VWs ID.3 wird in Rehden geflasht / Genehmigungsverfahren „suboptimal“

BTR erweckt E-Autos zum Leben

In Reihe und Glied: Bis 120 Elektrofahrzeuge werden in der Zelthalle parallel mit Software bespielt.
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In Reihe und Glied: Bis 120 Elektrofahrzeuge werden in der Zelthalle parallel mit Software bespielt.
  • Melanie Russ
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Rehden – Das Rehdener Unternehmen BTR Logistik hat sich mit dem Flashen von Elektrofahrzeugen ein weiteres Standbein geschaffen. Die etwa 5 000 Quadratmeter große Zelthalle, in der die Autos mit Software bespielt werden, bevor sie in den Verkauf gehen können, ist bereits errichtet, die Bauleitverfahren, die ihre Errichtung ermöglichen sollen, wurden allerdings gerade erst gestartet. Auch eine Baugenehmigung liegt nicht vor, wie der Landkreis Diepholz auf Nachfrage mitteilte.

„Entsprechende Sanktionen werden derzeit geprüft. Wenn im Bebauungsplan keine Bebauung vorgesehen ist, darf ohne ein vorausgegangenes Änderungsverfahren nicht mit Baumaßnahmen begonnen werden“, stellt die Behörde klar.

Bruno Boes: Verkettung unglücklicher Umstände

BTR-Geschäftsführer Bruno Boes beschreibt den Umstand, der zum vorzeitigen Bau der Zelthalle geführt hat, als eine Verkettung unglücklicher Umstände. Nachdem die Anfrage von VW gekommen sei, sei zunächst die Errichtung eines sogenannten fliegenden Baus für etwa drei Monate geplant gewesen, erläutert er bei einem Ortstermin. Diesbezüglich habe es schon im Oktober vergangenen Jahres Gespräche mit dem Landkreis gegeben. Eine Baugenehmigung hätte es dafür nicht gebraucht. „Ende Mai sollte der Auftrag eigentlich schon erledigt sein“, so Boes. Doch im VW-Werk in Zwickau sei es zu Verzögerungen bei der Produktion des ID.3 gekommen.

Inzwischen hat Boes einen Bauantrag beim Landkreis gestellt. Weil die Halle an dem gewählten Platz laut Samtgemeindebürgermeister Hartmut Bloch grundsätzlich genehmigungsfähig ist, arbeiten Samtgemeinde und Gemeinde Rehden sowie die Kreisverwaltung nun gemeinsam mit BTR Logistik daran, nachträglich die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Zum einen geht es um die Bauleitplanung, zum anderen um Dinge wie ein Brandschutzkonzept.

Letzteres sei inzwischen erstellt und mit dem Landkreis und dem Gemeindebrandmeister besprochen worden, erklärt Boes. So steht beispielsweise eines der beiden firmeneigenen Tanklöschfahrzeuge – Fassungsvermögen 30 000 Liter Wasser – einsatzbereit neben der Halle.

Bloch: Das ist eine Riesenchance für uns

„Auch wenn das genehmigungstechnisch suboptimal gelaufen ist“, ist der neue Unternehmenszweig nach Einschätzung von Samtgemeindebürgermeister Hartmut Bloch für Rehden eine gute Sache. Angesichts der steigenden Bedeutung von Elektromobilität „wäre es für uns sehr interessant, wenn wir ein Standort werden könnten. Das ist eine Riesenchance für uns“, erklärte Bloch in der Fachausschusssitzung in der vergangenen Woche.

Dass die Planänderungsverfahren von einigen Ratsmitgliedern kritisch gesehen werden, zeigte die Fachausschusssitzung auf Samtgemeindeebene.

Vor der Abstimmung wurde die öffentliche Sitzung auf Antrag der SPD-Fraktion für etwa 30 Minuten unterbrochen, damit die Ausschussmitglieder ohne Zuhörer diskutieren konnten. Anschließend votierten sie in geheimer Abstimmung – auch das auf Antrag der SPD-Fraktion – bei fünf Ja- und zwei Nein-Stimmen dafür, das Änderungsverfahren zu starten. Am Montagabend zog der Fachausschuss auf Gemeindeebene nach. Bei einer Enthaltung votierte er für die Aufstellung eines Bebauungsplans. Als Kompensation für die Flächenversiegelung zahlt Boes nach eigenen Angaben 170 000 Euro in den Pool des Landkreises ein.

Etwa 11 500 E-Autos werden geflasht

Die Investition in den neuen Unternehmenszweig beziffert Bruno Boes mit rund 2,5 Millionen Euro. Und er ist zuversichtlich, dass es eine lohnende ist. „Ich denke, das wird ein riesiger Verkaufsschlager.“ Aktuell wird der ID.3 neben Rehden im VW-Werk in Zwickau sowie in Emden geflasht. Laut Bruno Boes sollen in Rehden voraussichtlich insgesamt 11 500 ID.3 mit Software bespielt werden. Die Zahlen von VW schwankten immer ein wenig. Bei Ausschreibungen für weitere Aufträge werde man sich auch künftig bewerben. „Und wir haben auch schon Anfragen von weiteren Herstellern.“

In der Zelthalle stehen bis zu 120 Elektrofahrzeuge gleichzeitig in langen Reihen nebeneinander. Vor der geöffnetten Motorhaube steht ein Laptop. Das sieht relativ unspektakulär aus, doch auf digitaler Ebene passiert eine ganze Menge. 60 bis 70 Steuergeräte pro Fahrzeug werden mit Software beladen, erläutert der technische Leiter Maurice Staffehl. Anschließend müssen sie lernen, miteinander zu kommunizieren. Ohne sie können die Fahrzeuge zwar ganz langsam fahren, mehr aber auch nicht. Der erste Flash-Vorgang per USB-Stick dauert laut Staffehl etwa sieben Stunden. Anschließend bekommen die Fahrzeuge weitere Informationen per Laptop. Während des Flashvorgangs sind sie laut Boes auch per Glasfaser mit dem VW-Werk verbunden.

Ob das Flashen erfolgreich war, zeigt eine Übersicht auf einem großen Monitor im Zentrum der Halle. Leuchtet eine Fläche rot, muss nachgearbeitet werden. Zum Abschluss folgt die Inbetriebnahme, nach der das Fahrzeug verkaufsfertig ist.

Gearbeitet wird aktuell in drei Schichten mit jeweils 25 Fachkräften und einigen Zuarbeitern. Laut Staffehl wurden bereits gut 1 000 Fahrzeuge geflasht. „Wir liegen aktuell 25 Prozent über dem Soll.“

Parkplatzsituation weiterhin Thema

BTR Logistik ist den vergangenen Jahren kräftig gewachsen und beschäftigt aktuell knapp 200 Mitarbeiter. Mehr Stellplätze in dem überregionalen Verteilzentrum für Fahrzeuge bedeuten aber auch mehr Zulieferverkehr. Zwar betont Geschäftsführer Bruno Boes, dass sein Unternehmen den Transport per Bahn direkt auf das Firmengelände forciere, doch ein Großteil wird nach wie vor per Lkw angeliefert. Weil die Fahrer auf dem Parkplatz der Waldsportstätten auf ihre Abfertigung warten und das aus Sicht von Rat und Verwaltung keine Dauerlösung ist, soll ein firmeneigener Parkplatz her. Bereits Ende 2018 hatte der Samtgemeinderat damit begonnen, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Fläche südlich des BTR-Geländes zu schaffen. Inzwischen hat das Unternehmen auch eine Alternativfläche ins Auge gefasst. „Es wird eine Option überprüft, um die Situation an den Waldsportstätten zu entlasten“, sagt Volkart Konsulke, Assistent des Geschäftsführers. Seit Herbst vergangenen Jahres befinde man sich in Gesprächen mit dem Eigentümer.

Aktuell teilen sich die Gemeinde Rehden und der Landkreis Diepholz die Kosten für die Reinhaltung des Parkplatzes inklusive der Dixi-WCs – auch vor dem Hintergrund der Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest. Gemeindedirektor Hartmut Bloch stellte in der Fachausschusssitzung der Gemeinde Rehden am Montagabend klar, dass weder sie noch der Landkreis darin eine Dauerlösung sehen.

Von Melanie Russ

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