Renovierte Orgel in der Rehdener Kirche „Zum guten Hirten“ vorgeführt

Befreiter Klang für Pfeifen und Flöten

Sie freuten sich über das Ergebnis der Renovierung der Rehdener Orgel: (von links) Orgelbauer Mathias Johannmeier , Organistin Monika Zilke und die Vertreter des Kirchenvorstands der Kirchengemeinde Rehden-Hemsloh (Vorsitzende Stefanie Bunge, Christa Sander und Wilhelm Rohlfs). Foto: Brauns-Böhmermann

Rehden - Von Simone Brauns-böhmermann. „Nehmt bitte noch einmal Platz“, sagte Pastor Dimitri Schweitz nach dem Gottesdienst am Sonntag in der Kirche „Zum guten Hirten“: „Denn es gibt noch etwas zu erleben.“ Gemeint war der Klang der renovierten Rehdener Orgel. Mit Kompressor, Staubsauger und Spülbürste rückte man der Orgel in Rehden in diesem Sommer zu Leibe. Die Pfeifen und Flöten wurden geputzt und poliert, neue Öffnungen gefräst. Acht Minuten dauerte die Demonstration in der Rehdener Kirche.

Monika Zilke trat an die 741 Pfeifen der Orgel und demonstrierte das Ergebnis der langersehnten Renovierung. „Es war fast ein epochaler Zeitraum, den wir auf den neuen Klang warten mussten“, so Schweitz. Es war nach langer Warterei – „Das Projekt Orgelrenovierung ist vor meinem Amtsantritt angestoßen worden“ – gelungen, einen bunten Strauß finanzieller Mittel zu binden, um Orgelbauer Mathias Johannmeier aus Levern das Mandat zur Renovierung zu übertragen. Der Fachmann erklärte den Gottesdienstbesuchern, was sein Team fünf Wochen lang getan hatte: „Die Orgel ist so alt wie die Kirche, Gehäuse und Innenleben stammen von 1875. Die Orgel wurde zuletzt 1974 renoviert.“ Man solle sich vorstellen, das sei gutes Porzellan, dass über 45 Jahre nicht abgewaschen wurde. „Alles klang hier nach Verstopfung“, die Pfeifen und Flöten wären verdreckt gewesen. „Wir haben alles ausgebaut, gereinigt, durchgepustet und gewienert, Verschleißteile wie Leder und Seilzüge ausgetauscht und wieder eingebaut.“ Die Orgel könne jetzt wieder atmen, wäre für mehr „Sound“ präpariert und bereit für „großes musikalisches Kino“, so der Fachmann.

Das erlebten die Kirchgänger im Kleinen mit der Begleitung von Organistin Monika Zilke zu den gesungenen Liedern im Gottesdienst und im Anschluss an die drei Taufen mit einem Extra-Stück. „Festival Toccata“ hieß das prächtige Orgelstück von Percy Eastman Fletcher. „Das hört man sonst höchstens im Dom von Osnabrück oder Minden“, kommentierte Orgelbauer Johannmeier. Nach dem Gottesdienst wollte er natürlich von Organistin Zilke wissen, wie der Unterschied sei. „Wunderbar“, ihr erster Eindruck. „Mit befreitem und sauberem Klang“, freute sie sich.

Wer es wissen wollte, dem erklärte Johannmeier die vorgenommenen Eingriffe an der Orgel: „Wir haben in die Türen, die in das Innere der Orgel führen und in verschlossene Holzabschottungen Schlitze gefräst. Die Orgel quasi geöffnet für mehr Volumen.“ Die Pfeifen der Orgel bestehen aus drei Viertel Metall und einem Viertel Holz. Die neueren Pfeifen bestünden aus rund 75 Prozent Zinnanteil, die historischen hätten mehr Bleianteil. „Die Orgel besitzt auch urtümliche Holzpfeifen“, benennt es Johannmeier.

Ein Blick auf die Klaviatur zeigte, dass auch hier sehr gutes Material verwendet wurde: Sie besteht aus schwarzem Ebenholz und heller Buche. „Sie müssen sich vorstellen: Eine Orgel baut man für die Ewigkeit“, betonte der Fachmann: „Deshalb verwendet man immer nur das beste Material.“ Die Orgel in Rehden sei nach der Renovierung so viel wert wie ein Einfamilienhaus. Er schätzt den Wert auf rund 250 000 Euro. „Ohne das freiwillige Kirchgeld und die Spenden wäre die Renovierung nicht zu Stande gekommen“ ergänzte Kirchenvorstandsvorsitzende Stefanie Bunge. Zur Finanzierung bezog Pastor Schweitz Stellung: „So weit ich weiß, gab es einen Kostenzuschuss von 30 Prozent von der Landeskirche in Hannover, einen Zuschuss vom Kirchenkreis Grafschaft Diepholz und die Summe aus freiwilligem Kirchgeld plus der privaten Spenden ermöglichten letztlich die Renovierung.“ Die betitelte er auf rund 15 000 Euro. Der Klang sei jetzt frisch und sauber. Dennoch prognostizierte Johannmeier: „Wir sehen uns dann spätestens in 20 Jahren wieder.“

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