„Notfelle“ brauchen Hilfe

Dickel: Behandlungskosten in Pandemiezeiten belasten Tierschutzhof

Die Kreuzband-Operation an beiden Hinterläufen ist für die Oldenglish Buldoggen-Hündin Peaches unumgänglich. Auszubildende Katrin Curth hofft wie das ganze Team, dass mit dem dritten und letzten Flohmarkt am morgigen Samstag die sich aufsummierenden Medizin- und Behandlungskosten in den Griff kriegen lassen.
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Die Kreuzband-Operation an beiden Hinterläufen ist für die Oldenglish Buldoggen-Hündin Peaches unumgänglich. Auszubildende Katrin Curth hofft wie das ganze Team, dass mit dem dritten und letzten Flohmarkt am morgigen Samstag die sich aufsummierenden Medizin- und Behandlungskosten in den Griff kriegen lassen.

Dickel – Schon seit einiger Zeit lebt Peaches als Abgabehund in der Obhut des Tierschutzhofes Dickel. Wer das lebendige Powerpaket erlebt, ahnt nicht, dass es nur durch Schmerzmittel ungebremst herumtollen kann und auch nicht, dass die zwei Jahre alten Oldenglish Buldoggen-Hündin eine Operation an den Kreuzbändern beider Hinterläufe bevorsteht. Mit rund 4 000 Euro ein kostenintensives Unterfangen und gerade in Coronazeiten für den Tierschutzhof eine besondere finanzielle Belastung. Denn außer Peaches benötigen noch zahlreiche weitere Tiere, die in den letzten Wochen auf dem Tierschutzhof gestrandet sind, medikamentöse Versorgung oder eine medizinische Behandlung.

„Eine Beinamputation bei einem jungen Kätzchen, erhöhte Tierarzt- und Medikamentenkosten bei alten und chronisch kranken Tieren, das summiert sich auf“, erzählt Katrin Curth, Auszubildende im dritten Lehrjahr. Erst vergangene Woche wurde ein Hund „einfach so“ tagsüber am Zaun der Hofanlage angebunden und ausgesetzt. „Das hab ich in meiner ganzen Zeit hier noch nicht erlebt“, so die Auszubildende, die sich bereits seit sieben Jahren auf dem Tierschutzhof engagiert. Auch dieser Hund braucht aufgrund einer Hauterkrankung medizinische Behandlung.

Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? „In den letzten Wochen haben uns mehrere dieser Fälle erreicht, was uns vor einer großen Hürde stellte. Da mussten wir alle erst einmal die Luft anhalten. Denn wir waren ein wenig ratlos, wie wir soviel Geld zusammenkriegen sollten“, sagt Tierheimleiterin Sonja Benke. „Erst recht, da wir so ein kleines Tierheim sind. Denn auch in der Corona-Zeit nehmen wir natürlich viele Tiere auf, die auf unsere Hilfe angewiesen sind.“ Manchmal seien die Schützlinge so vom Leben gezeichnet, dass sie eine intensive medizinische Versorgung und sogar aufwendige Operationen benötigten – wie beispielsweise Peaches.

Flohmarkt soll helfen

„Ein spontaner Flohmarkt erschien uns als erster Lichtblick für den finanziellen Engpass, der durch die akuten Notfälle auf dem Tierschutzhof entstanden ist“, erläutert die Tierheimleiterin weiter. Denn der „Tag der offenen Tür“, der „Dog Day“ und weitere beliebte Besucherveranstaltungen mussten wegen der Pandemie in diesem Jahr ausfallen. „So entfällt auch eine große Menge an Spendeneinnahmen. Eine verzwickte und nervenaufreibende Situation für uns alle“, gibt Benke zu. „Doch wir sind der Meinung, jedes Tier verdient die Chance auf ein bestmögliches Leben und das schließt auch die medizinische Versorgung ein.“

Also wurden, nachdem weitere Lockerungen eine Öffnung für die „Laufkundschaft“ in der vergangenen Woche wieder erlaubten, kurzfristig alle Hebel in Bewegung gesetzt und eine Lösung gefunden: Ein Flohmarkt zugunsten der Tiere, die dringend eine medizinische Behandlung oder Operation brauchen.

Betreiber auf der Suche nach Finanzspritzen

„Die Organisation binnen weniger Tage hat viel von uns abverlangt. Wir hatten nicht mal Zeit, die Veranstaltung groß zu bewerben“, bedauert Sonja Benke. Sorgen, ob viele Menschen im Zuge der Lockerungen auf den Schutzhof zurückkehren und ob der finanzielle Erlös voranschaffen würde, seien ständige Begleiter gewesen.

„Doch am Ende des Wochenendes waren wir regelrecht sprachlos über den Zuspruch und die Hilfen. So viele tierliebe Menschen haben uns gezeigt, dass sich Schweiß und Mühen gelohnt haben. Dafür sind wir und unsere ,Notfellchen‘ unendlich dankbar. Wir sind nur noch einen kleinen Schritt davon entfernt, die komplette Summe abdecken zu können.“ Aus diesem Grund lädt das Tierschutzhof-Team für den morgigen Samstag von 11 bis 17 Uhr zum vorerst letzten Flohmarkt ein. Es seien wieder viele neue gespendete Artikel dabei.

Weitere Unterstützung willkommen

Die Organisatoren machen darauf aufmerksam, dass auch dieser Flohmarkt unter Sicherheitsvorkehrungen (Mindestabstand, Nase-Mund-Schutz) stattfindet.

Wer verhindert sein sollte, den „Notfellchen“ aber trotzdem unter die Arme greifen möchte, kann dies gern mittels einer kleinen Finanzspritze tun. Weitere Infos auf der Homepage unter www.tierschutzhof.de. Anja Schubert

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