Klönabend des Heimatvereins mit unterhaltsamen Programm

„Blanker Podex“ erheitert

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Den Sketch von Loriot „Das Frühstücksei“ kennt wohl fast jeder. Auf Plattdeutsch hörten ihn die Heimatvereinsmitglieder aus Rehden von Johannes und Anke Rathjens in einer zauberhaften Version des Aneinander-Vorbei-Redens zwischen Mann und Frau.

Rehden - Jedes Mal wenn Alfred Voss zu einem neuen Themenbereich anhob, brummelte es im Saal der Ratsstuben: „Jo, so wör dat domals.“ Drei unterschiedliche Punkte standen zum Klönabend des Heimatvereins Samtgemeinde Rehden auf dem Programm: „Alfred Voss vertellt us wat“, Lieder und Sketche von Anke und Johannes Rathjens aus Drebber und ein bildlich unterstütztes Referat von Samtgemeindearchivar Dieter Plaggemeyer über Bedeutung, Sinn und Verfall der Flurnamen in der Feldmark in Rehden.

Kommissarischer Leiter des Heimatvereins, Helmut Elver, konnte zum Klönabend zahlreiche Gäste begrüßen. Plattdeutsche Lieder wunderbar zum Mitsingen, dazu animierten Anke und Johannes Rathjens auf Plattdeutsch, die Ballade „Fresenhof“ von Knut Kiesewetter erwärmte Stimmung und Herz und als dann noch fast das „goa Geschirr“ im Sketch von Loriot „Das Frühstücksei“ auf Plattdeutsch und als eheliche Kommunikation in Vollendung dargeboten wurde, hielt sich jeder vor Lachen den Bauch. Denn: Es ist eklatant wichtig, dass das Ei nicht zufällig viereinhalb Minuten gekocht hat. Das bestätigten ausnämlich per Nicken die Herren im Saal.

Alfred Voss hatte zahlreiche Stichworte aus seinem langen Leben parat, alles Szenen, die viele Altersgenossen nachvollziehen konnten, Voss sie aber so einmalig wunderbar aus dem Kopf erzählen konnte. Die Sache mit dem Mischbrot war eine Geschichte, denn früher war das rar, da bekam nur jeder eine Schnitte, sonst Schwarzbrot. Die Kinderjahre, als es keinen Fernseher oder Computer gab. Die Rüben vom Erntetag wurden vom Grün entfernt. Getränke wurden in Flaschen vom Kaufmann geholt und das Dorffest hatte ein „Danz- und Suptelt“.

Nach dem Fest rissen sich die Jungs um den Abbau des hölzernen Zeltbodens, denn in die Ritzen war so mancher Taler gefallen. Es konnte jedoch auch passieren, dass man von Mitstreitern in einen Zeltsack gesteckt und erst nach dreimaligem Bitten wieder befreit wurde. Die Bügelfalten sollten so stark gestärkt sein zum Fest, dass sich der Hund beim Berühren eine blutige Nase holte.

Wenn Kalkstickstoff per Hand ausgebracht wurde, durfte man zwei Tage vorher und nachher keinen Alkohol trinken. Alles Informationen, die Voss mit kleinen Anekdoten zu bekannten Rehdenern verband.

Nackte Tatsachen im Tausch gegen ein Huhn, das war eine „dolle“ Geschichte. Zum Marktfest kamen auch immer Zigeunerwagen. Und hier und da war ein Huhn gemopst worden. Jeder ließ sich das nicht gefallen, aber wenn die Zigeunerin ihren blanken Podex zeigte, durfte sie das Huhn behalten…

„Die Nasen drückten wir uns platt an den Fenstern der Geschäfte zu Weihnachten“, erinnerte sich Voss und seufzte hier und da: „Ja, so verschwindet ein Platz nach dem anderen.“

Kochpötte wurden gelötet, es gab eine kollektive Dosenverschlussmaschine und der Kaufmann verkaufte Ofenrohre. „Du schallst beter een book schrieven doröver, so gut wie Du aus dem Kopf erzählen kannst“, empfahlen die Heimatvereinsmitglieder Voss.

Dass Flurnamen vor hunderten von Jahren sehr wichtig waren in der Kommunikation der Bewohner des Moores und ihrer Kulturflächen und Gehöfte, das vermerkte Dieter Plaggemeyer. Vor mehr als 1000 Jahren war in Rehden wenig los, es gab nur Moor-, Bruch- und Heideflächen. In den späteren Flurnamen spiegelten sich alle historischen und sprachlichen Entwicklungen wider. Attribute wie beim, auf, über, unter, vor und hinter wiesen auf Besitzteilung hin. „Landbesitz veränderte sich durch Erbschaft oder Verkauf.“ Und Reformen wie Teilungen, Verkopplungen und Flurbereinigung führten zu Strukturveränderungen. Durch Entstehen der Katasterämter, die mit Flurnummern arbeiteten, verloren die Flurnamen mit sehr viel mehr Identifizierung an Bedeutung. Jedoch gibt es heute noch Relikte alter Flurbezeichnungen in Straßennamen. Was 1667 noch „Die Zuschläge“ hieß, findet sich in der Straße „In den Zuschlägen“ beispielsweise wieder.

sbb

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