Megawattstunde Erdgas kostet bis zu 160 Euro

Gaspreise explodieren : Zehnmal teurer als vor einem Jahr

Der Gasspeicher in Rehden gehört zu den größten in Europa und ist eine Drehscheibe für zahlreiche Versorger. Die Gesamtanlage ist beeindruckend – Betreiber ist das Unternehmen Astora, das zu Gazprom Germany gehört.
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Der Gasspeicher in Rehden gehört zu den größten in Europa und ist eine Drehscheibe für zahlreiche Versorger. Die Gesamtanlage ist beeindruckend – Betreiber ist das Unternehmen Astora, das zu Gazprom Germany gehört.

Landkreis  Diepholz – Verbraucher müssen sich im Winter warm anziehen, denn die Gaspreise explodieren förmlich. „Am Mittwoch kostete eine Megawattstunde Erdgas mit Liefertermin November bis zu 160 Euro – dreimal so viel wie einen Monat zuvor, fast zehnmal so viel wie vor einem Jahr“, erläutert Benjamin Reichenbach von der Agentur Cheapenergy24 – ein Beratungsunternehmen für die Optimierung von Energiepreisen, das auch Kunden im Landkreis Diepholz hat und den Markt sehr gut kennt.

Benjamin Reichenbach und seine Kollegen wissen: „Die Preise spiegeln sich natürlich auch in den Neukundenangeboten wider.“ Nach Meinung der Experten bei Cheapenergy24 wird es „eine sehr starke und breite Preiserhöhungswelle seitens der Versorger spätestens zum Jahreswechsel geben“. Will heißen: Sehr viele Versorger werden mehr Geld für das in vielen Haushalten unverzichtbare Gas verlangen. Fast die Hälfte (44 Prozent) der bundesdeutschen Haushalte ist auf Erdgas angewiesen, so das Bundeswirtschaftsministerium. Dieser Rohstoff sei deshalb „wichtigster Energieträger am Wärmemarkt“.

Erdgasspeicher Rehden spielt eine zentrale Rolle für die Versorgungssicherheit

Genau der lagert in großen Mengen im südlichen Landkreis Diepholz – im Erdgasspeicher Rehden in strategisch günstiger Lage: „Rehden liegt an einem Knotenpunkt deutscher Erdgasleitungen und spielt damit eine zentrale Rolle für die Versorgungssicherheit Deutschlands und Europas“, erläutert das Unternehmen Astora mit Sitz in Kassel, das die Anlage in Rehden betreibt und Teil der Gazprom Germania-Gruppe ist.

Bis zu vier Milliarden Kubikmeter Gas können in Rehden auf einer unterirdischen Fläche von rund acht Quadratkilometern gelagert werden – in einem der größten Porenspeicher Westeuropas. „Er verfügt über rund ein Fünftel der gesamten in Deutschland vorhandenen Speicherkapazität und leistet damit einen nachhaltigen Beitrag zur Versorgungssicherheit des Landes“, betont Astora.

Einst hatte die Natur den Speicher prall mit Erdgas gefüllt. In den 1950er-Jahren begann die Wintershall mit der Förderung. Sie ist mittlerweile Geschichte: „Danach wurde die Lagerstätte zu einem Speicher umfunktioniert und 1993 in Betrieb genommen“, erläutert das Unternehmen.

Der Durchschnittsverbrauch eines Einfamilienhauses liegt bei etwa 23 000 Kilowattstunden

In 2000 Metern Tiefe könne heute der Jahresverbrauch von rund zwei Millionen Einfamilienhäusern gelagert werden. Zum Vergleich: Der Durchschnittsverbrauch eines Einfamilienhauses liegt bei etwa 23 000 Kilowattstunden (kWh).

Im Rehdener Speicher lagerten den Betriebsdaten zufolge am Freitag rund 4,1 Milliarden (exakt 4 129 213788) Kilowattstunden Arbeitsgasvolumen. Am 10. September war der Erdgasspeicher nur mit 1,92 Milliarden kWh gefüllt, danach gab es immer wieder Einspeicherungsleistungen von bis zu 14,3 Millionen kWh.

Der Speicher ist so etwas wie eine Drehscheibe auf dem Gasmarkt. Denn das Betreiber-Unternehmen stellt den verschiedensten Kunden Lagerkapazitäten zur Verfügung – und verweist im Übrigen auf Vertraulichkeit.

Gazprom: Lieferungen nach Deutschland um 35,8 Prozent aufgestockt

Gazprom selbst betont auf seiner Internetseite ausdrücklich, dass die Lieferungen nach Deutschland um 35,8 Prozent aufgestockt worden seien.

Das russische Unternehmen erklärt außerdem unter Berufung auf die Organisation Gas Infrastructure Europe: Lediglich 62 Prozent der Gasmengen, die in der vergangenen Heizsaison aus Untertagesgasspeichern in Europa entnommen worden waren, seien ersetzt worden. Anders gesagt: 38 Prozent fehlen. Vor allem deshalb wird Gas immer teurer.

Was können Verbraucher tun? Benjamin Reichenbach von Cheapenergy24: „Wir raten den Verbrauchern, in nächster Zeit verstärkt auf Nachrichten der aktuellen Versorger zu achten, da eine Preiserhöhung sechs Wochen vor in Kraft treten schriftlich angekündigt werden muss. Der Verbraucher hat nun ein Sonderkündigungsrecht, sodass umso mehr die Prüfung des Tarifs und der Wechsel des Anbieters notwendig ist.“

Zurück zum Erdgasspeicher in Rehden. Dort laufen noch bis zum 17. Oktober Wartungsarbeiten. Und dabei kann es schon mal feurig aufleuchten: „Aus Sicherheitsgründen müssen geringe Mengen Erdgas abgefackelt werden“, erklärt das Betreiber-Unternehmen.

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