeckt hat, geben über die Geschichte des Hauses im 20. Jahrhundert Auskunft. So wurden in der Lütken Lucht vor rund 100 Jahren im Wechsel mit anderen Kneipen der Umgebung Schützenfeste veranstaltet, und es gab einen Schießstand, den um 1926 jeder Wirt bereitstellen musste.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden in dem Gebäude Flüchtlinge aus Schlesien aufgenommen. „Sie lebten hier, bis sie ein Stück Land bekommen haben, um ein eigenes Haus darauf zu bauen“, berichtet Dennis Finkenstädt.

Im Innern wurden alte Balken und altes Mauerwerk zum Teil erhalten.

Unter den Papieren des Wirtshauses befinden sich auch eine Erlaubnisurkunde von 1932 und eine von 1959 zum Betrieb eines Bierrestaurants, das berechtigt ist, „geistliche als auch nicht geistliche Getränke“ auszuschenken. Der Gastraum war nur 20 Quadratmeter groß, die Stube der Familie wurde bei Bedarf zum Klubzimmer. „Das war ganz normal. Die Leute kannten sich ja alle“, erinnert sich Anneliese Finkenstädt. Ältere Radfahrer, die bei ihren Touren am Hof vorbeikommen und an der Info-Tafel zur Sage vom „Lütken Lucht“ Halt machen, erinnern sich laut ihrem Sohn noch gut an die alten Zeiten und erzählen gerne davon.

1970 wurde die Gaststätte aufgegeben. „Die Auflagen waren zu hoch geworden“, erinnert sich Anneliese Finkenstädt. Und auch die Lust sei nicht mehr so da gewesen.

Dennis und Kirsten Finkenstädt haben sich als nächstes die Sanierung der Diele vorgenommen. Auch hier soll möglichst viel Altes erhalten bleiben.

Etwa Anfang der 1980er-Jahre befand sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Fußballplatz. Wie lange er genutzt wurde, weiß die Familie nicht mehr. „Die Fußballer haben sich immer bei uns im Schuppen umgezogen“, erinnert sie Anneliese Finkenstädt. Die Schiedsrichter hätten dafür das Badezimmer nutzen dürfen.

Vieles aus der Vergangenheit ging verloren. Kirsten und Dennis Finkenstädt haben sich vorgenommen, das, was noch erhalten ist, für nachkommende Generationen zu bewahren, denn ein Faible für Altes haben beide; sie für die alten Dinge, er für die Geschichte des Hofes und seiner Vorfahren.

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