Ana Alvarez kämpft für Ur-Völker Argentiniens

Ackerbohne statt brennende Wälder: Alternative für Soja

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Ana Alvarez (4.v.l.) staunt über die Ackerbohne, die sogar ihren eigenen Dünger produziert – und lässt sich von (v.l.) Uwe Becker, Annemarie Vollring, Anika Berner, Eberhard Prunzel-Ulrich sowie Wolfgang Johanning Anbau und Vermarktung erklären.

Rehden - Von Anke Seidel. Sattes Grün, soweit das Auge reicht: Ana Alvarez, die Direktorin der Organisation „Asociana“, ist aus ihrer argentinischen Heimat andere Bilder gewohnt: Brennende Bäume und trockene Salzwüsten statt dieser kräftigen Ackerbohnen auf dem Feld von Wolfgang Johanning in Rehden. Zwei Welten prallen dort aufeinander. Während in Argentinien die Anbauflächen für Sojabohnen zu explodieren scheinen, züchtet Wolfgang Johanning genau das, was Soja-Importe aus Argentinien ersetzt – eine eiweißreiche Ackerfrucht, die sogar ihren eigenen Dünger produziert.

„Sehen Sie diese kleinen Pünktchen“, zeigt Anika Berner, Mitarbeiterin im Projekt „Eiweißfutter aus Niedersachsen“, auf unscheinbare Verwachsungen. Es sind natürliche Stickstoff-Speicher, selbst gebildet von der Pflanze – aus Stickstoff in der Luft.

Auf dem Hof Johanning sind Ackerbohnen Teil eines natürlichen, regionalen Systems. Denn aus dieser Feldfrucht stellt Wolfgang Johanning das Futter für seine 120 Milchkühe und die Nachzucht her. Sojaschrot aus den USA, Paraguay, Brasilien oder Argentinien kommt bei ihm – anders als bei vielen bundesdeutschen Landwirten – nicht mehr in die Tröge. Dafür besagte Ackerbohnen, Mais, Kleegras und Leguminosen, zum Teil als Silage. „Ernten“ darf Johanning sogar auf Naturschutzflächen.

Ana Alvarez lässt sich Anbau, Futterherstellung sowie Milch- und Käseproduktion erklären. Eine eigene Molkerei hat Wolfgang Johanning in Rehden eröffnet. Dort serviert er seinen Gästen das, was aus dem natürlichen und transparenten Kreislauf entsteht: Milch, Käse und Joghurt – veredelt zu delikaten Produkten.

Der Rehdener ist einer von nur acht Landwirten in Niedersachsen, die Leguminosen wie Ackerbohnen oder -erbsen anbauen und damit das allgegenwärtige Import-Soja von ihrem Hof verbannt haben. Anika Berner sowie ihre Kollegen Andreas Huhn und Eberhard Prunzel-Ulrich hoffen inständig, dass es mehr werden – mit Rückenwind aus dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium, das dieses auf drei Jahre angelegte Leguminosen-Förderprogramm finanziert. „Es läuft im September aus. Aber wir hoffen auf eine Anschlussfinanzierung“, sagt Anika Berner.

Derweil übersetzt Uwe Berger, Referatsleiter von „Brot für die Welt“ der Landeskirche Hannover, den Bericht von Ana Alvarez. Sie sind Partner, denn „Brot für die Welt“ unterstützt „Asociana“ in Argentinien. Beide Organisationen haben ein gemeinsames Ziel: die indigenen Völker, also die Ureinwohner, zu unterstützen. Sie sind es, die unter dem expandierenden Soja-Anbau in ihrer Heimat leiden, ja vertrieben werden und – völlig unwissend – die lebensgefährlichen Abfälle dieser industriell anmutenden Landwirtschaft benutzen: In leeren Pflanzenschutzmittel-Kanistern transportieren sie ihr Trinkwasser.

Ana Alvarez kämpft für die Zukunft und die Würde dieser Menschen, die unter dem gravierenden landwirtschaftlichen Strukturwandel leiden. Wie dynamisch die Soja-Produktion in Argentinien ist und wie groß der Verbrauch in Deutschland, erklärt Anika Berner mit einem Vergleich: „Man müsste dafür ganz Hessen mit Soja bepflanzen.“

Große Soja-Importländer seien vor allem China und Indien, erklärt Uwe Becker den Boom dieser Feldfrucht in Argentinien. Drei Millionen Hektar Wald sind in nur 15 Jahren für Anbauflächen gerodet worden, stellt Ana Alvarez klar. Ein Strukturwandel, der das Sterben der klassischen kleinen Landwirtschaft stark befeuert und immer mehr Menschen in die Elendsviertel der argentinischen Großstädte treibt.

Praktische Beispiele und Argumente sammeln, dass es in anderen Ländern längst Alternativen für Soja gibt und dass deshalb auch Alternativen in Argentinien notwendig sind – darum geht es Ana Alvarez, die in den kommenden zwei Wochen auch in Brüssel sowie in Berlin Gespräche führt und ebenso den Deutschen Kirchentag besucht.

Derweil hoffen die Mitarbeiter des Projekts „Eiweißfutter aus Niedersachsen“, möglichst viele weitere Landwirte für den Leguminosen-Anbau zu gewinnen. So wie Wolfgang Johanning, der schon längst einen oft formulierten Verbraucher-Wunsch erfüllt hat: Er weiß genau, was seine ganz persönlichen Milchlieferanten zum Fressen gern haben. Im Wortsinn.

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