Bundestagskandidaten im Porträt

Gerd Breternitz kritisiert erneuerbare Energien sowie das Steuerrecht

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Gerd Breternitz liebt Schäferhunde und handwerkliche Aufgaben. Die Terrasse mit Rundbogenfenster hat der AfD-Bundestagskandidat selbst gemauert.

Dickel - Von Anke Seidel. Freundlich begrüßen die Schäferhunde Lupo und Lina die Besucherin. Die vier stattlichen Gänse sind anders: Zischend picken sie nach deren Aktentasche – und verteidigen ihr Revier: ein idylisches Grundstück mit Bäumen, Bauernhaus, Pferd und Eichhörnchen.

Am Fahnenmast weht die deutsche Flagge. „Das habe ich in Dänemark gelernt“, sagt der AfD-Bundestagskandidat Gerd Breternitz. „In ganz Skandinavien ist das üblich.“ Der 69-jährige pensionierte Studienrat lebt mitten in einer Natur, in der Häuser weit verstreut sind und der Wolf immer wieder von sich Reden macht. Aber er fühlt sich wohl in dieser Weite, in der nur am Horizont einige Windräder zu erkennen sind. 

Fast wie ein Symbol für eines seiner politischen Lieblingsthemen: die Politik der erneuerbaren Energien, die er immer wieder als „Schildbürgerstreich“ anprangert. 5,4 Milliarden Euro hätten Bürger, mittelständische Unternehmen und selbst Sozialhilfeempfänger über Abgaben dafür bezahlt: „Das finde ich höchst ungerecht!“ 

Nur Windkraft-Betreiber profitieren

Verdienen würden nur die Betreiber der Windkraftanlagen. „Wenn sie zu wenig Strom produzieren, muss Energie aus Atomkraftanlagen zugeschaltet werden – ist zu viel Strom da, wird er kostenlos ins Ausland abgegeben. Oder wir bezahlen sogar noch für die Abnahme.“

Breternitz zitiert gern den Nationalökonomen und ehemaligen Präsidenten des Ifo Instituts, Professor Hans-Werner Sinn, mit dem Vorschlag, die Forschung an der Atomkraft mit zweistelligen Milliardenbeträgen weiter zu betreiben. „Es gibt heute schon Reaktoren, die das Risiko minimieren. Bestehender Atommüll kann darin verbrannt und auf ein Drittel reduziert werden“, sagt Breternitz.

Der pensionierte Studienrat (Fächer: Englisch, Deutsch) sieht unabwendbare Gefahren, weil Deutschlands Nachbarländer ja nicht aus der Atomkraft aussteigen. Deshalb sei es „Traumtänzerei“, nur auf erneuerbare Energien setzen zu wollen. „Das muss man in diesem Land doch sagen dürfen“, empört er sich – und fügt hinzu: „Es macht mich rebellisch, wenn Schüler oder andere Parteien mir vorschreiben wollen, was ich zu denken habe. Wir leben doch in einer Demokratie und haben Meinungsfreiheit.“

Seit einem Jahr Parteimitglied

Seit einem Jahr ist Breternitz Mitglied der AfD. Politisch hat der 69-Jährige, der sich selbst zu den Alt-68ern und damit zu den damaligen regime-kritischen Studenten zählt, vieles erprobt: Damals war er Mitglied der SPD, trat aus der Partei aber wegen des Extremisten-Erlasses aus. Der regelte damals den Ausschluss von Mitgliedern radikaler Parteien aus dem öffentlichen Dienst. „Das war wie ein Berufsverbot für DKP-Mitglieder. Das fand ich undemokratisch.“ In der 1980er-Jahren habe er die Grünen gewählt, sagt Breternitz, danach eine Zeitlang die FDP und schließlich die CDU: „Ich hab alles durch.“

Jetzt also die AfD. Hat Breternitz schon mal mit einem Flüchtling gesprochen? „Nein“, antwortet er. „Einer hat uns beim Plakate-Aufhängen fröhlich begrüßt“, fügt er hinzu. Er habe nichts gegen diese Menschen. „Aber wir müssen die Hilfe für diese Leute so steuern, dass sie zu Hause bleiben können.“ Entwicklungshilfe dürfe nicht – wie bisher – in dunklen Kanälen verschwinden. Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort empfindet er als gut angelegtes Geld.

AfD mit Oppositionsfunktion

Die AfD hat für den 69-Jährigen eine wichtige Oppositionsfunktion: „Es gibt unangenehme Wahrheiten, die von den Regierungsparteien nicht erwähnt werden. Die muss man aber aussprechen.“

Zum Beispiel, „dass das deutsche Steuerrecht extrem ungerecht ist“, sagt der AfD-Kandidat – und fordert den Abbau der kalten Progression. Wenn er sich nicht mit Politik beschäftigt, greift Breternitz gern zum Werkzeug. Er hat zum Beispiel eine Terrasse mit Rundbogenfenster gebaut, das Dach erneuert oder Pflasterarbeiten ausgeführt.

Der Vater von drei Kindern und Opa von zwei Enkeln distanziert sich klar von rechtsextremen Strömungen in seiner Partei: „Im dritten Reich wäre ich gegen Hitler gewesen!“

Die Serie:

In unserer Serie „Kandidaten im Porträt“ stellen wir die sechs politischen Bewerber um ein Bundestagsmandat im Wahlkreis Diepholz/Nienburg I vor – in der Reihenfolge der Parteistimmen-Ergebnisse bei den Bundestagswahlen 2013, weil fünf von sechs Kandidaten neu sind. Im ersten Teil stellt sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig vor. Die CDU hatte 2013 in diesem Wahlkreis 37,51 Prozent der Parteistimmen geholt – das war damals der Spitzenplatz.

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6. Gerd Breternitz kritisiert erneuerbare Energien sowie das Steuerrecht

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