Familie Johanning erweckt den Backsteinbau in Rehden zu neuem Leben

Frischkäse, Quark und Joghurt aus alter Molkerei

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Wenn es ihm die Zeit erlaubt, packt Wolfgang Johanning auf der Baustelle mit an. Rechts von ihm ist der Bereich, in dem die Produktion ablaufen soll - von seinem Standpunkt aus einsehbar.

Rehden - Von Horst Benker. Nahezu 40 Jahre lag sie in einem Dornröschen-schlaf – die alte Molkerei in Rehden. Nun erweckt sie die Familie Johanning zu neuem Leben. Und die Nutzung, die sie anstrebt, kommt der ursprünglichen sehr nahe. Quark, Joghurt und Frischkäse sollen hier zum Beispiel produziert und angeboten werden. Aber auch Rohmilch steht auf der Verkaufsliste.

„Wir wollen uns mit unseren Produkten möglichst breit aufstellen“, verrät Wolfgang Johanning. Noch steht er im Rohbau, doch die Nutzung der einzelnen Räume steht fest. Von der Verkaufsstelle über dem Kellerraum blickt er hinab auf den eigentlichen Produktionsraum, in den die Milch per Tankwagen angeliefert wird. „Von hier oben können Besucher durch Glasfenster Einblick bekommen. Wir streben eine ,gläserne Produktion‘ an“, macht der Landwirt deutlich, dass er auf die regionale Schiene setzt: Aus der Region für die Region. Discounter und Einzelhändler würden verstärkt Abteilungen mit regionalen Produkten ins Sortiment aufnehmen. Auf diese Entwicklung baue er nicht nur, sondern sei auch von ihr überzeugt.

Die Johannings, die seit gut einem Jahr bereits eine Milchtankstelle an der Siebenhäuser Straße in Rehden betreiben, melken 120 Kühe. Derzeit erlösen sie 27 bis 28 Cent pro Liter. „Das ist nicht kostendeckend, da legen wir Geld bei“, sagt der 50-Jährige. „Wir wollen vom Markt mit seinen schwankenden Preisen unabhängiger werden“, begründet er den jetzt getätigten Schritt. Mittelfristiges Ziel sei es, die gesamte eigene Milchmenge zu verarbeiten. Derzeit wären das 3000 Liter pro Tag.

Für Produktion und Verarbeitung soll Fachpersonal eingestellt werden. „Ich kann nicht morgens erst melken, dann mittags Joghurt prodizieren und diesen am Nachmittag auch noch im Verkaufsraum selbst anbieten“, schmunzelt der Milchbauer.

Während des Umbaus packt er aber immer dann mit an, wenn es ihm seine Zeit erlaubt. Bei der derzeitigen Witterung ruht die Getreideernte, will heißen: Einsatz in der Molkerei.

„Wir sind bislang gut vorangekommen“, verweist Johanning auf gute Baufortschritte der heimischen Unternehmen. Bis Jahresende möchte er soweit sein, dass in die Probierphase eingestiegen werden kann. Im ersten Quartal 2016 soll es dann an die Auslieferung gehen.

Dieses Vorhaben sei ihm bereits seit einigen Jahren im Kopf „herumgegeistert“. Vor fünf, sechs Jahren habe er bei der Gemeinde angefragt, ob sie ihm das alte Gebäude an der Nienburger Straße verkaufe. Sein Wunsch sei negativ beschieden worden mit der Begründung, dass Gebäude und Gelände einer anderweitigen Nutzung zugeführt werden sollten. Vor einem Jahr habe ihn dann die Gemeinde gefragt, ob er noch Interesse habe. Er habe zugegriffen, der Preis sei in Ordnung gewesen.

Bis zum Jahr 1977 wurde in der alten Molkerei Milch angeliefert. „Aber noch in Milchkannen, die mit Trecker und Anhänger transportiert wurden. Einen Sammeltankwagen hat sie nie gesehen“, erinnert sich der 50-Jährige. Errichtet wurde der rote Backsteinbau in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts. „Es muss so um 1906 gewesen sein“, vermutet Johanning. Anfang der 1920er-Jahre sei es aufgestockt worden. In dem Bereich werden jetzt Aufenthaltsräume für Personal und Besucher geschaffen mit den entsprechend vorgeschriebenen sanitären Anlagen für beide Gruppen. Die Bausubstanz sei in Ordnung, „sonst hätten wir nicht gekauft“, sagt Wolfgang Johanning.

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