Hitzige Diskussionen in konstituierender Sitzung

Andre Rempe bleibt Bürgermeister von Wetschen

Der Gemeinderat Wetschen hat seine Arbeit aufgenommen und dabei gleich sehr emotional diskutiert.
+
Der Gemeinderat Wetschen hat seine Arbeit aufgenommen und dabei gleich sehr emotional diskutiert.

Wetschen – Die Wellen schlugen hoch in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats Wetschen. Es wurde zum Teil sehr emotional diskutiert. Streitpunkte gab es mehrere: die Wahl des Bürgermeisters und zwei Anträge der Gruppe SPD/Grüne zur Wiederaufnahme von Gratulantenbesuchen und zur Anpflanzung von Hecken seitens der Gemeinde.

Der Gemeinderat besteht nach dem Einzug der Freien Wählergruppe Wetschen (FWW) und der Grünen mit je einem Sitz aus vier Parteien beziehungsweise Gruppen. Die Wählergemeinschaft Wetschen (WGW) hat alleine zwar keine Mehrheit mehr, verfügt durch den Zusammenschluss mit Dirk Beckers (FWW) aber trotzdem über eine Stimme mehr als die SPD und der Grüne Matthias Jansen, die sich ebenfalls zu einer Gruppe zusammengetan haben.

Bürgermeisterwahl: Andre Rempe gewinnt gegen Ralf Höfelmann

Dieses Stimmenverhältnis spiegelte sich auch bei der Wahl des Bürgermeisters wider, die Amtsinhaber Andre Rempe (WGW) mit sechs zu fünf Stimmen gegen Ralf Höfelmann (SPD) gewann. Klaus Abeling, Fraktionsvorsitzender der WGW/FWW, hatte Rempe vorgeschlagen. Er habe die Aufgaben des Bürgermeisters zur Zufriedenheit aller erfüllt und das Amt geradezu gelebt, argumentierte Abeling. Dirk Wehrbein, Gruppensprecher von SPD/Grüne, hatte Ralf Höfelmann nominiert. Er sei tief im Ort verwurzelt, zeige auch außerhalb des Rates in der Gemeinde immer Präsenz und habe zudem bei der Kommunalwahl erneut mit Abstand die meisten Stimmen auf seine Person vereinigt. Höfelmann hatte 481 Stimmen erhalten, Rempe 302 Stimmen. Wehrbein verstand das als Auftrag der Einwohner, Höfelmann zum Bürgermeister zu wählen. Abeling verwies dagegen auf die Mehrheit der WGW/FWW im Rat, in dessen Zuständigkeit die Wahl des Bürgermeisters fällt.

Ralf Höfelmann zeigte sich nach der Abstimmung tief enttäuscht. „Das ist bitter, weil es nicht den Bürgerwillen widerspiegelt.“ Kritisch bewertete er die Rolle von Dirk Beckers, der der WGW zur Mehrheit verhilft. Mit diesem Zusammenschluss hatte er allerdings nicht anders gehandelt als der Grüne Matthias Jansen und die SPD. Höfelmann nahm Beckers in die Pflicht, die Ziele der FWW auch umzusetzen. „Ich werde genau darauf schauen.“ Für sich selbst versprach er, dass seine Arbeit in den nächsten fünf Jahren noch besser werden wird. Andre Rempe fasste sich in seinen Dankesworten kurz. „Ich hoffe, dass wir gut zusammenarbeiten zum Wohle der Gemeinde Wetschen.“

Einigkeit herrschte bei der Wahl von Ralf Höfelmann und Dirk Beckers zu gleichberechtigten stellvertretenden Bürgermeistern sowie bei der Wahl von Samtgemeindebürgermeister Magnus Kiene zum Gemeindedirektor und Ralf Lammers zu seinem Stellvertreter.

SPD/Grüne wollen Geburtstagsbesuche wieder einführen

Bei der Frage, ob der Gemeinderat die Gratulantenbesuche bei besonderen Jubiläen wie Hochzeitstagen oder Geburtstagen ab 80 Jahre wieder einführen soll, ging es dann erneut hoch her. SPD/Grüne begründeten ihren Antrag damit, dass viele zu Ehrende diese Tradition seit ihrer Abschaffung 2018 vermisst hätten. Die Gratulantenbesuche seien ein Zeichen der Wertschätzung seitens der Gemeinde für eine Generation, die Deutschland aufgebaut habe, sagte Matthias Jansen. „Zahlreiche Nachfragen haben gezeigt, dass sehr wohl Interesse und auch Enttäuschung diesbezüglich bei den zu Ehrenden bestand“, heißt es im Antrag. Bürgermeister Andre Rempe hat nach eigener Aussage andere Erfahrungen gemacht. Bei ihm habe sich niemand beschwert.

Klaus Abeling argumentierte für die Wählergemeinschaft, dass immer mehr Menschen über 80 Jahre alt würden und dieser Geburtstag darum nicht mehr so außergewöhnlich sei wie in der Vergangenheit. Für den ehrenamtlichen Bürgermeister seien die vielen Besuche zeitlich nicht machbar. Wie die Verwaltung auf Nachfrage mitteilte, stehen in Wetschen bis 2023 im Schnitt 15 80. Geburtstage pro Jahr an. „Wir haben unsere Entscheidung nicht bereut. Die Wählergemeinschaft steht zum damalige Beschluss“, erklärte Abeling, betonte aber zugleich, dass das nicht als Abwertung der Jubiläen gemeint sei. Für die Wählergemeinschaft schlug er vor, künftig Glückwunschkarten seitens der Gemeinde zu verschicken.

„Ich halte das nicht für richtig“, entgegnete ein aufgebrachter Ralf Höfelmann den Ausführungen Abelings. Nach seiner Erfahrung fehlten den Menschen diese Besuche, die für ihn ein wichtiges Zeichen der Bürgernähe und der Wertschätzung sind. Aus seiner Sicht ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sich der Bürgermeister und die Ratsmitglieder die Zeit für diese Besuche nehmen.

Wilhelm Dückering (WGW) bat um Verständnis für Rempe. Er selbst habe sich als Landwirt immer Zeit freischaufeln können und sei auch immer für diese Besuche gewesen, auch Höfelmann habe sich immer freigenommen. „Das muss man ihm hoch anrechnen.“ Aber Andre Rempe arbeite weiter weg in Ströhen und müsse für andere Aufgaben des Bürgermeisters ohnehin schon oft freinehmen. Höfelmann ließ das nicht gelten. „Wenn ich Bürgermeister von Wetschen werde, muss ich mir das einrichten, sonst kann ich es nicht machen.“ Der Antrag von SPD/Grüne wurde mit sechs zu fünf Stimmen abgelehnt.

Heckenanpflanzungen: SPD/Grüne und Wählergemeinschaft/FWW einigen sich auf Vertagung

Eine zunächst erregte Diskussion gab es auch zum zweiten Antrag von SPD/Grüne, obwohl sich eigentlich alle in dem Grundsatz einig waren, dass man in Wetschen mehr für den Umweltschutz tun müsse. Die Gruppe beantragt, der Gemeinderat möge anstreben, ab 2022 mindestens 500 Meter Hecke aus heimischen Gehölzen pro Jahr anzupflanzen, und sich verpflichten, Haushaltsmittel für mindestens 3000 Meter Hecke pro Wahlperiode einzuplanen. Sie sollen Tieren an Ackerrändern als Lebensraum und zugleich als Winschutz dienen. Als erste konkrete Maßnahme schlägt die Gruppe eine Anpflanzung an der Sankt-Hülfer-Straße gegenüber dem neuen Baugebiet vor. Zwar werde auf privater Ebene schon viel gemacht, aus Sicht von SPD/Grüne muss aber auch die Gemeinde selbst etwas tun, erläuterte Gruppensprecher Dirk Wehrbein.

Klaus Abeling betonte, dass auch der WGW Natur- und Umweltschutz wichtig sei, in dem Antrag fehlte ihm aber eine ausführliche Begründung. Zudem müsse erst geprüft werden, ob an der Sankt-Hülfer-Straße überhaupt eine Heckenanpflanzung möglich sei. Für die Wählergemeinschaft stehe eher die Aufwertung kleiner Waldflächen im Fokus, die auch einen Mehrwert für die Einwohner hätte. Oder die Bestellung von Saatgut für landwirtschaftliche Flächen.

„Ich finde euren Vorschlag super“, erklärte Dirk Beckers zum Antrag. „Aber wir sollten jedes Jahr neu betrachten.“ Auch Carsten Remmert (WGW) plädierte dafür, nicht schon jetzt konkrete Vorgaben für die gesamte Wahlperiode zu machen. „Wir sind nicht generell gegen euren Vorschlag. Matthias Jansen (Grüne) fand den Vorschlag von Beckers „nicht verkehrt“, mann müsse aber auch langfristige Ziele formulieren.

Auf Vorschlag von Wilhelm Dückering, der daran erinnerte, dass derartige Dinge üblicherweise zuerst im Fachausschuss beraten werden, wurde der Antrag einstimmig an den Bau-, Wege-, Planungs- und Umweltausschuss überwiesen.

Ausgeschiedene Mitglieder verabschiedet

Zum Abschluss wurde es dann wieder versöhnlich, als Andre Rempe die beiden ausgeschiedenen Ratsmitglieder Ursula Lipinski-Lange und Rainer Bussmann verabschiedete. Lipinski-Lange war 2016 in den Gemeinderat gewählt worden und Mitglied des Bauausschusses. Sie habe einige Maßnahmen wie die Baugebiete mit begleitet. „Für deine ehrenamtliche Tätigkeit darf ich dir Dank aussprechen und dir alles Gute wünschen“, so Rempe. Lipinski-Lange dankte für das Vertrauen der Bürger. „Ein bisschen was habe ich hier bewegt. Es war eine angenehme Zeit.“

Rainer Bussmann blickt auf 15 Jahre im Rat zurück, war ebenfalls Mitglied des Bauausschusses und zuletzt stellvertretender Bürgermeister gewesen. Er habe den Wohnungsbau und die gewerbliche Entwicklung immer unterstützt und seine kaufmännische Erfahrung in die Ratsarbeit eingebracht. „Für diese Zeit möchte ich dir im Namen des Rates Wetschen herzlich danken und dir alles Gute wünschen für die Zukunft.“ Bussmann gab den Dank zurück. Er habe super gerne im Rat mitgearbeitet. Es habe sehr viel Spaß gemacht. „Ich wünsche euch bei all euren Entscheidungen ein sicheres Händchen“, gab er dem neuen Rat mit auf den Weg.

Gemeinderat Wetschen

Wählergemeinschaft Wetschen / Freie Wählergruppe Wetschen: Andre Rempe, Klaus Abeling (Fraktionsvorsitzender), Carsten Remmert, Rainer Kröger, Wilhelm Dückering; Dirk Beckers

SPD / Die Grünen in Wetschen: Ralf Höfelmann, Dirk Wehrbein (Gruppensprecher), Andreas Langhorst, Manfred Koch; Matthias Jansen

Verwaltungsausschuss: Andre Rempe, Ralf Höfelmann, Dirk Beckers

Bau-, Wege-, Planungs- und Umweltausschuss: Wilhelm Dückering (Vorsitzender), Carsten Remmert, Rainer Kröger, Matthias Jansen, Manfred Koch

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Bruchhausen-Vilsen plant voller Zuversicht das Kreiszeltlager der Jugendfeuerwehren

Bruchhausen-Vilsen plant voller Zuversicht das Kreiszeltlager der Jugendfeuerwehren

Bruchhausen-Vilsen plant voller Zuversicht das Kreiszeltlager der Jugendfeuerwehren
Einbruch: 90-Jährige schläft während der Tat vor dem Fernseher

Einbruch: 90-Jährige schläft während der Tat vor dem Fernseher

Einbruch: 90-Jährige schläft während der Tat vor dem Fernseher
Infiziert, aber negativ getestet: Wie sicher sind Testzentren?

Infiziert, aber negativ getestet: Wie sicher sind Testzentren?

Infiziert, aber negativ getestet: Wie sicher sind Testzentren?
Schützenkönig: „Ohne Tanz trete ich nicht ab“

Schützenkönig: „Ohne Tanz trete ich nicht ab“

Schützenkönig: „Ohne Tanz trete ich nicht ab“

Kommentare