Ergreifender Vortrag von Ludwig Wiegmann beim Klönabend des Heimatvereins

Erst Gänsehaut, dann Beifall

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Friedhelm Hardemann hatte wieder Amüsantes „up Platt“ zu berichten. ·

Lemfoerde - DÜVERSBRUCH · Wenn es die Klönabende des Heimatvereins Samtgemeinde Rehden nicht schon viele Jahre geben würde, müssten sie (neu) erfunden werden. Mit diesen Zusammenkünften, bei denen es ganz vordringlich auch um die Pflege der plattdeutschen Sprache geht, hat der Heimatverein einen Volltreffer gelandet. Die große Teilnahme verdeutlicht das.

Das Programm wird sorgfältig vom Vorstand vorbereitet, wobei stets ein ausgewogener Mix aus Unterhaltung und Information angestrebt wird. Doch solch ein Abend ist auch vor Überraschungen nicht sicher. Wie am Donnerstag im Landgasthaus Nüßmann-Neumeier in Düversbruch.

In seiner Begrüßung hatte stellvertretender Vorsitzender Heiner Kopmann die rund 60 Besucher gebeten, sich mit eigenen, spontanen Vor- und Beiträgen einzubringen.

Ganz bescheiden fragte dann im Laufe des mehr als dreieinhalbstündigen Abends Ludwig Wiegmann an, ob er ein kleines Liedchen vortragen dürfe. Der fast 89-Jährige sang mit erstaunlich frischer Stimme, ganz ergreifend das Lied vom alten Spinnrad.

Erinnerungen wurden bei den vorwiegend älteren Teilnehmern an diesem Klönabend wach. Erinnerungen an lange, einsame und dunkle Winterabende draußen im Bruch, wo sich im fahlen Kerzenlicht in der Küche die ganze Familie um den Herd versammelte, die Kinder oben auf dem Torfkasten saßen und sich das Spinnrad unermüdlich drehte, damit wenigstens die Jungen und Mädchen was Warmes anzuziehen hatten. Erinnerungen wurden wach auch an eine entbehrungsreiche Zeit. Gänsehaut-Feeling pur bei diesem Vortrag von Ludwig Wiegmann.

Für einen Augenblick schien bei diesem Klönabend die Uhr stehen geblieben zu sein, absolute Stille, bevor dann der herzliche Beifall für einen gelungenen, auch nachdenklichen Vortrag aufbrauste. Diese Überraschung war gelungen.

Angesprochen wurden an diesem Abend aber nicht nur die Gefühle. Die Vortragenden hatten es vor allem auf das Zwerchfell der Besucher abgesehen. Und die lachten mal wieder Tränen.

Erstaunlich immer wieder, woher Friedhelm Hardemann seine plattdeutschen Geschichten herholt.

Eine seiner Geschichten – hochaktuell, weil noch vor wenigen Wochen in der Nähe des Bahnhofs in Rehden ein Bohrturm stand – trug die Überschrift „Man bohrt woller na Erdgas un Erdöl“. Betroffene Grundstückseigentümer sollten sich nicht gleich als Ölbarone fühlen. Dieser Traum könne oft schnell zerplatzen. Den Reibach bei erfolgreichen Bohrungen mache nicht der Landwirt oder Bauer, sondern die Kommune. Den Bauern in Oppenwehe, wo ja auch gebohrt wurde, gab Hardemann den guten Rat: „Plant wieter jouen Spargel an und rääket nich dormit, datt de Staat jou wägen dat Ölge un Gas to Milljonären maakt“. Kurz – für Nicht-Plattschnacker: Oppenweher, baut weiter euren Spargel an und rechnet nicht damit, dass euch der Staat wegen Öl und Gas zu Millionären macht.“

Helmut Elver hatte das Büchlein „Menschen unserer Heimat“ mitgebracht, in dem auch amüsante Geschichten vom ehemaligen und bekanntlich sehr volksnahen Landrat und Minister Heinrich Jürgens zu finden sind. Die kleine Begebenheit vom Kind, das nach einem Marktbesuch nötig ein kleines Geschäft zu erledigen hat und dabei das am Hals hängende und für Oma bestimmte Lebkuchenherz aufweicht, hat Jürgens auf vielen Märkten erzählt. Das Herz war also nass geworden. Darauf ihr Papa beschwichtigend zum weinenden Kind: „Oma stippt dat Harte ja sowieso in’n Kaffee…“

Siegried Rathje aus Wagenfeld mit dem Schlagzeug und Irmgard Nüßmann aus Düversbruch mit ihrer „Quetschkommode“, dem Akkordeon, erfreuten die Teilnehmer mit vertrauten Weisen zum Mitsingen und Mitschunkeln.

Zum Schluss erfreute Heiner Kopmann die Besucher mit einer Geschichte aus der Feder von „Heimatdichterin“ Elfriede Wiegmann, der Frau vom erwähnten „Sängerknaben“, in der es um einen Pastor und nicht nur um Alwines „Döpe“ (Taufe) ging.

Der nächste Klönabend ist am 23. Januar 2014 in Hemsloh. · rdu

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