SPD-Ortsverbände informieren sich

Flexibel mobil auf dem Land: Anruf-Sammeltaxis können ÖPNV ergänzen

Der Varreler Ortwin Stieglitz stellte den Teilnehmern des SPD-Info-Abends das Kirchdorfer Modell des Anruf-Sammeltaxis vor.
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Der Varreler Ortwin Stieglitz stellte den Teilnehmern des SPD-Info-Abends das Kirchdorfer Modell des Anruf-Sammeltaxis vor.

Das Kircherdorfer Modell eines Anruf-Sammeltaxis war Thema eines Infoabends der SPD-Ortsverbände Rehden, Lemförde, Wagenfeld und Diepholz. Ihr Urteil: eine gute Ergänzung des ÖPNV.

Barver – Öffentlicher Personennahverkehr und ländlicher Raum – das ist bekanntermaßen eine schwierige Beziehung. Buslinien müssten eigentlich enger getaktet sein, damit Einwohner ohne Auto flexibler zu Terminen kommen oder sich mit Freunden treffen können. Doch wenn die Zahl der Fahrgäste gering ist, ist das kaum finanzierbar. Eine gute Ergänzung der Buslinien kann ein Anruf-Sammeltaxi sein. Die Samtgemeinde Kirchdorf hat es 2012 eingeführt, und laut Ortwin Stieglitz hat es sich bewährt. Die Zahl der Nutzer sei von Jahr zu Jahr gestiegen.

Der SPD-Kreistagsabgeordnete aus Varrel stellte das Kirchdorfer Modell im Rahmen eines Info-Abends der SPD-Ortsverbände Lemförde, Rehden, Wagenfeld und Diepholz im Dorfgemeinschaftshaus in Barver vor und erläuterte, warum sich die Samtgemeinde für dieses Angebot entschieden hatte, das inzwischen auch die Samtgemeinden Schwaförden und Uchte übernommen haben.

Bürgerbus keine Alternative für Ergänzung des ÖPNV

Ausgangspunkt sei die Situation gewesen, dass der ÖPNV in der großflächigen Samtgemeinde Kirchdorf im Wesentlichen aus den Schulbuslinien bestand. „Dazwischen war luftleerer Raum“, so Stieglitz. Eine Umfrage habe ergeben, dass der Bedarf für ein breiteres Angebot durchaus da war. Also stellte sich die Frage, wie er gedeckt werden kann. „Ein Bürgerbus kam nicht infrage“, sagte Stieglitz. Unter anderem, weil es dafür verlässlich ehrenamtliche Fahrer bräuchte. In Zentren wie Vechta oder Weyhe sei das kein Problem, in dieser Region schon.

Das Konzept des Anruf-Sammeltaxis ist denkbar einfach: Eine Stunde vor Fahrtantritt wird das Taxi telefonisch zu einer der offiziellen Haltestellen bestellt. In der Samtgemeinde Kirchdorf sind es etwa 80. Von dort wird der Kunde zum Wunschziel gebracht. Das Taxi-Unternehmen bucht die Fahrt ganz normal ab, der Kunde zahlt aber pauschal nur vier Euro. Die Differenz übernimmt die Samtgemeinde. Der Begriff Sammeltaxi ist für das Kirchdorfer Modell etwas irreführend, denn in der Regel handelt es sich um Einzelfahrten. Die Kunden müssen also nicht warten, bis sich mehrere Fahrgäste für eine Fahrt gefunden haben.

Ganz billig ist das Angebot für die Kommunen unter Umständen nicht, denn je mehr es nutzen, desto höher ist der Zuschussbedarf. Es hat andererseits aber auch den Charme, dass nicht viel Geld für etwas ausgegeben wird, das dann nicht ausreichend genutzt wird. Die Samtgemeinde Kirchdorf habe 2019 rund 45000 Euro gezahlt, berichtete Stieglitz. „Uns in der Samtgemeinde ist es das wert. Das Geld ist gut angelegt.“

Mit Anruf-Sammeltaxi Einwohner und Kaufkraft im Ort halten

Die Kunden des Anruf-Sammeltaxis in Kirchdorf kommen aus allen Bevölkerungsgruppen. Senioren, die kein Auto haben und niemanden, der sie fahren kann, nutzen es. Eltern, die ihre Kinder früher zu deren Freunden in der Nachbargemeinde gefahren hätten, könnten sie heute mit den Anruf-Sammeltaxis bringen lassen, nennt Stieglitz ein weiteres Beispiel.

Auf ein Sponsern von Fahrten über die Grenzen der Samtgemeinde hinaus, etwa direkt nach Sulingen, haben Politik und Verwaltung laut Ortwin Stieglitz bewusst verzichtet. Denn Ziel war es auch, die Kaufkraft in der Samtgemeinde zu halten und damit die eigene Infrastruktur vom Einzelhandel bis hin zu Ärzten zu stärken.

Außerdem verzögert sich laut Stieglitz gerade bei Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Abwanderung in die Mittelzentren Sulingen und Diepholz, in denen die Wege kürzer sind, wenn sie in ihrem eigenen Ort dank des Anruf-Sammeltaxis mobiler sind.

„Es war der richtige Weg“, sagte der Kreistagsabgeordnete zum Kirchdorfer Modell, das nach seiner Einschätzung auf für andere Kommunen der Region passen könnte – nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass der Landkreis Diepholz eine Förderung zur Verbesserung des ÖPNV in den Kommunen aufgelegt hat. Sie können 50 Prozent ihrer nicht förderfähigen Kosten (maximal 50000 Euro jährlich) vom Landkreis erstattet bekommen, wenn sie zusätzliche Angebote schaffen. Darüber hinaus gewähre der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) in der Regel eine Anschubfinanzierung in Höhe von 20000 Euro, so Stieglitz.

Rehdener SPD plant zeitnahen Antrag für Anruf-Sammeltaxi

Die Rehdener SPD möchte laut ihrem Ortsverband-Vorsitzenden Manfred Koch noch in dieser Wahlperiode einen Antrag zur Einführung eines Anruf-Sammeltaxi-Modells in der Samtgemeinde stellen. Das Kirchdorfer Modell ist nach seiner Einschätzung für die Region die beste Lösung.

Die SPD in der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ habe schon vor Jahren für einen Bürgerbus geworben, berichtete der Ortsverbands-Vorsitzende Heiner Richmann. „Das wäre für die Bürger und die Touristen optimal, aber leider können wir es stemmen.“ Die Samtgemeinde bemüht sich derzeit um eine Erweiterung der Buslinie 129, die von Brockum über Lemförde bis Diepholz fährt. Sie soll künftig stündlich fahren und auch den Marissa-Ferienpark in Lembruch ansteuern. Hat ein dafür bereits gestellter Förderantrag Erfolg, wären die Mittel vom Landkreis vermutlich dafür gebunden. „Das wäre schon eine erhebliche Verbesserung“, sagte Richmann. Aber die Individualität eines Anruf-Sammeltaxis biete es nicht.

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