Herzenswunsch: Geburtshaus in Freistatt

Familienpartei: Landesvorsitzender Carsten Krehl im Interview

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Carsten Krehl (44) ist Vater von vierjährigen Zwillingen und Landesvorsitzender der Familienpartei Niedersachsen.

Rehden - Sie hat in den vergangenen Monaten eine besondere Dynamik entwickelt – und will mit ihrem neuen Landesvorsitzenden Carsten Krehl aus Rehden richtig durchstarten: Die Familienpartei.

Sie will Rechte und Möglichkeiten von Eltern und Kindern gleichermaßen stärken. Und tritt bei den Landtagswahlen im Januar mit einem eigenen Wahlprogramm für den Landkreis Diepholz an. Im Interview nimmt Carsten Krehl Stellung zu aktuellen Themen seiner Partei. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Bei der Landtagswahl 2013 hat Ihre Partei in Niedersachsen 664 Stimmen bekommen – Null Prozent. Erstmals treten Sie jetzt mit einer Liste an. Steht Ihr Spitzenkandidat schon fest?

Carsten Krehl: Ja. Das bin ich. Das liegt daran, dass ich die meiste politische Erfahrung habe. Ich war lange Jahre in der SPD. Mit allem, was dazu gehört, mit Engagement bei den Jusos, als Beisitzer im SPD-Vorstand – der jüngste damals mit 16 Jahren. Dann, nach meinem Umzug nach Rehden, war ich Schriftführer und anschließend stellvertretender Vorsitzender. Von 2011 bis 2016 habe ich als Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat mitgearbeitet. Zu den 664 Stimmen muss man sagen, dass damals nur ein Direktkandidat aus dem Raum Friesoythe angetreten war. Es gab 2 000 Unterstützer-Unterschriften, aber keine Landesliste.

Warum eine neue Partei – und warum sich nicht mit ganzer Kraft in eine etablierte integrieren?

Krehl: Neu ist die Partei nicht, sondern bereits 36 Jahre alt. Sie war aber – wie man sieht – in Niedersachsen bisher sehr unbekannt. Der Landesvorstand war, bis auf meinen Vorgänger, in den vergangenen Jahren sehr inaktiv und nicht auf Wachstum ausgerichtet. Ziel ist es jetzt aber, mehr Orts- und mehr Kreisgruppen zu gründen.

Haben Sie Zulauf?

Krehl: Wenn man erstmal bekannt ist, dann kommen auch Leute – wie man hier im Landkreis Diepholz sieht. Wir sind jetzt bei sechs. Dazu kommt ein Mitglied aus dem Landkreis Vechta. Das Ziel ist, dort eine eigene Ortsgruppe zu gründen. Auf Bundesebene sind wir zurzeit der fünftgrößte Landesverband und wir möchten unter die ersten drei kommen. Bildungs-, Familien- und Gesundheitspolitik ist seit ewigen Zeiten eine der größten Baustellen. Aber man flickt bisher daran herum bis zu den nächsten Wahlen! Ein Beispiel ist die Abschaffung der Kita-Gebühren: Wenn das nach der Wahl möglich sein soll, dann müssten sich doch schon jetzt Gelder finden, um zunächst die Gebühren-Erhöhungen, die gerade stattfinden, zu streichen?!

Am 23. Mai begeht Ihre Partei den Tag des Familienwahlrechts. Eine umstrittene Forderung. Denn dass Eltern für ihre Kinder ab der Geburt dieses Wahlrecht ausüben dürfen, klingt das nicht ein bisschen nach Sippen-Strategie?

Krehl: Das Familienwahlrecht ist auch bei uns umstritten. Ich persönlich sehe das als Maximalforderung. Es geht dabei im Prinzip um den demografischen Wandel, der immer mehr ältere Wähler bringen wird, die nicht unbedingt Interesse an der Familienpolitik haben. Es geht bei diesem Recht darum, wie sich Familien bei den neuen Wählerstrukturen wieder mehr Gehör verschaffen können. Man kann ja auch über Absenkung des Wahlalters nachdenken. Der erste Schritt wäre, dass man mit 16 Jahren – wie schon bei den Kommunalwahlen – auch Land- und Bundestag mitwählen darf. Gleichzeitig sollte die politische Bildung an den Schulen verstärkt werden.

Das Erziehungsgehalt für Mütter ist eine reale Forderung. Warum nicht Müttern für drei Jahre genau den Lohn zahlen, den sie zuvor in ihrem Beruf verdient haben? Würde das nicht mehr Eltern bewegen, Kinder zu bekommen?

Krehl: Das gilt natürlich auch für Väter! Gerade bei Vätern ist es noch weniger im beruflichen Alltag integriert als bei Müttern. Im Übrigen ist das eine gute Frage – das wäre die Maximal-, ja die Optimallösung. Der Knackpunkt ist das Elterngeld, das einkommensabhängig gezahlt wird. Das führt zum Beispiel dazu, dass eine Buchhändlerin bei ihrem zweiten Kind noch 300 Euro im Monat hat. Man müsste für Geringverdiener aufstocken und für Großverdiener deckeln. Wer Zuhause die Kinder betreut, braucht keine 7 000 Euro Gehalt. Es geht um die Wahl, Zuhause bleiben zu können! Es geht um die Freiheit: Wie gestalte sich das, damit es für meine Familie passt?

Sie prangern die steuerliche Überbelastung an, beispielsweise den Höchstsatz bei der Mehrwertsteuer auf Spielzeug, Windeln, Kleidung und mehr. Was genau sollte konkret geändert werden?

Krehl: Eigentlich müsste das komplette Mehrwertsteuer-System geändert werden. Denn es geht ja genauso um Medikamente und das Schulessen. Nehmen wir das Schulessen: Es wird zu einem Satz von 0 bis 19 Prozent besteuert – je nachdem, ob in der Schule selbst gekocht, es nur angeliefert oder auch serviert wird. Andererseits haben Tiernahrung und Schnittblumen, aber auch Hotel-Übernachtungen einen Mehrwertsteuer-Satz von sieben Prozent. Man könnte das System so reformieren, dass die Mehrwertsteuer für den Grundbedarf – also Lebensmittel, Medikamente und Schulessen – bei Null liegt, dafür aber bei Luxusgütern, die ohnehin nur von Gutverdienern gekauft werden, auf 25 Prozent erhöht wird. Dann hätte man zwischen 30 und 50 Cent mehr, die man in das Schulessen und damit in die Qualität für Kinder investieren könnte.

Die Geburt ist der Anfang von allem. Deshalb fordert Ihre Partei hebammengeführte Geburtshäuser oder Geburtsabteilungen an Kliniken. Welche Lösung favorisieren Sie für den Landkreis Diepholz?

Krehl: Wir sind als Familienpartei an Bethel im Norden herangetreten. Wir würden uns ein hebammengeführtes Geburtshaus vorstellen können – zum Beispiel in Freistatt, weil es relativ zentral liegt. Das müsste in Trägerschaft des Landkreises oder einer Organisation sein, die das finanziell abfedern kann.

Welches Wunsch-Ergebnis haben Sie für die Landtagswahl – und welches ist Ihrer Meinung nach realistisch?

Krehl: Das Wunsch-Ergebnis wäre fünf Prozent, für realistisch halte ich eins-plus.

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