1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Rehden

Grundschule Wetschen: Aktuell ohne Genehmigung, aber unverzichtbar

Erstellt:

Von: Melanie Russ

Kommentare

Die Außenstelle Wetschen der Grundschule steht momentan ohne Genehmigung da. Der Antrag auf Verlängerung ist schon gestellt.
Die Außenstelle Wetschen der Grundschule steht momentan ohne Genehmigung da. Der Antrag auf Verlängerung ist schon gestellt. © Russ

Die Außenstelle Wetschen der Grundschule Rehden steht momentan ohne Genehmigung da, weil der rechtzeitige Antrag auf Verlängerung verschwitzt wurde. Da sie wegen der hohen Schülerzahlen weiterhin dringend gebraucht wird, ist ihr Bestand nach Einschätzung der Verwaltung aber nicht gefährdet.

Rehden – War da nicht was mit Außenstellen von Grundschulen und deren Genehmigungen? Die Außenstelle Wetschen der Grundschule Rehden steht schon seit dem 1. August 2021 ohne eine solche Genehmigung da. „Das ist uns ein bis zwei Jahre zu spät aufgefallen“, räumte Fachdienstleiter Ralf Lammers während der Sitzung des Schulausschusses am Mittwochabend ein. Der Antrag auf Verlängerung der Genehmigung wurde inzwischen an die Landesschulbehörde geschickt, und Lammers ist auch sehr zuversichtlich, dass er anstandslos genehmigt wird. Denn für die Samtgemeinde ist die Außenstelle Wetschen angesichts der hohen Schülerzahlen unverzichtbar. Eine Entscheidung der Schulbehörde wird bis Mai erwartet.

Die Samtgemeinde hatte 2012 die organisatorische Zusammenlegung der bis dahin eigenständigen Grundschulen Rehden, Wetschen und Barver beantragt – auch weil es schwierig war, für die kleinen Einheiten Schulleitungen zu finden. Barver und Wetschen wurden als Außenstellen der Grundschule Rehden weitergeführt, hatten also keine eigene Leitung mehr. Weil die Landesschulbehörde eine Außenstelle als Provisorium ansieht und das Ziel immer eine Zusammenlegung an einem Standort sein soll, sobald dies möglich ist, erteilt sie eine Betriebsgenehmigung immer nur für in der Regel drei Jahre. Die Außenstelle Barver wurde 2018 wegen zu geringer Schülerzahlen geschlossen, in Wetschen blieben die Zahlen dagegen stabil, Tendenz eher steigend.

Aus Sicht der Verwaltung sprechen viele Gründe für den Erhalt des Standorts Wetschen – allen voran die Schülerzahlen, aber auch die sich verändernden Anforderungen mit zusätzlichen Differenzierungsräumen aufgrund der Inklusion und dem Ausbau der Ganztagsbetreuung. Auch das Kollegium sei in den letzten Jahren stark gewachsen, weshalb im Verwaltungsbereich aufgerüstet werden müsse, erläuterte Lammers. Aufgrund des gestiegenen Raumbedarfs ist am Standort in Rehden trotz der kürzlichen Erweiterung um einen Teil des alten Rathauses kein Platz für die vier Klassen aus Wetschen.

Im Genehmigungsantrag der Samtgemeinde legt Ralf Lammers die Entwicklung ausführlich dar und verweist auch auf die Schließung der Außenstelle Barver, wodurch die Barveraner Grundschüler – aktuell sind es 30 – in Rehden unterrichtet werden. Nach der amtlichen Schulstatistik werden in Rehden in diesem Schuljahr 170 Kinder unterrichtet bei durchgängiger Zweizügigkeit. In Wetschen sind es 77 Kinder. Anhand der Geburtenzahlen prognostiziert die Verwaltung einen Anstieg der gesamten Schülerzahlen von 254 im Schuljahr 2023/24 auf 271 im Schuljahr 2028/29 mit einem Peak von 292 Schülern 2027/28. Diese Zahlen sind zwar mit einigen Unsicherheiten behaftet, weil beispielsweise Zu- und Wegzüge oder die Aufnahme von Flüchtlingskindern nicht berücksichtigt sind. „Aber eine Tendenz ist klar erkennbar“, so Ralf Lammers.

In Rehden zeichnet sich für die kommenden Jahre eine Dreizügigkeit ab, durch die es dort eng wird. Schon für das laufende Schuljahr musste ein zuvor anders genutzter Raum in einen Klassenraum umgewandelt werden, ab 2026 wird voraussichtlich ein weiterer Klassenraum – der zehnte – notwendig. In Wetschen bleiben die Schülerzahlen voraussichtlich konstant bei mindestens 85 Kindern, was einer guten Einzügigkeit entspricht.

Darüber hinaus weist Ralf Lammers im Genehmigungsantrag auf die geplante umfangreiche Modernisierung in Wetschen hin. Wie berichtet, erarbeitet das Planungsbüro „Forum L“ derzeit gemeinsam mit allen an der Grundschule beteiligten Akteuren ein neues Konzept, um die Schule zukunftsfähig aufzustellen. Es soll noch vor den Sommerferien vorgestellt werden. Ein Ausbau der Ganztagsbetreuung ist in Wetschen ebenso vorgesehen wie der Ausbau der digitalen Infrastruktur, der zum Teil schon umgesetzt wurde.

Vor dem Hintergrund dieser hohen Investitionen sei für die Samtgemeinde eine höhere Planungssicherheit erforderlich, heißt es im Antrag. Sie wünscht sich darum eine Genehmigung, die über die üblichen drei Jahren hinausgeht. Am liebsten wäre ihr eine unbefristete Genehmigung der Außenstelle, was nach der bisherigen Argumentation der Schulbehörde aber unwahrscheinlich ist. So wird die Samtgemeinde wohl weiterhin mit befristeten Genehmigungen leben müssen, was sie laut Lammers angesichts der stabilen Schülerzahlen aber auch ganz gut könnte.

Alternativ könnte die Samtgemeinde Rehden versuchen, die Außenstelle Wetschen wieder als eigenständige Grundschule mit eigener Leitung zu etablieren. Allerdings wäre es laut Ralf Lammers schwierig, eine Leitung für eine so kleine Grundschule zu finden, und der Rehdener Standort würde durch die Trennung die wichtige Konrektorenstelle verlieren. Unter dem Strich wäre diese Variante nach seiner Einschätzung für keinen der Standorte ein Gewinn.

Gute Unterrichtsversorgung, aber ein Schulsozialarbeiter wird schmerzlich vermisst

Die Grundschule Rehden und ihre Außenstelle Wetschen wachsen nicht nur hinsichtlich der Schülerzahlen. Auch personell hat die Samtgemeinde ein bisschen aufgestockt. Der wichtigste Posten, der des Schulsozialarbeiters, aber bleibt weiterhin unbesetzt. Wie Ralf Lammers berichtete, wurde das Schulsekretariat mit einer halben Stelle verstärkt, außerdem unterstützt seit dem 1. Dezember ein Schulassistent das Kollegium mit 13 Wochenstunden. Die übrige Dienstzeit verbringt er an der benachbarten Oberschule.

Hinsichtlich der Lehrkräfte ist die Grundschule momentan gut ausgestattet, wie die kommissarische Schulleiterin Claudia Prentler in der Sitzung erläuterte. Auch wenn im Sommer der einzige männliche Kollege an die Oberschule wechselt, sei man noch bei annähernd hundert Prozent Unterrichtsversorgung. „Allerdings haben wir ein sehr junges weibliches Kollegium“, gab sie im Hinblick auf die Familienplanung der Mitarbeiterinnen zu bedenken. „Es bleibt abzuwarten, wie sich das entwickelt.“

Schmerzlich vermisst wird dagegen ein Schulsozialarbeiter. „Der Bedarf ist groß“, so Prentler. Es gebe einige Schüler mit auffälliger emotionaler Entwicklung. Sowohl im Unterricht als auch auf dem Schulhof gebe es Probleme. Die kommissarische Schulleiterin sprach auch von einigen Kindern aus Barver, die sich kaum noch trauten, mit dem Bus zur Schule zu kommen, weil sie auf der Fahrt von anderen Kindern drangsaliert würden (wir berichteten). Inzwischen habe sie das Thema der Polizei übergeben, eine erste Rückmeldung stimme zuversichtlich, dass sich die Situation bessere. Weil das Land bislang keinen Sozialarbeiter für Rehden zur Verfügung stellt, „hoffen wir, dass wir von der Samtgemeinde Unterstützung bekommen“, so Prentler.

Extrem frustrierend: Laut Samtgemeindebürgermeister Magnus Kiene hat die Landesschulbehörde durchaus erkannt, dass an der Grundschule ein Schulsozialarbeiter benötigt wird. Bei einem Termin im Kultusministerium, den der CDU-Landtagsabgeordnete Marcel Scharrelmann vermittelt hatte, habe der Staatssekretär allerdings deutlich gemacht, dass es 2023 keine Stelle für Rehden geben wird, weil dafür kein Geld zur Verfügung stehe, berichtete Kiene. Doch damit mag er sich nicht zufriedengeben. „Das Land steht hier in der Pflicht“, stellte er klar und versprach Prentler: „Da bleiben wir auf jeden Fall dran!“

Auch interessant

Kommentare