Plattdeutsche Bühne Rehden

Kleine Spitzen lassen kleine Machtkämpfe erahnen

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Dorfidylle an Kümmel und Korn? Pustekuchen! Im Bürgermeistergarten wird gerade die geraubte Gans des Pastors verspeist.

Rehden - Von Simone Brauns-Bömermann. Die Plattdeutsche Bühne Rehden ist Profi unter den Laien. Mit ihrem neuen Stück „De Aantenkrieg“ holte sie ein Stück Alltag einer jeden Gemeinde und Aktualität auf die Bühne.

Während die in diesem Jahr nicht auf der Bühne stehenden aktiven Spieler mitfiebern, den Spielsaisonstart verfolgen und mitbibbern mit den Kollegen, lachen die Gäste schon längst, geben Szenenapplaus und krümmen sich vor Amüsement. „Mann oh Mann, ist das aktuell“, sagt ein Gast in der ersten Pause.

An den weiteren sechs Spielterminen wird es um den Krieg zwischen Bürgermeister Arthur Ohde (Heiner Kopmann) und Pastor des Ortes Runge (Ulrich Wilms) und ihre Machtkämpfe zwischen weltlicher und geistlicher Obrigkeit gehen.

Mit Bühnenbild, Requisite und Maske, im Plattdeutschen ist dafür die Feinmakerin (Ingrid Kuhlmann) zuständig, ist das mit Streit belastete Dorf quasi mitten im Saal. Stellt sich auch die Frage: Wo findet man diese Perücken von Helma (Anke Sommer), des Bürgermeisters Frau, Wanda Henke (Heike Tenschert), die Dorfpresse beziehungsweise Tratsche, und Irma Papendiek (Rita Schmidt), die Kirchenvorstandsvorsitzende. Alle sind durch diese Haarkleider kaum noch zu erkennen.

Heinrich Koch in skurriler Kleidung unterwegs

Über diese Probleme brauchen sich Ulrich Wilms als Pastor, der einfach Schwarz anzieht und authentisch auf die Bühne geht, und Heinrich Koch als Johann Papendiek keine Gedanken zu machen. Na ja, Koch wird so skurril gekleidet wohl in Rehden nie gesehen, in Knickerbocker, Hosenträger und einer Frisur wie nach Wilhelm Buschs Max und Moritz. 

Aber seine Rolle als etwas dösiges Gemeinderatsmitglied mit Hang zum flüssigen Brand und gutem Essen birgt einen riesigen Vorteil und Schwierigkeit zugleich: Er darf während des zweiten Aktes durchweg essen, muss dabei aber auch in den Kaupausen die Pointen sprechen. Nicht ganz einfach. Aber immerhin gibt es Gans, und zwar die vom Bürgermeister illegal aus dem Mastbestand des Pastors geschossene.

Während der Bürgermeister in Boxershorts und hemdsärmelig aus dem Entenpfuhl steigt, ändert sich das Blatt im Bürgermeisterhaus schnell wieder: Tochter Heinke (Karina Bollhorst) ist jung und sexy, für Vaters Gusto des Letzteren zu viel. Und während die zwei Dorfoberhäupter noch wetten, wo die Enten des Pastors nach dem Boxkampf grasen werden, wetten die Bürger auf die unterschiedlichen Seiten und rühren ordentlich die Werbetrommel für ihre Partei.

Start mit mysteriösem Sturz

Das Stück beginnt mit dem mysteriösen Sturz des Dorfchefs in den dorfeigenen Ententeich. Ab dem Zeitpunkt tobt der Kampf, bestimmt den Tag der Bürger. Aber nicht nur der Krieg der Dorfoberhäupter ist Mittelpunkt, überall kommen kleine Spitzen durch, die kleine Machtkämpfe ahnen lassen: So wie den von Tochter Heinke, die ihren Vater und seine politischen Machenschaften und Ränkeleien längst durchschaut. Ergo, im Stück von Walter G. Pfaus ist auch der Generationenkonflikt eingebaut. Denn eigentlich gehört es sich ja für einen Bürgermeister auch nicht zu lügen: „Der Fuchs, der hat die Gans gestohlen.“

Im Publikum zur Premiere sind einige Spieler der „Spälkoppel Garrel“, sie sind inzwischen langjährige Freunde der Plattdeutschen Bühne Rehden. „Wir besuchen uns regelmäßig seit rund fünf Jahren“, erläutern Ralf Sommer und die Spieler am Nichtspieler-Tisch.

Das zusätzlich Schöne generell an Stücken in plattdeutscher Sprache und der Sprache an sich ist die Warmherzigkeit des Ausdrucks, auch und gerade, wenn etwas direkt ausgesprochen werden muss. Direkt und doch nicht verletzend. Es finden sich zahlreiche Wortspielereien: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird es an nichts mangeln“, so der Pastor. 

„Ich werde Dich so richtig übermangeln im Boxkampf“, die Antwort des Bürgermeisters. Wer das lustige und schlaue Stück aufgelöst haben möchte und vor allem klarsehen will, was der zukünftige Schwiegersohn des Bürgermeisters Udo Schröder (Malte Rommel) mit dem ganzen Trubel zu tun hat, kann entweder in die Nachmittagsvorstellungen an den Sonntagen oder Abendterminen der kommenden Freitage und mittwochs kommen. Genaue Termine unter:

www.rehden-ratsstuben.de

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