Landwirtschaftlicher Verein Diepholz zieht Bilanz / Vortrag zu Hof-Konflikten

Landwirte mit „Prinz-Charles-Syndrom“

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Die „Ratsstuben“ in Rehden waren anlässlich der Jahreshauptversammlung des Landwirtschaftlichen Vereins Diepholz gut gefüllt.

Rehden - „Aufgrund oder gerade weil düstere Wolken über der Landwirtschaft hängen, müssen wir uns regelmäßig austauschen“, lautete das Fazit von Geschäftsführer Stefan Wöbse zur Jahreshauptversammlung des Landwirtschaftlichen Vereins Diepholz in den Rehdener „Ratsstuben“.

Der Blick der Landwirtschaft müsse nach vorne gerichtet bleiben. Den Betrieben stünden große Veränderungen in der Zukunft ins Haus: Zunehmende Konkurrenz der Betriebe untereinander, der allgemeine Strukturwandel in der Branche sowie Veränderungen in der bäuerlichen Familienstruktur. Anne Dirksen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen verdeutlichte dies in einem Vortrag.

In Rehden ging es ihr vorrangig um die Sensibilisierung der Landwirte in Sachen Konfliktpotential auf dem eigenen Hof, zwischen den Generationen und neu zusammengesetzten Großfamilien. „Konfliktfrei leben und arbeiten auf dem Hof“, so ihr Thema. Dies sei eine der wichtigsten Säulen in tosenden Zeiten in der Landwirtschaft. Denn: Stimmt die Abstimmung innerhalb der Familie, sind einströmende Probleme von außen besser zu bewältigen.

Von der Außenwirkung führte Referentin Anne Dirksen tief ins Innere der Landwirtsfamilien und deren Konflikte innerhalb der Familien. Vorausgeschickt hatte sie: „Ich hoffe, sie erwarten keine Patentrezepte, die gibt es nämlich nicht.“ Sie beleuchtete, was Konflikte sind, wie sie sich äußern, warum es sie gibt und wie sie sich vermeiden ließen. Erpressung und Druck der älteren Generation, Resignation, Krankheit, Wut und sogar Aggression seien frühe Anzeichen von tatsächlichen Konflikten der Lebensgemeinschaften. Rückzug sei hier ein oft beobachtetes Mittel. Die Liste der „Warums“ würde länger: Meist drehten sich die Probleme um die Hofübergabe. Neid und Konkurrenz unter Geschwistern beförderten die Situation, immer wieder wäre eine fehlende Vorbereitung von allen Seiten oder Hinauszögern zu beobachten.

„Darüber frühzeitig reden, einen Konsens im Sinne aller Generationen erwirken und anschließende gute Verträge erleichtern das tägliche miteinander umgehen“, ist ihr Tipp. Immer wieder fände sich auch das „Prinz-Charles-Syndrom“ bei den Landwirten, wenn fehlendes Vertrauen der Älteren in die junge Generation, die Übergabe des Hofes wieder hinauszögere. Provozieren wollte Dirksen mit ihrer These: „Bauern und Beamte liegen nicht so weit von einander entfernt.“ Gemeint war damit das oft zu hörende: „Das haben wir schon immer so gemacht“. Ihr zur Hilfe eilte Literat George Bernard Shaw, der Tradition so deutete: „Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg“.

Ihr Exkurs führte über die unterschiedlichen Konfliktverhaltenstypen und zu der Definition des Konfliktes an sich, nämlich als unerfülltes Bedürfnis. Grundsätzlich sei er positiv zu bewerten, fördere die Streitkultur, setze positive Energien frei, entwickele Persönlichkeiten, schaffe Nähe, wirke klärend. Das Wichtigste sei: Gelöste Konflikte schafften Frieden und wirkten befriedigend. Die Sorgentelefone der Landwirtschaftskammer Niedersachsen seien gut frequentiert in Zeiten mit Beratungsbedarf für Landwirte an der „sozio- und ökonomischen Front“.

Vor ihrem Vortrag, der auf den gebündelten Erfahrungen am „Sorgentelefon“ für Landwirte basierte, wurde die Tagesordnung der Jahreshauptversammlung „abgearbeitet“: 399 Mitglieder hatte der Verein am 31. Dezember 2015, Geschäfts- und Kassenbericht zeigten eine zufrieden stellende Grundlage. Die Kasse war ausgeglichen und sorgfältig geprüft, der Vorstand wurde entlastet.

Die traditionellen Fahrten sollen auch in diesem Jahr fortgeführt werden: Am Mittwoch, 18. Mai, ist das Ziel das Landwirtschaftliche Bildungszentrum in Echem, die große Sommertour geht von Mittwoch, 29. Juni, bis Montag, 4. Juli, nach Bayern. Von Mittwoch, 31. August, bis Sonntag, 4. September, bietet Horst Glockzin eine Fahrt ins Altmühltal mit Tour auf der Donau an. „Gerne können alle Mitglieder auch an den Fahrten des Landwirtschaftlichen Vereins Sulingen teilnehmen, wenn bei uns nichts Passendes dabei ist“, erklärte Wöbse den Mitgliedern.

Die Wahlen ergaben die Wiederwahl von zweitem Vorsitzenden Udo Nuttelmann (in Abwesenheit) und Geschäftsführer Stefan Wöbse. Heinrich Stratmann wurde zum neuen Kassenprüfer bestimmt. Ein Jahres-Highlight soll am Sonntag, 12. Juni, in Brockum auf dem Hof Kortenbruck über die Bühne gehen, informierte Mechthild Kortenbruck: Zum „Tag des offenen Hofes“ hatte sich die Familie bereits Gedanken gemacht. „Wir hoffen, dass wir viel zeigen können, wie moderne Landwirtschaft funktioniert und damit den Verbraucher überzeugen“, erläuterte die Landwirtin die ersten Planungen. So sollen zum Beispiel durch Plexiglasscheiben die Tiere „live“ in ihrem „Alltag“ zu sehen sein, ein spannendes Rahmenprogramm sei in Arbeit.

sbb

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