Agrarpolitik im Fokus 

Kreislandwirt befragt Landtagswahl-Kandidaten in Rehden

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Kreislandwirt Wilken Hartje (r.) moderierte die Podiumsdiskussion mit den Landtagswahl-Kandidaten (v.l.) Elke Oelmann (Bündnis90/Die Grünen), Marcel Scharrelmann (CDU), Heike Hannker (FDP), Henry Rohde (Die Linke) und Wiebke Wall (SPD).

Rehden - Von Marcel Jendrusch. Der Dienstagabend stand ganz im Zeichen der Landtagswahl am kommenden Sonntag. Im NDR-Fernsehen standen sich Ministerpräsident Stefan Weil (SPD) und Herausforderer Bernd Althusmann (CDU) gegenüber, in den Rehdener „Ratsstuben“ stellten sich auf Einladung der Landvölker Diepholz und Mittelweser die Landtagswahl-Kandidaten des Wahlkreises 42 den Fragen von Kreislandwirt Wilken Hartje. Themen waren die aktuelle und zukünftige Landwirtschaftspolitik. Knappe zweieinhalb Stunden lauschten die Zuhörer im gut gefüllten Saal den Ausführungen.

Grundsätzlich waren sich Marcel Scharrelmann (CDU), Wiebke Wall (SPD), Heike Hannker (FDP), Elke Oelmann (Bündnis90/Die Grünen) und Henry Rohde (Die Linke) einig: Die Landwirte sind, gerade für Niedersachsen, von unschätzbarem Wert. Sie sichern Arbeitsplätze und versorgen die Verbraucher mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln. Gleichzeitig sollen sie von ihrem Beruf auch leben können und angemessene Preise für ihre Produkte erzielen.

Unterschiedliche Positionen zeigten sich zum Beispiel beim Stichwort „Agrarwende“. Heike Hannker betonte, dass Landwirte am Besten wüssten, was für ihren Hof wichtig sei. Allzu stark sollte da von gesetzgeberischer Seite nicht eingegriffen werden. Marcel Scharrelmann pflichtete ihr bei. Er sei beruflich oft in Asien unterwegs gewesen und habe gesehen, wie dort Lebensmittel produziert werden. Bei den hohen Standards, die es hierzulande schon gebe, könne es nicht sein, dass den Landwirten immer noch mehr Steine in den Weg gelegt werden. Ökologische und konventionelle Landwirtschaft hätten beide eine Daseinsberechtigung.

Elke Oelmann sprach sich hingegen für die Maßnahmen der Agrarwende aus. Es gebe immer noch zu viel Nitrat im Grundwasser, es werde zu viel Ammoniak freigesetzt und auch der Einsatz von Pestiziden sei weiterhin noch zu intensiv. Über gewisse Maßnahmen lasse sich sicher streiten, aber das etwas passieren müsse, stehe außer Frage.

Den Begriff „Agrarwende“ finde sie schwierig, erklärte Wiebke Wall. Am Ende entscheide sowieso der Verbraucher, wohin die Reise der Landwirtschaft gehe. Gerade mit Blick auf die Lebensmittelsicherheit – Wall erwähnte in diesem Zusammenhang den Fall der mit dem Insektizid Fipronil belasteten Hühnereier – könne jedoch nicht jeder das machen, was er möchte.

Rohde: Agrarwende ist richtig

Henry Rohde hält die Agrarwende für richtig. Es werde zu viel gedüngt und die Landwirtschaft solle weiterhin ökologisch ausgerichtet werden. In diesem Zusammenhang machte er jedoch auch deutlich, dass die Verbraucher sich diese Lebensmittel dann auch leisten können müssten. Auch dafür solle der Mindestlohn angehoben werden. Es mache keinen Sinn, ökologische Produkte herzustellen, die niemand bezahlen könne.

Im Nachgang zu den Ausführungen der Kandidaten zu diesem Punkt gab Wilken Hartje ihnen mit auf den Weg, dass die Landwirte mittlerweile so viele Gesetze und Verordnungen beachten müssten, dass selbst die Agrar-Beratungsdienstleister an ihre Grenzen kämen.

Weitgehende Einigkeit der Kandidaten herrschte im Laufe der Veranstaltung wieder darin, dass der Beruf des Landwirts auch wieder attraktiv gemacht werden müsse. Damit müsse bereits in der Schule begonnen werden. Wilken Hartjes Frage nach einem eigenen Schulfach, um auch die Lücke zwischen Produzent und Konsument zu schließen, wurde jedoch größtenteils zurückgewiesen. Gleichwohl solle Basiswissen zu Ernährung, landwirtschaftlichen Produkten und ihren Produktionsprozessen wieder stärker im Unterricht behandelt werden.

Auch der Wolf ist ein Thema

Der Wolf hielt am Dienstagabend, zumindest thematisch, auch kurz Einzug in die „Ratsstuben“. Während sich vier Kanidaten eindeutig für den Abschuss sogenannter Problemwölfe ausgesprochen hatten, ließ Elke Oelmanns Antwort zu der Frage nach dem Umgang mit den Tieren Interpretationsspielraum: „Die Sicherheit des Menschen hat oberste Priorität.“

In seinem Schlusswort dankte Wilken Hartje den Kandidaten für ihr Kommen sowie ihren Mut, sich überhaupt zur Wahl zu stellen. Eine Wahl im politischen Raum sei immer öffentlich und niemand wisse, mit welchem Ergebnis er aus der Sache rausgehe. Sein wichtigster Appell an die Teilnehmer der Fragerunde war der, dass bei politischen Entscheidungen ganzheitlich und in großen Schritten gedacht werden sollte – jedoch immer auch mit Abschätzung der Folgen. Man solle den Landwirten auch die Zeit geben, auf Veränderungen zu reagieren. „Wir brauchen in gewissen Etappen einfach auch Planungssicherheit.“

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