Gemeinderat wehrt sich gegen Geschäftsstellen-Schließung

Barver bietet Kreissparkasse Beteiligung an Kosten an

Die Barveraner möchten die derzeitige Geschäftsstelle der Sparkasse zumindest als Servicepunkt erhalten wissen. - Foto: Jendrusch

Barver - Ungewöhnlicher Schritt der Gemeinde Barver: Sie ist bereit, sich an den laufenden Kosten für einen Servicepunkt mit einem Geldautomaten und einem Kontoauszugsdrucker in der bestehenden Geschäftsstelle der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz mit 500 Euro monatlich zu beteiligen. Diesen Beschluss fasste der Rat in seiner Sitzung am Montag einstimmig.

Zum Hintergrund: Die Kreissparkasse Grafschaft Diepholz plant bekanntlich, die Geschäftsstelle in Barver zum 31. Dezember 2016 zu schließen. „Brüskiert und verärgert“ sind die Einwohner über diesen Schritt. „Ihr Schweigen in der Öffentlichkeit darf nicht als Zustimmung gewertet werden“, betonte Gemeindedirektor Hartmut Bloch. Er kritisierte unter anderem, dass es in der Samtgemeinde Rehden keine Regionaldirektion der Kreissparkasse gebe, obwohl es sich um eine prosperierende Gemeinde handele. „Bekomme ich in Barver kein Bargeld mehr, gefährde ich das Lebensmittelgeschäft“, so Bloch. 

Insbesondere ältere Bevölkerung benötigt ihre Kreissparkasse

Zudem liege vis a vis der Sparkasse das neue Baugebiet, von dem sich die Gemeinde einiges verspreche, führte er als Gründe gegen die Schließung ins Feld. Insbesondere die ältere Bevölkerung benötige ihre Kreissparkasse vor Ort. Es sei unzumutbar für diese, einen Weg von zehn Kilometern nach Wagenfeld oder Rehden auf sich zu nehmen. Zudem habe die Bevölkerung nicht den Eindruck, dass die freundlichen und kompetenten Mitarbeiter „Däumchendrehen“.

Die Gemeinde fordere gegenüber dem Sparkassenvorstand – auch gerade weil die Sparkasse keine Online-Bank sei und als Anstalt des öffentlichen Rechts „in besonderer Weise dem Gemeinwohl verpflichtet ist“ –, die Entscheidung zur Schließung zu revidieren. Sollte sich der Vorstand hierzu nicht durchringen können, erwarte die Gemeinde Barver, dass zumindest ein Servicepunkt im Ort verbleibe.

„Wir wollen nicht nur fordern, sondern uns beteiligen“, meinte Bloch mit Blick auf die 500 Euro. Die Gemeinde nehme die Versorgung der älteren Generation ernst. „Das Geld ist es uns als Strukturbeitrag wert. Aber Begeisterung ist etwas anderes“, fügte er hinzu.

„Man muss auch mal ungewöhnliche Wege gehen“, meinte Bürgermeister Detlev Osterbrink bezüglich der Kostenbeteiligung zu Lasten des Steuerzahlers. Barver habe eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft und Einkaufsmöglichkeiten, die es zu erhalten gelte.

„Dies ist der richtige Weg, es muss etwas von Seiten der Gemeinde getan werden, auch wenn ich nicht ganz einsehe, dass wir der Kreissparkasse Geld in den Hintern schieben. Wir haben keinen Handlungsspielraum, zwingen aber zum Nachdenken“, betonte Eckhard Meyer.

„Dafür Geld auszugeben, ist im Grunde genommen Wahnsinn“

„Normalerweise sollte man kein Geld in die Hand nehmen, das ist eigentlich traurig. Aber wir bringen meines Erachtens die Sparkasse in Zugzwang. Das ist unsere einzige Chance“, sagte Karl-Heinz Lampe.

„Wir machen damit eine Tür auf. Wir sollten uns das Geld als Option offen halten“, meinte Friedel Duwenhorst. Er sehe nicht ein, Geld in die Hand zu nehmen, stimmte aber letztendlich zu. „Dafür Geld auszugeben, ist im Grunde genommen Wahnsinn“, sagte Dirk Hardemann.

Das Beteiligungsangebot sei im Hinblick auf die Inanspruchnahme von Steuermitteln ein deutliches Zeichen des Gemeinderates zum Erhalt der Lebensqualität in der vitalen Gemeinde Barver einen Beitrag zu leisten. Zur Lebensqualität gehöre zumindest in den nächsten Jahren auch die Versorgung mit Bargeld, unterstrich Hartmut Bloch. „Wenn nichts hilft, sollten Kunden der Kreissparkasse das Institut einfach wechseln“, steuerte Bernd Kramer abschließend bei.

Der Sparkassenvorstand soll über die Entscheidung informiert werden. 

hwb

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