Verwaltung unterstützt Planungen

Geplante Steinbrechanlage in Hemsloh erhitzt die Gemüter

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Einen Sammel- und Sortierplatz für Boden- und Bauschrott wie diesen möchte das Unternehmen Wiechert im Hemsloher Wald errichten. Die Verwaltung will das Vorhaben unterstützen, viele Anwohner sind dagegen.

Hemsloh - Von Melanie Russ. Rund 30.000 Quadratmeter Wald sollen unweit der Straße „Am Berge“ in Hemsloh einer Steinbrechanlage samt großzügigem Lager- und Sortierplatz für Bruchmaterial weichen. Das jedenfalls ist der Wunsch der Sandabbaufirma Wiechert, dem die Samtgemeindeverwaltung Rehden nicht abgeneigt gegenüber steht.

Einige Hemsloher Bürger sind dagegen von den Plänen wenig begeistert. Sie fürchten einen Verlust an Lebensqualität. Am Montagabend votierten die Mitglieder des Planungs-, Bau-, Straßen- und Umweltausschusses im Beisein von etwa 25 Bürgern einstimmig dafür, das westlich an die vorhandene Steinbrechanlage der Firma Peters Sand angrenzende Waldgebiet über eine Änderung des Flächennutzungsplans in ein Gewerbegebiet umzuwandeln. Der Samtgemeinderat Rehden soll am Mittwochabend ab 19 Uhr im Rathaus über den Start des Änderungsverfahrens entscheiden.

Laut Sitzungsvorlage möchte das Unternehmen aufgrund eines gestiegenen Auftragsvolumens den Betriebszweig des Baustoffrecyclings erweitern. Der Standort östlich der Straße „Am Berge“ sei gewählt worden, weil dort bereits ein ähnlicher Platz betrieben werde. Am Standort der Firma Wiechert wäre die Brechanlage laut den Planungsunterlagen nicht genehmigungsfähig. Nicht bewaldete Flächen westlich der Straße sind demnach auf absehbare Zeit nicht verfügbar.

Der Landkreis Diepholz hat laut Samtgemeindebürgermeister Hartmut Bloch Bereitschaft signalisiert, den Status des Landschaftsschutzgebiets auf den drei Hektar zu löschen, und der Landesforst als Eigentümer der Fläche sei zum Verkauf bereit. Für die Abholzung müsste Wiechert an anderer Stelle neue Bäume pflanzen. Die Anlieferung von Steinen soll ausschließlich über die B 239 erfolgen.

„Keine Minderung der Wohnqualität“

Im Entwurf der Änderung des Flächennutzungsplans heißt es unter anderem: „Die Lage der gewerblichen Bauflächen ist in einem ausreichenden Abstand zur nächsten Wohnsiedlung gewählt worden. Dadurch entstehen auch keine nennenswerten Immissionen, welche die Wohnqualität beeinflussen beziehungsweise mindern.“ Konkrete Daten, die diese Aussage untermauern, stehen laut Bloch noch nicht zur Verfügung.

Die Anwohner haben eine entschieden andere Meinung zum Thema Wohnqualität. Schon jetzt wackelten die Gläser im Schrank, wenn die Anlage von Peters Sand in Betrieb sei, erklärte Anja Garling. Die laufe an maximal 30 Tagen im Jahr, das sei noch erträglich, aber „wenn beide Anlagen synchron laufen, wäre das eine Katastrophe“.

Es geht ihnen nach eigener Aussage aber nicht nur um Lärm und Staub. „Wir lieben die Natur. Das ist unser Wald“, sagte eine Bürgerin. „Warum müssen da zwei Anlagen stehen und Bäume abgeholzt werden? Warum geht Wiechert nicht nach Rehden, wo es ungenutzte Gewerbeflächen gibt?“, fragte eine weitere Zuhörerin. Sie sei extra nach Hemsloh gezogen, weil sie den Wald und die Ruhe liebe, sagte eine andere Anwohnerin. „Das belastet einen seelisch.“

Bürger Bernd Lohaus räumte ein, dass man natürlich wenig in der Hand habe, was Rechtsansprüchen genüge. Es möge wohl sein, dass die zweite Anlage die Grenzwerte einhalte. „Sie stört aber trotzdem.“ Der Rat dürfe nicht nur die Wirtschaft unterstützen, er müsse auch die Interessen der Hemsloher berücksichtigen.

Friedrich Sandering, WGH-Ratsherr und Hemsloher Bürgermeister, betonte in einem emotionalen Statement die Bedeutung der Unternehmen für die Samtgemeinde. In der Vergangenheit habe man jegliche Anträge der Unternehmen unterstützt. Die Planungen von Wiechert bewertete er als vertretbare Entwicklung.

Bloch: Nehmen Sorgen ernst

Hartmut Bloch stellte klar, dass die Firma Wiechert einen gewissen Anspruch auf Erweiterung habe. Er betonte aber auch, dass das Änderungsverfahren kein Selbstläufer sei. Die Sorgen der Hemsloher „nehmen wir ernst“. In der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit könnten die Bürger ihre Einwände zu Protokoll geben. Diese müsse der Samtgemeinderat in der weiteren Planung berücksichtigen. Bloch versprach, dass man bis zur Versammlung möglichst viele Daten etwa zu Lärmimmissionen und Staubentwicklung zusammentragen und auch der Vorhabenträger selbst Rede und Antwort stehen werde.

Das werde er natürlich tun, versicherte Mitgeschäftsführer Torsten Wiechert auf Nachfrage unserer Zeitung. Vorab wollte er sich allerdings nicht zur Anlage, möglichen Lärmimmissionen, Betriebszeiten oder anderen Details äußern.

Kommentar: Ideelle Werte schwer quantifizierbar

Von Melanie Russ.

Mit so viel Gegenwind hätten die Politiker des Rehdener Samtgemeinderates wohl nicht gerechnet. Dass etwa 25 Hemsloher die Sitzung am Montagabend verfolgten und sich ausführlich und kritisch zu Wort meldeten, zeigt, wie sehr die geplante Errichtung einer Steinbrechanlage in Hemsloh die Menschen bewegt. 

Das macht den Politikern die Entscheidung nicht gerade leichter – oder sollte sie ihnen zumindest nicht leichter machen. Denn sie sind beiden Seiten gleichermaßen verpflichtet – dem Unternehmen, das ein berechtigtes Wachstumsinteresse hat, und den Bürgern, die sich ein Leben ohne Lärm, Staub und ähnliche Beeinträchtigungen wünschen. 

Bei der Bewertung, welche Interessen schwerer wiegen, können sich die Politiker zwar an Messwerten und Immissionsgutachten orientieren und auf deren Grundlage eine rechtsgültige Änderung des Flächennutzungsplans beschließen. Dabei würden sie allerdings den ideellen Wert, den der Wald als Ort der Erholung zumindest für die 25 Bürger besitzt, die bei der Ratssitzung dabei waren, außer Acht lassen. Denn der ist nicht anhand von Berechnungen oder Tabellen quantifizierbar.

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