Filmprojekt der Jade-Hochschule

Anwohner, Nutzer und Naturschützer erzählen persönliche Geschichten zum Barver Moor

Studenten der Jade-Hochschule Wilhelmshaven dokumentieren die Geschichte des Barver Moores, erzählt aus ganz persönlichen Blickwinkeln der Anwohner.
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Studenten der Jade-Hochschule Wilhelmshaven dokumentieren die Geschichte des Barver Moores, erzählt aus ganz persönlichen Blickwinkeln der Anwohner.

Studenten der Jade Hochschule Wilhelmshaven produzieren drei Filme zur Geschichte des Barver Moores und interviewen dafür Anwohner, Landwirte und Naturschützer.

Barver – Das Mikrofon ist an die Jacke geklemmt, die beiden Kameras sind ausgerichtet, und schon legt Wilhelm Hollberg los. Der frühere Barveraner Bürgermeister erzählt von einem typischen Arbeitstag eines Torfstechers im Barver Moor. Hollberg kennt sich bestens in der Geschichte der Gemeinde aus und ist ganz in seinem Element. Von Nervosität keine Spur.

Er ist einer von sieben Protagonisten, die im Rahmen eines Filmprojekts der Jade-Hochschule Wilhelmshaven in Kooperation mit dem Projekt Canape aus ihrem ganz persönlichen Blickwinkel über die Geschichte des Barver Moores berichten. Am Ende sollen drei Filme stehen.

Ausgangspunkt waren die Arbeiten am Pilotprojekt Canape. Während die Wissenschaftler im Barver Moor in monatelanger Arbeit eine Sphagnumfarm (Torfmoosfarm) anlegten, kamen von Zeit zu Zeit Nachbarn vorbei, erkundigten sich, was dort geschieht, und erzählten, wie es früher war. „Das ist Wissen, das droht, verloren zu gehen“, weiß Projektleiter Jens-Uwe Holthuis. „Diese Geschichten sollte man erhalten“, dachte er bei sich. Als er dann über Kollegen eines anderes Forschungsprojekts, das mit der Jade-Hochschule kooperiert, von den Filmprojekten des Studiengangs Medienwirtschaft und Journalismus erfuhr, war für ihn schnell klar: Das wäre die perfekte Partnerschaft.

Und so ist in diesen Tagen zweimal eine Gruppe Fünftsemester vor Ort, um im Dorfgemeinschaftshaus Einwohner zu den drei Kapiteln Torfstich, landwirtschaftliche Nutzung des Moores und Wiedervernässung zu befragen. Dem jungen Filmteam geht es dabei nicht in erster Linie darum, Fakten und nüchterne Berichte zu sammeln, sondern die persönlichen Geschichten und Anekdoten aus ihren Interview-Partnern herauskitzeln. „Wir lassen die Personen viel erzählen“, erklärt Projekt-Koordinatorin Marie Lüdtke. Zu Wort kommen direkte Anwohner und Nutzer des Moores ebenso wie Naturschützer.

Die Dreharbeiten sind nicht nur für die Barveraner, die zum ersten Mal vor einer Kamera sitzen, eine spannende Erfahrung, sondern auch für die Studenten selbst. „Es ist das erste Mal im Studium, dass wir auf uns alleine gestellt sind“, sagt Nico Marsänger. Darum sei das Projekt ihr kleines Baby. Was zusätzlich motiviert: Zum ersten Mal produzieren die Studenten eigenverantwortlich etwas, was nicht allein dem Studium dient und nach der Benotung in der Versenkung verschwindet, sondern von Dauer ist und einen echten Wert hat. „Alles in allem macht es total viel Spaß“, so Marie Lüdtke.

Auch Barvers ehemaliger Bürgermeister Wilhelm Hollberg saß vor der Kamera und hatte viel zu erzählen.

Die ersten Interviews seien sehr gut gelaufen, berichtet Nico Marsänger nach der ersten Session. „Einige konnten die Kameras gut ausblenden und haben viel erzählt, andere waren etwas nervös“, ergänzt Lisanne Stief. Dann müsse man die Geschichten ein bisschen aus den Interview-Partnern herauskitzeln.

Nach dem letzten Drehtag am kommenden Freitag beginnt die aufwendige Nachbearbeitung. Viele Stunden Rohmaterial müssen gesichtet, ausgewertet und mit alten Fotos und Videos aus dem Fundus der Interviewten zu einem stimmigen Gesamtwerk komponiert werden.

Zum Semesterende sollen die drei Filme fertig sein und anschließend auf verschiedenen Portalen im Internet veröffentlicht werden. Wo genau, steht noch nicht fest.

Jens-Uwe Holthuis versteht das Filmprojekt auch als Wertschätzung für die Menschen, „die hier vor uns gearbeitet haben“. Denn das Canape-Projekt ist die vierte Generation, die im Barver Moor Landwirtschaft betreibt – wenn auch ganz anders, als es die Vorfahren taten. Bis 1950 sei das Moor unberührt gewesen, blickt Holthuis zurück. Dann seien die ersten Siedler gekommen und hätten mit der Bewirtschaftung begonnen. In den 1990er-Jahren habe ein Wandel eingesetzt und die Landwirtschaft habe wieder etwas zurückgedreht. Heute dient ein Teil des wiedervernässten Barver Moores als Sphagnumfarm und läutet damit vielleicht eine Ära der nachhaltigen Moorbewirtschaftung ein.

Von Melanie Russ

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