Tischlermeister Ewald Vetter übergibt Betrieb zum 1. April

Schrittweiser Abschied vom Lebenswerk

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Sie werden auch in den kommenden Jahren noch Seite an Seite arbeiten, doch ab dem 1. April ist Meister Tobias Fenker (links) der neue Chef. Firmengründer Ewald Vetter tritt etwas kürzer.

Barver - Von Melanie Russ. Wenn Ewald Vetter von seiner Tischlerei spricht, dann fällt schon mal das Wort Lebenswerk. Es zeigt, wie sehr dem Barveraner der Betrieb, den er 1988 im Alter von 28 Jahren gründete und Stück für Stück erweiterte, am Herzen liegt. Inzwischen 58-jährig, hat er sich entschlossen, seinen Betrieb in jüngere Hände zu geben. In Tobias Fenker aus Wagenfeld ist er überzeugt, einen würdigen Nachfolger gefunden zu haben. Die Übergabe soll am 30. Jahrestag der Firmengründung, am Ostersonntag, 1. April, erfolgen.

Seinen Weg in die Selbstständigkeit startete der junge Tischlermeister Vetter 1988 als Einzelkämpfer in den ehemals landwirtschaftlichen Gebäuden seiner Eltern mit einer Fläche von mehr als 600 Quadratmetern, die er in Produktions- und Lagerhallen umfunktionierte. 1991 stellte Vetter den ersten Auszubildenden ein, etwas später den ersten Gesellen. Heute arbeiten neben Fenker drei Gesellen und mehrere Teilzeitkräfte im Betrieb.

Besonders wichtig war dem Tischlermeister von Anfang die Ausbildung. Im Laufe der Jahre hat er elf junge Menschen zur Gesellenprüfung begleitet. Einer von ihnen ist Tobias Fenker. Nach seiner Ausbildung verlies der heute 35-Jährige den Betrieb 2001 zunächst. Die Krise in der Bauwirtschaft ließ ihn bei ZF, später bei PTW in Wagenfeld sein Glück suchen. Im Wagenfelder Unternehmen war er nach eigenen Angaben mehrere Jahre als Abteilungsleiter für acht Mitarbeiter verantwortlich. „Da wurde mir bewusst, dass ich Lust an der Vorarbeit habe“, erzählt Fenker.

Aus Spaß wurde Ernst

So reifte der Entschluss, mit dem Ziel der Selbstständigkeit in den Tischlerberuf zurückzukehren. Den Kontakt zu seinem Ausbildungsbetrieb hatte er nie ganz verloren. Neben seinem Hauptberuf fertigte Fenker dort viele Jahre auf 400-Euro-Basis eigenverantwortlich Insekten- und Sonnenschutzfenster, verhandelte mit Kunden und sammelte erste Erfahrungen in der Unternehmensführung. Vor einigen Jahren kehrte er ganz in die Tischlerei zurück.

Zunächst eher scherzhaft sprachen Vetter und Fenker darüber, dass der 35-Jährige den Betrieb übernehmen könnte. Nach und nach wurde aus dem Spaß Ernst, und Fenker absolvierte neben dem Beruf seine Meisterausbildung.

Ob es ihm leicht fallen wird, die Verantwortung aus der Hand zu geben? Vetter überlegt kurz: „Ich will das ja. Außerdem kommt es nicht plötzlich. Wir haben lange darauf hingearbeitet.“ Etwa fünf Jahre, um genau zu sein. „Es ist besser, ich übergebe die Firma jetzt, als wenn ich mit 65 Jahren niemanden finde, der ihn fortführen will“, sagt Vetter, der sich zudem nicht sofort zur Ruhe setzen wird. Zunächst zwei Jahre will er im Betrieb weiterarbeiten und dem neuen Chef mit Rat zur Seite stehen.

„Er hat alles gemacht, was im Dorf anfiel“

Wie hat sich der Tischlerberuf in den vergangenen drei Jahrzehnten verändert? Zum einen habe der Computer eine immer größere Bedeutung bekommen. Und: „Früher waren die Tätigkeiten eines Tischlers weit gefächert. Er hat alles gemacht, was im Dorf anfiel“, erinnert sich der 58-Jährige. „Heute ist das anders. Die meisten Betriebe haben sich auf bestimmte Arbeiten spezialisiert“, weiß Vetter. Er hat diesen Trend ganz bewusst nicht mitgemacht. „Wir sind immer noch breit aufgestellt.“ Zwar kauft auch die Barveraner Tischlerei inzwischen vieles von spezialisierten Unternehmen dazu, beispielsweise Fensterrahmen, doch das Portfolio ist immer noch umfangreich und reicht von Möbeleinzelanfertigungen etwa für Kindergärten über Treppen, Haustüren und Akustikdecken bis hin zum Trockenausbau.

Genau darin sieht der neue Geschäftsführer eine Stärke. Zum einen wüssten es die Kunden zu schätzen, wenn sie für verschiedene Arbeiten nur einen Ansprechpartner hätten. Zum anderen ist Fenker überzeugt, dass der Betrieb durch seine breite Aufstellung auf eine wirtschaftliche Krise flexibler reagieren kann als spezialisierte Unternehmen. Angst vor der Zukunft hat der 35-Jährige darum nicht. Zumal sich Handwerksbetriebe aufgrund des Nachwuchsmangels zurzeit nicht über fehlende Aufträge beklagen könnten. Fenker plant darum, das Personal langfristig etwas aufzustocken. Größere Veränderungen im Betrieb seien nicht vorgesehen.

Schulen in der Verantwortung

Dass sich offenbar immer weniger junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk interessieren, bedauert Fenker, denn aus seiner Sicht ist es ein attraktiver Berufszweig, in dem man sehr kreativ arbeiten kann. Der 35-Jährige sieht hier auch die Schulen in der Verantwortung. Lehrer rieten ihren Schülern von einer Handwerkerausbildung ab und plädierten für ein Studium, beklagt er. Das müsse sich ändern.

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