Sojanachfrage gefährdet Regenwälder

Landwirtschaft in Rehden schützt indigene Völker in Südamerika

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Die Ackerbohne kann als heimisches Futtermittel - genau wie Lupine und Erbse - das Soja aus dem Ausland ersetzen.

Rehden - Landwirt Wolfang Johanning behält die ganze Produktionskette in eigener Hand: vom Futtermittel auf den Feldern über die Kuh bis hin zur Milch. In seinem Stall im niedersächsischen Rehden stehen rund 120 Milchkühe, er hat eine eigene Molkerei - und auch das Futter für seine Tiere baut er selbst an. "Ich wollte unabhängig werden von Zukaufs- und Importfuttermitteln", nennt Johanning den Grund.

Denn viele Landwirte müssen eiweißhaltiges Futter hinzukaufen. Am beliebtesten ist dabei Soja, weil die Bohne einen sehr hohen Eiweißgehalt besitzt. Soja wächst vor allem auf riesigen Plantagen in Südamerika. 

Ackerbohne düngt sich den Boden selbst

Der Umweltstiftung WWF Deutschland zufolge werden rund 80 Prozent des angebauten Sojas als Futtermittel verwendet. Brasilien gilt als Hauptlieferant. "Deutschland ist mit circa 4,5 Millionen Tonnen Soja einer der größten Abnehmer in der EU und belegt damit in Südamerika eine Anbaufläche von der Größe Hessens - jedes Jahr", sagt Birgit Wilhelm, WWF-Deutschland Referentin für nachhaltige Landwirtschaft. 

Dabei hat der Soja-Anbau bei Umweltschützern wahrlich nicht den besten Ruf. Hoher Landverbrauch, Monokultur, Gentechnik, Regenwaldzerstörung - nur einige Negativ-Schlagworte, die die Pflanze begleiten. 

Doch es gibt auch heimische Alternativen zu der begehrten Hülsenfrucht aus Übersee. Aus einer länglichen, grünen Hülse drückt Anika Berner fünf Ackerbohnen. "Die Ackerbohne ist eine tolle Pflanze", sagt die Mitarbeiterin des Projekts "Eiweißfutter aus Niedersachsen", das Landwirte beim Anbau berät und unterstützt. "Mit Hilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln kann sie selbst Stickstoff im Boden fixieren. Sie düngt selbst den Boden." 

Viele Bauern haben das Wissen verloren, um bestimmte Pflanzen anzubauen

Die Ackerbohne gehört wie die Körnererbse, die Süßlupine und Soja zu den Leguminosen. Die Hülsenfrüchte enthalten das für Tierfutter nötige Eiweiß und düngen selbst den Boden. Dadurch wird künstlicher Dünger überflüssig. Die Blüten der Pflanzen locken außerdem Bienen an. 

Um den Anbau der produktiven Pflanzen zu fördern, hatte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Eiweißpflanzenstrategie gestartet. Das breit aufgestellte bundesweite Projekt mit Wissenschaftlern und Praktikern erhält von 2014 bis 2018 rund 19 Millionen Euro. Für die Landwirte ist der Anbau von Leguminosen allerdings mit einigem Aufwand verbunden. 

"Man muss sich um mehrere Kulturen gleichzeitig kümmern, um die Lagerung und die Ernte", weiß Johanning. "Erbsen kann man nicht mit jedem Mähdrescher ernten." Auch die Saatmaschinen sind häufig nicht auf die unterschiedlichen Ansprüche der Samen ausgelegt. Die Bohne muss zum Beispiel tiefer in den Boden als andere. Viele Bauern haben auch einfach das Wissen über den Anbau verloren. 

"Soja ist einfach und bequem"

"Soja zu bestellen, ist einfacher und bequemer", sagt Johanning. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes hat sich der Anbau von Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Soja in den vergangenen Jahren in Deutschland trotzdem immer mehr gesteigert. Von 92.400 Hektar im Jahr 2014 hat sich die Fläche auf 187.700 Hektar im Jahr 2016 verdoppelt. Johanning ist froh, Ackerbohne und Erbse selbst anzubauen. "Bei Zukauffutter weiß man nie, wo es herkommt." 

Und außerdem nützt der Verzicht der Natur in Südamerika: Nach Angaben von Asociana, einer Organisation, die sich in Argentinien für indigene Völker einsetzt, wird dort Regenwald gerodet und werden Menschen vertrieben, damit noch mehr Soja angebaut werden kann. "Desto weniger wir davon brauchen, umso besser", sagt Johanning. Seine Kühe bekommen zweimal täglich eine Mischung aus Weizen, Mais, Erbsen und Bohnen. Soja will der Landwirt auch in Zukunft nicht auf den Speiseplan setzen.

dpa

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