Der Posaunenchor Barver 1893 gegründet

Helikon aus der Gründerzeit wird noch gespielt

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Der Posaunenchor Barver besteht 125 Jahre. Das besondere Jubiläum wird am zweiten Pfingsttag, 21. Mai, ab 10 Uhr im Rahmen eines Samtgemeindegottesdienstes im Dorfgemeinschaftshaus begangen.

Barver - 1893 im Hause der Witwe Georgine Borggrefe Nr. 19 in der kleinen Ortschaft Barver: Im Rahmen einer privaten Feier regt der damalige Seelsorger Pastor Simon an, einen Posaunenchor zu gründen. Schnell finden sich zwölf Bläser zusammen. Ein paar von ihnen sind musikalisch bereits „vorbelastet“, was Bruder Saul aus Bethel, der die Schulung des Chores übernimmt, die Arbeit enorm erleichtert.

So ist es in alten Aufzeichnungen nachzulesen, die der Nachwelt bis heute erhalten geblieben sind und auch dem weniger geschulten Mathematiker schnell deutlich machen, dass 2018 für den Posaunenchor Barver das Jahr der Gründung zum 125. Mal wiederkehrt. Grund genug für die Verantwortlichen, das besondere Jubiläum mit vielen Gästen würdig zu feiern: Pfingstmontag, 21. Mai, ab 10 Uhr im Rahmen eines Samtgemeindegottesdienstes mit Gläubigen aus den Kirchengemeinden Barver, Rehden-Hemsloh und Wetschen im gemütlichen Ambiente des Dorfgemeinschaftshauses. 

Anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Posaunenchores hat Ehrenbürgermeister Wilhelm Hollberg eine Chronik zusammengestellt, in der wichtige Meilensteine der Chorgeschichte nachzulesen sind. Barver war Ende des 19. Jahrhunderts in Nachbarortschaften als „musikalisches Dorf“ bekannt. In der Regel waren es die Bauernsöhne, die Klavierunterricht nahmen oder nehmen mussten. Unterrichtet wurden sie von den Dorfschullehrern oder fuhren zum Klavierunterricht nach Diepholz. Für die spätere Entwicklung des Posaunenchores war das von Vorteil, weil mehrere Mitglieder Noten lesen konnten und schon viele Lieder kannten. Junge Männer wie Gustav Högermeyer, Ludwig Osterbrink und Friedrich Albershardt waren tragende Säulen des Posaunenchores.

Richtig aufwärts ging es ab 1922

Die Instrumente wurden zum Teil gespendet oder von den Bläsern selbst finanziert. Das damals gekaufte Helikon, das bis heute geblasen wird, wurde beispielsweise vom Hof Borggrefe gestiftet. Die Noten kamen vom größten Kirchenmusiker der damaligen Zeit, Johannes Kuhlo.

Schon in den Anfangsjahren der Geschichte wechselten Höhen und Tiefen ab. Nachdem die musikalische Arbeit während des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 geruht hatte, kam sie 1919 langsam aber stetig wieder in Gang. Richtig aufwärts ging es aber erst ab 1922, nachdem Pastor Hahn die Chorleitung übernommen hatte. „Er brachte dem Chor das feine Blasen der Choräle bei“, ist in der Chronik nachzulesen.

Um die Zeit, so heißt es in den Annalen weiter, wurde der Musikverein wieder aktiviert. Hintergrund für die Trennung war wohl gewesen, dass die damaligen Pastoren es nicht wollten, dass Bläser des Posaunenchores mit anderen Musikern über Land zogen und bei Verlobungen, Hochzeiten, Schützenfesten und ähnlichen Veranstaltungen weltliche Musik spielten.

Schmunzel-Episoden und detaillierter Überblick

1932 nahm der Posaunenchor Barver Kontakt mit den Nachbarchören Wagenfeld und Diepholz auf, um fortan jedes Jahr ein gemeinsames Posaunenfest zu feiern. Zudem ist festgehalten, dass der Trompeter Fritz Albershardt den Chor durch seinen aufopfernden Einsatz vor dem Untergang rettete, nachdem Lehrer Basse Barver 1933 verlassen hatte und Rektor Henke der Chor wegen seiner antikirchlichen Einstellung abgenommen worden war.

In der Chronik können auch viele Schmunzel-Episoden aus der langen Posaunenchor-Geschichte nachgelesen werden. Zudem gibt es einen detaillierten Überblick über die Chorleiter früherer Jahre. Besonders gewürdigt wird beispielsweise die Dirigententätigkeit von Ernst Feldmann, der sofort nach dem Zweiten Weltkrieg dafür sorgte, dass der Posaunenchor wieder aktiviert wurde. Neben Chorälen wurden auch weltliche Stimmungslieder und Märsche geblasen. Nicht zuletzt deswegen hatte der Chor in den Jahren besonders viele Auftritte.

Die geschichtlichen Aufzeichnungen reichen bis ins Jahr 2017 und machen deutlich, dass der Posaunenchor von der Gründung bis heute ein fester Bestandteil des dörflichen Lebens war und ist. Zudem kann nachgelesen werden, dass Posaunenklänge Menschen verschiedener Nationalitäten ebenso vereinen wie Mitglieder der unterschiedlichsten Vereine und Verbände. Pfingstmontag, wenn der Posaunenchor sein Jubiläum begeht, wird sich das – wie oft in den zurückliegenden 125 Jahren – erneut zeigen. - ges

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