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Anne Novak startet Spendenaufruf und ist von Unterstützung der Menschen überwältigt

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Von: Anja Schubert

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Lebensqualität trotz Handicap: Fieni genießt die Spaziergänge mit ihrer Besitzerin Anne Novak.
Lebensqualität trotz Handicap: Fieni genießt die Spaziergänge mit ihrer Besitzerin Anne Novak. © Novak

Tierschützerin Anne Novak vom Tierschutzhof Dickel hat unzähligen Tieren geholfen. Nun braucht sie selbst Hilfe für die Operation ihres Pferdes „Fieni“.

Dickel – Von Kindesbeinen an schlägt das Herz von Anne Novak für den Tierschutz. Seit acht Jahren Mitarbeiterin im Team des Tierschutzhofes Dickel, hat sie unzähligen Tieren in Not geholfen, und auch privat strandet der ein oder andere besondere Tierschutzfall bei ihr.

Doch jetzt brauchte Anne Novak selbst Hilfe, um ihrer Schwarzwälder-Mix-Stute „Fieni“ eine Augenoperation zu finanzieren, damit diese endlich schmerzfrei wird. Angesichts der hohen OP-Kosten, die sie alleine nicht stemmen konnte, eröffnete sie erst am Samstag über die Online-Fundraising-Plattform www.gofundme.com eine Spendenaktion. Auch Flyer, die mit Unterstützung ihrer Kollegen vom Tierschutzhof Dickel durch die sozialen Medien gingen, machten auf die Notlage und die Dringlichkeit der Operation aufmerksam.

Hilfsbereitschaft der Menschen ist auch in schweren Pandemiezeiten unglaublich

„Ich bin noch völlig sprachlos und geplättet, das hatte ich nicht erwartet“, zeigte sich Anne Novak gestern Nachmittag fassungslos vor Glück und den Tränen nah. Zahlreiche liebe Menschen hatten sie bereits unterstützt. Die erforderliche Summe von rund 3 000 Euro war in kürzester Zeit zusammengekommen. „Die Hilfsbereitschaft der Menschen auch in der schwierigen Pandemiezeit ist einfach unglaublich.“

„Die Operation ist die einzige Möglichkeit, Fieni ihre Schmerzen zu nehmen und ihr ihre Lebensqualität wiederzugeben“, erzählt Anne Novak Fienis Geschichte. Denn wer die Pferdenärrin fröhlich und ausgelassen mit ihrer Stute kalbern sieht, ahnt auf den ersten Blick nicht, dass die Stute blind ist, geschweige denn große Schmerzen hat, die in immer kürzer werdenden Schüben auftreten.

Auch ein von Geburt an blindes Pferd genießt Lebensqualität

„Fieni ist aufgrund eines Gendefekts bereits blind zur Welt gekommen. Zu uns kam Fieni, als sie etwa anderthalb Jahre alt war“, sagt Anne. Ein Abgabetier. „Die damaligen Besitzer hatten von ihrer Blindheit nichts bemerkt oder nur nichts erzählt. Erst durch ihre Orientierungslosigkeit in der neuen Umgebung haben wir gemerkt, dass da was nicht stimmt.“ Die Diagnose war jedoch schnell gestellt. „Aufgrund dessen, dass sie sich in ihrem alten Zuhause zurechtfand, haben wir gehofft, dass dies auch bei uns nach einer gewissen Zeit eintrifft.“ Ein Wunsch, der in Erfüllung ging, denn Fieni kommt auf der Weide von Anne Novak gut zurecht. „Sie kann in keine große Herde, aber so ein oder zwei Pferdekumpels sind okay. Obwohl sie mein Pferd ist, war sie von Anfang an so etwas wie ein ganz besonderer Tierschutzfall“, schmunzelt Anne Novak. „Denn ich bekam von vielen Seiten Unterstützung und Fachwissen im Umgang mit einem blinden Pferd.“

Anne Novak kann ihr Glück kaum fassen, dass ihrem Pferd Fieni nun endlich geholfen werden kann.
Anne Novak kann ihr Glück kaum fassen, dass ihrem Pferd Fieni nun endlich geholfen werden kann. © Novak

Durch Fienis Blindheit sei Reiten nie eine Option gewesen. „Doch das war auch gar nicht der Anspruch. Wir wollten ihr ein Zuhause geben, in dem sie bis zum Schluss geliebt wird und ein glückliches, freies Leben führen kann.“

Doch beide Augen bereiten der Stute immer wieder Probleme. „Fieni leidet an einer periodischen Augenentzündung, die ihre Augen mittlerweile stark geschädigt hat“, sagt Anne Novak. „Die Entzündung ist extrem schmerzhaft und nicht heilbar. Sie verläuft in Schüben, deren Abstände in letzter Zeit immer kürzer wurden.“

Geschädigte Augen bereiten starke Schmerzen, Operation ist unumgänglich

Eine Euthanasie habe zunächst nicht ausgeschlossen werden könne. „Wir sind seit Langem damit in Behandlung, und die Fachärzte in der Tierklinik sind sich sicher, dass Fieni mit einer Augenoperation, bei der beide Augen entfernt werden, ihre Lebensqualität zurückerhält.“

Eine periodische Augenentzündung hat Fienis Augen stark geschädigt und verursacht große Schmerzen.
Eine periodische Augenentzündung hat Fienis Augen stark geschädigt und verursacht große Schmerzen. © Novak

Die Operationskosten von rund 3000 Euro sind eine Menge Holz für die gelernte Tierpflegerin, die wann immer es geht, auch außerhalb ihrer Dienstzeit für Tiere da ist, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. „Tierpflegerin ist für mich nicht nur ein Beruf, sondern Berufung.“ Immer wieder finden Schützlinge mit besonderem Betreuungsbedarf vorübergehend auch bei ihr zu Hause Unterschlupf. Auch Pferd Fieni wohnte zwei Jahre lang auf dem Schutzhof und eroberte die Herzen des ganzen Teams. „Es waren auch sehr viele Menschen, die Fieni kennen und ihren bisherigen Lebensweg begleitet haben, die jetzt gespendet haben“, sagt Anne Novak. „Ihnen allen bin ich in Fienis Namen unendlich dankbar.“

„Es brach uns allen fast das Herz, zu sehen, wie Fieni ihre Augen vor Schmerzen ständig zusammenkneift und den Schmerz doch nicht lindern kann“, sagt Anne Novak mit einem liebevollen Blick auf ihr Herzenstier. „Darum möchte ich die OP auch nicht mehr auf die lange Bank schieben.“ Bereits in der kommenden Woche ist nun ein Termin in der Pferdeklinik Lüsche in Bakum reserviert.

„Mit ihren 13 Jahren ist Fieni für einen Schwarzwälder Mix noch recht jung und hat eine Lebenserwartung von 20 bis 25 Jahren“, weiß Anne Novak. „Da hat sie es verdient, noch viele schöne Jahre zu haben und nicht jetzt einfach in der Wurst zu landen. Doch alleine hätte ich das nie geschafft.“

In ihrer Verzweiflung, der jetzt Erleichterung folgte, denkt Anne Novak aber auch schon wieder an andere Tiere in Not. „Wer gerne trotzdem noch spenden möchte, obwohl der OP-Betrag für Fieni zusammengekommen ist, kann dies gerne tun. Mit diesem Geld würde ich dann dem Verein ,Hilfe für alte Pferde’ in Eydelstedt unter die Arme greifen.“ Mit diesem steht sie auch über den Tierschutzhof Dickel beruflich immer wieder in Kontakt.

Spenden: Anne Novak, IBAN: DE97 1007 7777 0156 8971 00

Von Anja Schubert

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