Hobbyfalkner Horst Wilke aus Barver rückt mit seinen Greifvögeln auch Krähen zu Leibe

Eine der ursprünglichsten Arten der Jagd

Andreas Schlüsche (l.), Leiter des Hegerings Hemsloh, informierte sich über die Hobbyfalknerei des Jägers Horst Wilke aus Barver. Der 64-Jährige betreibt die besondere Jagdform mit einem Falkenterzel, einem Junghabicht und einem Habichtsweibchen.
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Andreas Schlüsche (l.), Leiter des Hegerings Hemsloh, informierte sich über die Hobbyfalknerei des Jägers Horst Wilke aus Barver. Der 64-Jährige betreibt die besondere Jagdform mit einem Falkenterzel, einem Junghabicht und einem Habichtsweibchen.

Barver – Krähen sind sehr intelligente Vögel. Aber dort, wo sie sich niederlassen, oft eine Plage. Offenbar wissen die tiefschwarzen Federtiere, dass sie in der Nähe von bewohnten Gebieten relativ sicher sind. Jedenfalls vor der klassischen Bejagung durch die heimische Jägerschaft. Den Weidmännern und -frauen ist gesetzlich untersagt, in Siedlungsnähe ihre Waffen zu benutzen. Gestattet ist nur das wenig wirksame Mittel der Vergrämung. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Krähen-Population zunimmt.

Weil das nicht nur den Jägern ein Dorn im Auge ist, wird immer öfter der 64-jährige Horst Wilke aus Barver gerufen. Er ist im Bereich des Hegerings Hemsloh einer von drei Falknern, die sich unter anderem die Krähen-Bejagung auf die Fahnen geschrieben haben. Wilke ist im Besitz von drei prächtigen Greifvögeln, einem erfahrenen Falkenterzel und zwei Jungtieren, einem dreimonatigen Junghabicht und einem fünfmonatigen Habichtsweib im Rotgefieder.

Der weitab vielbefahrener Straßen in einem Heuerlingshaus im Barveraner Ortsteil Oldewage lebende Hobbyfalkner macht seit vielen Jahren Jagd auf Krähen. „Mit großem Erfolg“, sagt der passionierte Jäger. Weil seine Vögel bei ihren Einsätzen mit einem Sender ausgestattet seien, könne er sie nach einem Fehlflug schnell auffinden, erklärt er in einem Gespräch mit dieser Zeitung. „In den meisten Fällen kehren sie aber zurück“, so Wilke.

Mehr als 50 Jahre ist es inzwischen her, dass der Steppke Horst Wilke vom Jagd-Virus infiziert wurde. Beim Herumstreifen durch die Natur fand er immer wieder Nester mit Jungvögeln. Auch eins mit einem kleinen Mäusebussard, den er zu Hause aufpeppelte. „Da stand für mich fest, dass ich mal Falkner werden würde“, erinnert sich der heute 64-Jährige.

Schon in jungen Jahren Jagdschein erworben

Bereits in jungen Jahren erwarb er seinen Jagdschein und schon wenig später die Qualifikation zur Jagdausübung mit Greifvögeln. An seiner Liebe zur Natur und der heimischen Tierwelt hat sich auch im Alter nichts geändert. Neben einem Hybridfalken und den beiden Habichten gehören aktuell auch zwei lebhafte Jagdhunde der Rasse Magyar Visla zu seinen Wegbegleitern im Revier.

Die Falknerarbeit Wilkes findet viel Beachtung. Gerade hatte er Besuch vom Leiter des Hegerings Hemsloh, Dr. Andreas Schlüsche, der sich ebenfalls stark für das Hobby des in Barver lebenden Weidmannes interessiert. Horst Wilke ist schon viele Jahre Mitglied im Hegering Barnstorf und besitzt auch die Erlaubnis, alle Bereiche des Hegerings Hemsloh zu bejagen – von Diepholz über Wagenfeld bis nach Barver – ebenso wie die beiden anderen Falkner in der Samtgemeinde Rehden, Reinhard Schilling und Bernd Bening.

Schlüsche sieht in den facettenreichen Jagd-Möglichkeiten in der Falknerei eine ganz besondere Kunst, zumal Mensch und Greifvogel großes Vertrauen zueinander haben müssten. Er bezeichnet die Jagdausübung mit einem Beizvogel als eine der ursprünglichsten Arten des Jagdwesens. „Ich bin immer wieder fasziniert vom Zusammenspiel zwischen einem Greifvogel im Freiflug, dem Falkner und seinem Jagdhund“, bekennt der Hegeringleiter.

Das Vertrauen des Greifvogels gewinnen

Wilke, in früheren Jahren Mitglied im Orden Deutscher Falkoniere, betreibt sein Hobby gern mit jungen Tieren. Während der Ausbildung müsse er zunächst das Vertrauen des Greifvogels gewinnen. Das erreiche er durch ständige Nähe, durch ganztägiges Tragen auf seiner behandschuhten Hand über einen längeren Zeitraum. Draußen ebenso wie in der Wohnung. „Getrennt sind wir in der Ausbildungsphase eigentlich nur während der Nachtzeit“, sagt Wilke schmunzelnd. Wichtig sei, dass der Vogel den Lederhandschuh als etwas Positives sehe, betont er. Erst wenn Falke oder Habicht nach einem Freiflug wieder auf seine Hand zurückkehrten, seien sie jagdfertig.

Zuvor müsse der Vogel aber durch entsprechende Fütterung in Kondition gebracht werden und hungrig für und auf die Jagd sein. „Aber auch nicht zu hungrig, dann fehlen Kondition und Kraft.“ Im Übrigen sei jeder Vogel unterschiedlich, auslernen würde er nie.

Bejagt werden dürften übrigens nicht nur Krähen, sondern alles, was das Gesetz hergebe und was der Vogel schaffe. „Natürlich kann ein kleiner Habicht nicht eine große Gans zur Strecke bringen“, nennt er als unrealistisches Beispiel. Sein Falke sei Weitstreckenjäger, seine Habichte seien dagegen eher für die Kurzstreckenjagd geeignet. In der Schwingenbreite glichen sich seine drei Vögel in etwa: „100 bis 110 Zentimeter.“

Ein Greifvogel verirrte sich nach Rügen

Die Gefahr, dass einmal ein Greifvogel nicht wieder von einem Beuteflug zurückkehrt, stuft Wilke heute nur noch als gering ein. Auch wegen der Verwendung eines Senders. In früheren Jahren habe er dagegen schon einmal einen seiner Greifvögel von der Insel Rügen zurückholen müssen. Der beringte Vogel (mit Namen und Telefonnummer Wilkes) sei damals wegen zu hoher Thermik in die falsche Richtung geflogen, erinnert sich der Hobbyfalkner. Wegen seiner regionalen Vernetzung mit Gleichgesinnten sei es für ihn heute kein Problem, an Nachwuchs zu kommen. Einen seiner Vögel habe er beispielsweise aus Schloss Holte, einen anderen aus dem Raum Ibbenbüren erworben.

Mit drei gefiederten Jagdpartnern sieht Wilke sein Kontingent derzeit zwar erfüllt, doch irgendwann in absehbarer Zukunft möchte er gern noch mal mit einem Habichtsadler arbeiten, einem weitaus größeren Greifvogel, „den ich für die Jagd auf Haar- und Federwild einsetzen möchte.“

Von Gerhard Scheland

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