Betroffener Helmut Ahlers berichtet

COPD: Wenn Alltägliches zum Kraftakt wird

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Ein mobiles Sauerstoffgerät (im Vordergrund) könnte es Helmut und Christine Ahrens ermöglichen, gemeinsam an den Rhein zu fahren. Es wäre eine willkommene Abwechslung zum oft belastenden Alltag mit der Krankheit COPD. Kraft gibt Helmut Ahrens neben seiner Frau auch die Malerei. 

Dickel - Von Katharina Schmidt. Eine Treppe ist für Helmut Ahrens an manchen Tagen ein unüberwindbares Hindernis. Der 60-Jährige aus Dickel (Samtgemeinde Rehden) leidet an COPD. Die chronische Lungenkrankheit raubt ihm regelrecht den Atem. Eine Situation, die auch seine Frau Christine belastet. Sie hat jetzt die Gründung der ersten COPD-Selbsthilfegruppe für Betroffene und Angehörige im Landkreis Diepholz in die Wege geleitet.

Helmut Ahrens hat lange im Straßenbau gearbeitet, Tag für Tag Teerdämpfe eingeatmet. Später war er als Lackierer tätig. Ständig schwirrten Farbpartikel in der Luft um ihn herum. Mittlerweile kann er nicht mehr arbeiten – und ist überzeugt, dass die berufsbedingten Belastungen dazu beigetragen haben. Außerdem raucht er.

Von Zeit zu Zeit hat Helmut Ahlers schwere Anfälle von Luftnot, die ihn zwei bis drei Stunden außer Gefecht setzen. Um wieder auf die Beine zu kommen, braucht er ein Sauerstoffgerät. Im vergangenen Jahr erlitt er drei schwere Schübe, in diesem Jahr einen. Wann der Nächste kommt, ist ungewiss.

Ein weiteres Symptom der Krankheit, die auf entzündete und dauerhaft verengte Atemwege zurückgeht, ist Husten. Außerdem raubt COPD Helmut Ahlers die Kraft. Nach dem Aufwachen braucht sein Körper erst einmal Zeit. Wenn er mittags kocht, muss er sich danach ausruhen. Bei der Arbeit in Haus und Garten kann er nur noch eingeschränkt helfen. Eine Erkältung kann ihn wochenlang schwächen. Nachts muss er mit einer speziellen Maske schlafen, da COPD bei ihm eine Schlafapnoe mit sich zieht.

Damit nicht genug: Zwischenzeitlich kämpfte Ahrens mit Depressionen. „Ich hatte keine Aufgabe mehr“, reflektiert der 60-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung diese Phase. Seine Frau, die neben ihm sitzt, erläutert: „Wir haben dir nichts mehr zugetraut – und irgendwann hast du dir auch nichts mehr zugetraut.“ Sie ergänzt; „Es war keine böse Absicht.“

Probleme erkannt und daran gearbeitet

Dem 60-Jährigen geht es mittlerweile besser. Das Paar hat die Probleme erkannt und daran gearbeitet. Helmut Ahrens hilft, wo er kann. Morgens kocht er zum Beispiel für seine Frau Kaffee, damit sie noch ein bisschen länger liegen bleiben kann. Ein Rasenmähertrecker soll ihm in Zukunft erlauben, mehr im Garten zu werkeln. „Wir versuchen uns gegenseitig zu unterstützen“, sagt Christine Ahlers. Ihr Mann hat außerdem angefangen zu malen. Zu seinen liebsten Motiven gehören Sträucher, Gras und Bäume.

Gegen seine Krankheit nimmt der ehemalige Straßenbauarbeiter Medikamente und macht Krankengymnastik. Außerdem behandelt ihn seine Frau mit Methoden, die sie bei ihrer derzeitigen Ausbildung zur Heilerzieherin lernt. „Das hat gut getan“, erinnert sich Helmut Ahrens zum Beispiel an eine Anwendung mit Energiesteinen.

Relativ locker mit der Lungenkrankheit umzugehen und das Beste aus der Situation zu machen, war für die Eheleute ein langer Weg. Seit der Diagnose – ein Arzt hatte Helmut Ahrens damals wegen einer schweren Erkältung geröntgt – sind mehr als zehn Jahre vergangen. „Es fiel mir sehr schwer, die Krankheit anzunehmen“, gesteht Christine Ahrens. Sie habe sie einfach nicht wahrhaben wollen. Durch eine Selbsthilfegruppe erhofft sie sich unter anderem, anderen Menschen zu helfen, COPD zu akzeptieren. „Dazu gehört viel Mut“, weiß sie.

„Betroffene fühlen anders als Angehörige“

Bei guter Resonanz könnte sogar eine separate Gruppe für Angehörige entstehen, sagt sie. Ihre Erfahrung zeigt: „Betroffene fühlen anders als Angehörige.“ Ein Beispiel dafür seien unterschiedliche Arten der Angst.

Wenn ihr Mann keine Luft bekommt, fragt sich Christine Ahrens, wie es ihm geht und ob sie helfen kann – doch die Hilflosigkeit nimmt überhand. Sie hat auch Angst vor der Zukunft. Davor, dass die Krankheit schlimmer wird und ihr Mann stirbt. „Ich frage mich schnell: Was ist das nächste Leiden?“, gibt sie einen Einblick in ihre Gefühlswelt. Schon oft habe sie erlebt, wie Krankheiten Menschen dahingerafft hätten.

All der Schwierigkeiten zum Trotz planen Helmut und Christine Ahlers eine Fahrt an den Rhein. Es wäre der erste gemeinsame größere Ausflug seit Langem. Ein von dem Paar für 5.000 Euro gekauftes mobiles Sauerstoffgerät soll diesen Ausflug ermöglichen.

Erstes Treffen am 9. Mai

Der erste Informationsabend zu der neuen Selbsthilfegruppe rund um die Lungenkrankheit COPD ist am Dienstag, 9. Mai. Betroffene und Angehörige sind ab 18 Uhr in den Räumen des Vereins Igel an der Dr. Rudolf Dunger Straße 1 in Barnstorf willkommen. Das Haus ist barrierefrei. Angestoßen wurde der Abend von Christine Ahrens, die Organisation und Moderatoren übernimmt die Kibis (Kontakt, Information, Beratung im Selbsthilfebereich) Selbsthilfe-Kontaktstelle. Weitere Informationen zum Informations- abend und über die Arbeit der Kibis erhalten Interessierte unter Telefon 05442/80 36 70 oder 80 41 267 und im Internet unter folgendem Link:

www.igel-barnstorf.de

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