46. Treffen auf dem Schützenplatz

Die Liebe zu ihren „Böcken“ eint Biker in Hemsloh

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Jürgen aus Australien (r.) freute sich über das Wiedersehen mit Ulrich Schilling (Mitte) sowie „Flipper“ aus Hannover beim Treffen in Hemsloh am Wochenende.

Hemsloh - Von Simone Brauns-Bömermann. „Wenn ich ins Outback fahre, hält mir meine BMW R100 Paris/Dakar die Treue, darauf kann ich mich verlassen“ sagt Jürgen aus Australien, der dem Motorradclub (MC) Heede seit 1971 zur Gründung die Treue hält. Jetzt war der nach Australien Ausgewanderte, der in Redland City bei Brisbane seit 34 Jahren eine neue Heimat fand, wieder auf Deutschlandurlaub. Er besuchte nur mit Luftmatratze im Gepäck seine Biker-Freunde zum Augusttreffen in Hemsloh.

Mit dem speziellen Gast, der 23 Stunden flog mit einer Körpergröße von weit über zwei Metern, bekommt der Name des Motorradclubs Heede mit Zusatz „Der Club“ eine neue Bedeutung. Denn die Frage drängt sich auf: „Warum um Himmels Willen kommt jemand aus Australien nach Hemsloh?“ „Das ist einfach“, erwidert ganz eindeutig Jürgen, „hier trifft man auf Freunde.“ Der Vorsitzende des Clubs, Udo Schilling, freut sich über den Besuch sehr: „Jürgen ist der Mann der ersten Stunde im Club. Und er organisierte für mich und ,Kecki' direkt nach seiner Auswanderung 1983 unseren 16.000 Kilometer langen Australientrip.“ Jürgen, der ursprünglich aus Hamburg stammt, war kaum „Down Under“, kaufte für die zwei aus Hemsloh Motorräder für die elfwöchige Tour und nahm sie in Empfang.

Am Samstag begrüßte den Deutsch-Australier auch Altkumpel „Flipper“ aus Hannover. „Wir haben uns gesehen und sofort erkannt“, meint „Flipper“, aber das sei aufgrund der Länge von Jürgen nicht so schwer. Was ihn außerdem unverwechselbar machte, sind seine Skippermütze, Jeanskutte und der hamburgesische Akzent. Ganz klassisch sei er bei „großer Fahrt“ am anderen Ende der Welt hängen geblieben, erläutert er und auf die Frage: „Was machst Du beruflich?“ erwidert er gechillt: „Ich habe dort ein gutes Leben.“

Wie unter guten Kumpels üblich, ist sofort ein Zelt zur Stelle und Jürgens Luftmatratze hat ein Dach überm Kopf. Die familiäre Atmosphäre schwappt beim Abbiegen auf die Lichtung zum Hemsloher Schützenplatz sofort über. Am späten Samstagnachmittag sind alle Biker von der Ausfahrt nach Dötlingen zurück, essen, ratschen, führen Bock- und Benzingespräche.

Aus dem Beiwagen auf den Fahrersitz

In Absprache mit dem Schützenverein Hemsloh darf der Club Gelände und Gebäude seit Jahren nutzen. Ab Freitagabend begrüßten Udo und Ingrid Schilling und zweite Vorsitzende Barbara Apwisch die Biker. Ingrid Schilling zeigt auf die akribische Statistik, die sie seit Jahren führt über die Besucher: „Hier zum Beispiel, Malte Anders aus Hamburg. Er war schon als Kleinkind mit seinem Vater Jörg zu Gast. Malte als Selbstfahrer schon das vierte Mal und Papa Jörg zum 44. Mal.“

So sei das bei vielen Bikern: Die, die damals die Kinder im Beiwagen hatten, bringen heute ihre Hunde auf dem freigewordenen Sitz mit. Die Kinder, falls vom Fieber infiziert, fahren selbst und fühlen sich pudelwohl in Hemsloh, treten sogar in den Club ein.

In Schillings Liste finden sich viele Teilnehmer, die eine lange Treue pflegen, aber das Treffen überrascht immer wieder: Wie die Ankunft einer Fahrerin aus Melle mit einer türkisblauen Ducati mit Beiwagen. Dort sitzt der 19-jährige Wolfsspitz Wolfgang. „Gleich muss er erst mal schlafen auf seinem Platz im Zelt“, sagt die nette Bikerin.

Jeder Biker ist willkommen

Auch in diesem Jahr treffen sich in Hemsloh blitzender Chrom, irre grelle Farben in Kunststoff futuristisch, Shabby-Chic-Optik und jeder Gusto. Die Liebe zu den „Böcken“ oder „Mopeds“, wie die Motorradfahrer ihre fahrbaren Untersetzer liebevoll nennen, eint sie. Alles ist willkommen: Crosser, Straße, mit und ohne Beiwagen. Der MC Heede steht für Tradition und neue Ideen: So hat die alte reparierte Maschine vom Rummel „Hau den Lukas“das Tauziehen in diesem Jahr abgelöst und wird stark frequentiert. Am Meldezelt werden die Neuankömmlinge mit einem breiten Lachen und einem „Lütten“ gegen Abend begrüßt: Man muss ja nicht mehr fahren. Die Biker werden stattdessen den legendären Grillschinken von Heinfried genießen, die Neuen begrüßen und Spaß bis in die Nacht haben. Rund 65 Nennungen zählte das Team bis dahin.

Wenn am Sonntag das Treffen nach dem Frühstück endet, ist am Abend alles wieder blitzblank: „Nur noch wieder die grüne Wiese am Waldsaum und geputzte Schießhallenräume bleiben zurück“, meint der Vorsitzende. Der Vorstand weiß aus zahlreichen Gesprächen: „Unsere Bikerkollegen kommen, weil hier alles so gemütlich ist.“ So hatte auch bei Jürgen aus Australien alles angefangen: „Ich folgte dem Aufruf in Hamburg: Da ist ein Treffen in Hemsloh zwischen zwei Bauernhöfen, irgendwo bei Diepholz, soll super sein…“, er traf dort auf den ehemaligen und gastfreundlichen Vorsitzenden Hermann Schäfer und wurde nicht enttäuscht.

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