Wie Landwirte sich Wertschätzung zurückerobern: Thema beim Agrar-Forum

„Konzepte, Köpfe, Knete“

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Ein Vormittag voller Dynamik: Das Agrar-Forum in Rehden mit Referenten, Sponsoren, Funktionären, Komödianten und mehr als 500 Landwirten aus drei Landkreisen.

Brauns-Bömermann - Von Simone. Mehr als 500 Landwirte aus den Landkreisen Diepholz, Nienburg und Vechta erfuhren gestern in Rehden: Veränderung beginnt im Kopf. Das war eine der entscheidenden Botschaften beim VR-Unternehmerforum Agrar – diesmal geprägt vom Motto „Wahrnehmung und Wertschätzung.“

Wie die Landwirte mit ihrem derzeit eher schlechten Image sich wieder in der Mitte der Gesellschaft positionieren, die Wahrnehmung gegenüber Verbrauchern sowie Kritikern verbessern und die Wertschätzung ihrer Arbeit erhöhen können, das erläuterten ihnen drei Referenten – kritisch und konstruktiv.

Psychologisch coachte Günter Burzywoda das Auditorium. „Veränderung beginnt im Kopf. Ängste und Ärger haben eine blockierende Wirkung“, erklärte der Unternehmensberater den Landwirten und appellierte an sie, ihre derzeitige Schockstarre und den „Korridor des Ärgers“ mit erhobenem Haupt zu verlassen. Er sensibilisierte für die unterschiedlichen Blickwinkel auf eine Situation. Emotionen könnten in einer sachlichen Diskussion kontraproduktiv sein, an anderer Stelle seien sie aber wieder wichtig. „Seien Sie achtsam mit Ihrer Gesundheit, übernehmen Sie Eigenverantwortung, managen Sie negative Emotionen und konzentrieren Sie sich auf das Positive bei ihrem Beruf“, lautete sein Ratschlag.

Denn jede Medaille habe zwei Seiten, und so könnten die Landwirte den Angriffspunkten ihrer Kritiker durchaus genauso viele positive Aspekte entgegensetzen. „Dafür brauchen Sie aber die Kraft, die das unnütze Ärgern frisst.“ Professor Dr. Dr. Matthias Gauly, Tierarzt und Wissenschaftler sowie Mitglied im Beirat des Bundesministeriums für Ernährung, evaluierte die aktuelle Nutztierhaltung in Deutschland. Sie sei einerseits erfolgreich – habe andererseits Defizite beim Tierwohl. „Das können Sie nur gemeinsam im Dialog mit Politikern, Verbrauchern und Vermarktern verbessern“, so der Professor. Sein Fazit: „Damit Sie als Landwirte mit der eigenen Arbeit zufrieden sind und eine breite Akzeptanz erreichen, müssen die Haltungssysteme, Produktionsweisen und Zuchtprodukte in Richtung erhöhte Tier- und Umweltschutzstandards ausgerichtet werden. Parallel müssen Sie besser aufklären!“ Dann hätte die inländische Veredelungswirtschaft eine Zukunft.

Hans-Heinrich Berghorn, Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband, reagierte kämpferisch auf die Frage, wie deutsche Bauern als Teil der Wertschöpfungskette bei Lebensmitteln an der laufenden Debatte mitwirken. Die Anklage der Verbraucher laute: „Ihr Bauern geht rücksichtslos um mit Mensch, Tier und Natur!“, und ihr Appell: „Ändert Euch im Denken und Handeln!“ Die Hoffnung der Verbraucher laute: „Wir bekommen unsere heile Landwirtschaft zurück.“ Das sei die heutige Außensicht auf die Landwirtschaft. Berghorn kritisierte einige Medien, die sich von der Berichterstattung zum „reinen Infotainment mit emotionalen Darstellungen“ verändert hätten. Für Berghorn war klar: „Damit die Agrarkommunikation in der Zukunft besser klappt, brauchen wir einen entschlossenen Neuanfang. Wir müssen als Bauern wieder stattfinden in der Diskussion und in Talkshows Rede und Antwort stehen, Landwirtschaft erklären.“ Das bäuerliche Image müsse von Bauern gesteuert, von Kommunikationsprofis begleitet und ausschließlich von Bauern finanziert sein: „Wir brauchen Konzepte, Köpfe, Knete!“

Für Coach Burzywoda galt der Shaolin-Grundsatz: „Du bist was du denkst, und du wirst was du denkst.“ Ulk und Akrobatik gab es von „Tante Luise und Herrn Kurt“.

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